Paranoya 2015 Fragmente

Es gibt Bands, die man, warum auch immer, jahrelang ignoriert: die huschen so an einem vorbei und irgendwie hat man die schon mal wahrgenommen, auf Plakaten, im Internet oder in einem Fanzine. PARANOYA haben sich 1994 in Hamm gegründet und leben inzwischen teilweise in Duisburg. Sie kommen auf über 200 Konzerte und legen aktuell ihre 8.Veröffentlichung „Fragmente“ vor, komplett Live eingespielt! Die Verpackung ist einfach nur edel: Gatefold-Cover mit innen gedruckten Texten, einem feinen Artwork und einem Beiblatt mit zwei sehr schönen Shortstories von Philip Nußbaum. Außerdem liegen noch die CD-Variante und ein Poster bei: dies alles wurde natürlich nur dank der Beteiligung von insgesamt fünf DIY-Labels möglich.

Das Album beginnt mit „Ahnen“ in Surfgitarrenmanier und wird dann schnell zu Punkrock der klassischen Deutschpunkschule. Allerdings spielen PARANOYA einen bunten Mix aus verschiedenen Punkrockstilen, vorgetragen mit einer zischenden Rhetorik zwischen Selbstzweifeln und zweifelhaften Erkenntnissen: das hier ist nicht Disney! „Disney“ wurde vollkommen zu Recht als erstes Video ausgewählt: treibender Rhythmus, einfacher Refrain, guter Text! Überhaupt muss man sagen: Hendriks Texte machen das Ganze dann wiedererkennbarer, als die Musik das jeh könnte. Wegen der Vielfalt im Programm, fehlt für komplizierte Menschen wie mich der rote Faden. „Bitter“ gefällt mir ziemlich gut und bei „Stampfer“ erklingen wieder surfartige Klänge, bevor es auch hier (analog zum Opener) wieder in ein klassisches Punkrockschema rein geht: dies alles allerdings instrumental, was bei Konzerten Luft zum Atmen lässt, macht für mich im Kontext der Platte kaum Sinn. „Funktion“ kommt mit atmosphärischen Drums und gesungener Gesellschaftskritik. „Hoffnung = Licht“ beendet das Album atmosphärisch düster mit Schlagzeug-Outro. Ist insgesamt alles nichts Neues, weiß aber zu gefallen und wird fortan weiter beobachtet. / Marko Fellmann

elfenart.de // 40:17 // paranoya //

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