Fehlfarben 2015 Über... Menschen

35 Jahre ist „Monarchie und Alltag“ inzwischen alt und nach wie vor ist das FEHLFARBEN-Debüt von 1980 das Referenzalbum für deutschsprachigen Postpunk. Die musikalische Ruppigkeit seines Frühwerks ist dem Sextett schon lange abhanden gekommen: wer sie daran misst, wird enttäuscht, wer sich dem allerdings unvoreingenommen nähert, wird belohnt, wie mit dem dreizehnten Longplayer „Über… Menschen“ (VÖ 25.09.2015).

Denn die textliche Sperrigkeit hingegen steht und fällt mit Peter Heins Miesepetrigkeitsfaktor in Kontrast zum Hier und Jetzt. Was hierbei auffällt ist der Wechsel der Hassobjekte: früher ging es gegen die Alten, jetzt geht’s gegen die Jungen: „Ich brech’ doch keinen Streit vom Zaun mit Generationen, die sich eh nichts trau’n. Als Rollatorrebell im Kurhotel, … ich alter Sack hab doch nichts in der Hand.“ (aus „Der Dinge Stand“). Der trippigen Naturbeschreibung „Sturmwarnung“ folgt das rockige „Das Komitee“: die befremdlichsten Momente sind die pyrolatischen synthetischen Sequenzen, die die Band allerdings schon seit ewigen Zeiten in ihren Arrangements eingebunden hat. Heimeliger wird’s in den clashigen „Rein oder Raus“ und dem dubbigen „Urban Innozenz“. Bzw. so richtig retro wird es immer in den Momenten, in denen Frank Fenstermachers Saxofon erklingt, z.B. in „Der Mann den keiner kennt“ oder auch „Schmerz, Wut, Genuss“: „Genießen wir einfach gemeinsam das Leben, was Besseres als hier, das kann es nicht geben!“, schmettert Hein hier pathetisch und zwanghaft positiv, untermalt von Thomas Schneiders Sologitarre. Mit NDW-Sound hat das nun wirklich nichts mehr zu tun, der Bandsound ist vielfältig und breitbeinig aufgestellt, 2-4 schnelle Nummern, der Rest midtempo bis balladesk: „Manchmal möchte ich gar nicht mehr schreien!“ resümiert Peter Hein in der Akustikballade „Wie allein“. Im Oktober wird er schreien müssen: da präsentieren FEHLFARBEN ihre neuen Songs auf Tournee. / Marko Fellmann

tapeterecords.com // 41:26 // fehlfarben.com //

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