In der Retrospektive ergibt sich manchmal ein Gesamteindruck, der den roten Faden durch das kompositorische Schaffen einer Band erst sichtbar macht. In der KOPFPUNK-Radiosendung vom 18.06.2011 (s.u.) gab es ein ausführliches Portrait des Göttinger Trios BUNKAANGST. Wenige Tage später gaben BUNKAANGST das Ende bekannt, warum auch immer, hoffentlich nicht wegen der Sendung 😉

Beschäftigt man sich ein wenig mit der Vorgeschichte der Band, entdeckt man Parallelen: bereits 2003 als PATZIG veröffentlichte das Trio, bestehend aus Thilo (Bass), Rumpel (Schlagzeug) und damals MatthiaK (Gitarre) deutschprachige Songs auf einer DIY-9-Track-CD („Zu Besuch“): tiefgründig, literarisch (u.a. wurden Texte von Lessing und Rilke vertont) und mit Trademarks wie einem cleanen Gitarrensound und mehrstimmigen Gesang. 2005 fanden Thilo und Rumpel einen neuen Gitarristen (Theo) und veröffentlichten als JUKEBOX MASSAKER eine Split-LP (mit Rotte Chora aus Bremerhaven); auch hier gab es wieder literarische Motive („Die Gleichung“ von Erich Fried) sowie die o.g. Markenzeichen, die Musik wurde jedoch punkiger, schneller, aggressiver und Bassist Thilo lieferte jetzt die Texte, was dem Gesamteindruck der Musik eine leichte 80er-Jahre Note gab: kritische, melancholische, nachdenkliche Texte, abseits von Mitsing-Refrains und BlaBla-Gelalle. Aber auch dieser Besetzung war kein langes Miteinander vergönnt.

Nach einer längeren Denk- und Schaffenspause veröffentlichten Thilo und Rumpel (jetzt mit Adrian an der Gitarre) unter dem Namen BUNKAANGST 2009 die 6-Song-Demo-CD „Hamstarad“, welche in der Punkfanzinewelt einen Haufen netter Kritiken einheimsen konnte. Mit soviel Rückenwind brachten es BUNKAANGST auf eine stattliche Anzahl Konzerte zwischen 2009 und 2010, u.a. mit DIE SCHWARZEN SCHAFE, deren Bassist Christian glücklicherweise den richtigen Riecher hatte und die EP BUNKAANGST auf seinem Label MY DELIGHT RECORDS mitveröffentlichte (da waren auch noch andere Labels dran beteiligt). Wieder heimste das Göttinger Trio einen Haufen wohlwollender Rezensionen ein, aber letzendlich (wie gesagt: warum auch immer?) gab die Band im Sommer 2011 ihr Aus bekannt: es ist so schade…

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