2015-11-27 KRANK Setlist 01

Das knackt! Stulle, Höter, Stütze und Mausi sind KRANK. Joao, Tobert, Chriss, Jens, Klaus und V-Mann-Jürgen sind aber auch irgendwie KRANK. Warum das so ist, erzählten mir Jan, David, Flemming und Ramon bei ´nem Pappbecher Kaffee vom Bäcker, in einer WG in Mönchengladbach, wo wir uns nach einem gelungen Releaseday-Auftritt zum Interview verabredet hatten. / Marko Fellmann

Beim Interview waren außerdem noch ULF dabei. Ebenfalls aus Hamburg. Ebenfalls beim gestrigen Konzert und ebenfalls mit deutschsprachigen Punkrocksongs, allerdings eher Richtung DUESENJAEGER, was als Assoziation reichen muss. Deren Debüt-Dingsbums steht zwar noch aus, aber nach dem rundweg gelungenen ersten Auftritt muss ich schon sagen: bin gespannt! Und der Vollständigkeit halber sollten auch noch THE PIXEL CRASHER aus Mönchengladbach erwähnt werden, die am 27.11.2015 mit Coverversionen und eigenen Nummern für gute Stimmung in der Mönchengladbacher Kultube sorgten.

2014 schickte mir Chu Chu Records eine limitierte 7“ von KRANK aus Hamburg, deren sechs Songs mich sofort begeisterten: klassischer Hardcorepunk trifft auf Sänger mit deutschen Texten. Gute Sache erstmal! 2015 hatten KRANK nun die Ehre, ihre Debüt-LP „Ins Verderben“ bei This Charming Man veröffentlichen zu dürfen (VÖ 27.11.2015). Und irgendwas mit TURBOSTAAT war übrigens auch noch…

Jan, welche Bands hattest du eigentlich vor KRANK?

Jan: Ich hab´ vorher noch nie was gemacht: das ist das erste Mal… (grinst) Angefangen hat das Ganze damit, dass mein Schwager Joao und ich das spaßeshalber als Homerecordingprojekt gestartet haben. Daraus hat sich dann nach verschiedenen Verzögerungen die Band KRANK entwickelt. Joao war schon in seiner Heimat Portugal in mehreren Hardcorebands als Drummer aktiv und in Hamburg ist er dann bei NEVER eingestiegen, der Band, in der Chriss Dettmer gesungen hat (übrigens auch Sänger von BENT CROSS). Aktuell spielt Joao bei AAS Gitarre und singt und letztendlich ist er es, dem wir KRANK zu verdanken haben! Joao hat mir nämlich eines Tages zwei Instrumentaltracks zukommen lassen, die er bei sich zu Hause zusammen geschustert hatte. Für diese Nummern hab´ ich mir dann Texte einfallen lassen und dann haben wir eines Abends in seinem Wohnzimmer in einer Bierlaune die ersten beiden KRANK-Lieder aufgenommen: „Ersatzverkehr“ und „Niemand“ waren das, wenn ich mich recht erinnere… Dann haben wir das ein paar Leuten vorgespielt und zu den ersten Hörern gehörten Chriss und Tobert, die das ziemlich cool fanden. Mit denen haben wir dann sogar ein halbes Jahr später mal zusammen geprobt! Aber leider nur ein einziges Mal… Ein paar Monate später hat dann Jens Gitarre gespielt, dazu gesellte sich dann Klaus Hoffmann am Bass, danach hat Karsten alias V-Mann-Jürgen den Bass übernommen (der übrigens auch bei BENT CROSS den Bass spielte), weil Klaus keine Zeit mehr hatte. Jens und Karsten haben sich dann die ganzen Sachen von unseren ursprünglichen Demos drauf geschafft und es kamen immer wieder neue hinzu.

Hey, ich dachte, Klaus Hoffmann sei Toberts KRANK-Pseudonym?

Jan: Nee, aber er fand das soo witzig sagen zu können, das Klaus Hoffmann auf der Platte Bass gespielt hat! (lacht) Klaus hat ganz früher übrigens mal bei Jupiter Jones gespielt.

Woher kennst du denn Tobert überhaupt?

Jan: So über die letzten Jahre ist Tobert einer meiner besten Freunde geworden. Ich glaub´, der Kontakt kam über Chriss, oder wir sind uns in Hamburg irgendwann über den Weg gelaufen und dann hat sich das so ergeben… Hallo Käsemann. Ich bin im Fernsehen!

O.k., aber wie kommen jetzt die drei hier anwesenden Herren ins Spiel?

Jan: Zum Jahreswechsel 2014/2015 war irgendwie klar, dass unser Gitarrist aussteigt, obwohl wir noch den Auftritt mit TURBOSTAAT ausstehen hatten. Daraufhin blieb uns nur die Möglichkeit, dass Joao Gitarre spielt und wir jemanden fürs Schlagzeug finden, da nämlich im Bekanntenkreis auf einmal nur noch Trommler übrig waren, aber keine Menschen die Gitarre spielen. Dafür konnten wir dann Ramon anheuern, mit dem wir das Husum Ding dann durchgezogen haben: nach nur zweimal Proben! Joao war allerdings seinerzeit schon nach Schweden ausgewandert und ist dann für dieses eine Konzert extra nach Husum gekommen. Aber das war dann sein letztes Konzert und wir haben dann erst mal ein halbes Jahr Pause gemacht. auch weil sich die Gitarrenmenschsuche erheblich hinzog. Irgendwie war dann auf einmal Flemming am Start und irgendwie war da aber dann auch schon bald klar, dass Karsten wegen seinem neuen Job keine Zeit mehr für KRANK haben würde, weswegen wir dann parallel David angelernt haben und also zeitweise sogar mit zwei Bassisten geprobt haben. Und dann kam das Konzert mit EMPOWERMENT auf der MS Hedi, welches dann letztendlich Karsten´s letzter Auftritt war.

David: Ich hab´ damals 2012 schon die ersten Demos zu hören bekommen, also: wir kennen uns alle untereinander schon einige Jahre.

O.k., logische Anschlussfrage: wann dreht sich das Musikerkarussel weiter, wer steigt als nächstes aus?

Alle: Keiner!

Flemming: Keiner hört auf! Das fühlt sich nämlich total gut an, gerade nach solchen Wochenenden! Jeder von uns macht schon seit einigen Jahren Musik und ich kann jedenfalls für meinen Part sagen, dass es sich noch nie so rund angefühlt hat.

Heißt doch aber eigentlich, dass von euch Dreien keiner an den Aufnahmen beteiligt war!? Aber du, Jan, du warst bestimmt dabei, oder?

Jan: Es war so: im November 2014 hat Joao in Haukes Studio an vier Tagen alle vorliegenden Lieder eingespielt. Ab dem Zeitpunkt war irgendwie schon absehbar, dass Jens aussteigt. Ich hab dann mal Tobert zu Smukals „Rückkopplung“-Vintage-Equipment-Laden begleitet, wo ich gern´ mal mit ihm rumhänge. Der hat da einen alten Suprem-Verstärker angetestet. Ich fand den super und als dann klar wurde, dass Joao auch die Gitarren einspielen wird, war mir klar, den brauchen wir. Ich hab mich mit Joao und Tobert bei Smukal verabredet und dann haben wir den kleinen rängeligen Verstärker für Joao gekauft. Ohne irgendwelchen Effektgeräte-Schnickschnack hat Joao dann die Gitarrenspuren zu den Drumtracks eingespielt. Smukal hat übrigens zur Ausleihe noch eine 80er Fender Telecaster mitgegeben. Ach noch was. Joao ist zwar im schwedischen Exil, aber es wird sicher noch Lieder von ihm geben in Zukunft. Wir sind ein gut funktionierendes „Ersatzteillager“. Und gerade fällt mir ein, dass Joao den Verstärker immer noch nicht bei mir bezahlt hat, ha ha…

Ääh, was bedeutet „rängelig“? Ist das Norddeutsch?

Jan: Vermutlich gibt’s das Wort nicht. Das ist Tobert und mein Wort für den Amp. Das ist eher lautmalerisch…

Wie kam es überhaupt, dass Tobert den Bass bei „Halbmast“ und „Frühstücksbrot“ eingespielt hat?

Jan: Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich gar nicht so genau weiß, wer bei welchen Liedern Bass gespielt hat. „Regenschatten“ ist definitiv von V-Mann-Jürgen, aber Tobert hat unterwegs auf Tour auch welche gemacht, „Halbmast“ kann sein, „Frühstücksbrot“ auf jeden Fall. Die Vocals hatten wir vorher bei Joao in Smaland/Schweden aufgenommen, aber nicht alle; einige sind von den Demoaufnahmen geblieben, weil sie schon gut waren. Und dann war es Haukes Aufgabe, das alles zusammen zu mischen und zu mastern.

Gut hat er das gemacht! Ich mag so knackige Sounds! Die Texte drehen sich viel um Gesellschafts- und Konsumkritik, aber mehrere Lieder haben vor allem einen politischen Ansatz! Stichwort: „Taten sind lauter als Worte!“!?

Jan: Schwer zu sagen, aber ich denke, dass die Studienzeit in Bielefeld mich schon stark sozialisiert hat. Die Konzertgruppenarbeit im AJZ Bielefeld war ebenfalls ziemlich prägend. Gerade für das politische Umfeld. Jetzt mal abgesehen von meinem Studium der Erziehungswissenschaften und meiner jetzigen Arbeit als Sozialpädagoge, die sich irgendwie auch in den Texten wiederfindet. Zur derzeitigen Situation in Hamburg ist es meiner Meinung nach zwingend notwendig, sich da einzumischen! Und da sind KRANK in der Konstellation auch alle auf einer Wellenlänge.

Was genau meinst du mit „derzeitiger Situation“?

Jan: Die „derzeitige“ Situtation stimmt eigentlich nicht… Es ist die allgemeine Hamburger Situation, die beschissene Sozialpolitik. der abscheuliche Umgang der Stadt mit sozial schwachen Menschen, Obdachlosen, Geflüchteten. Wohnungsnot und Gentrifizierung und dieses Streben nach Anerkennung der Marke Hamburg als weltweites Aushängeschild, ohne Rücksicht auf Verluste, zu Lasten der hier lebenden Menschen!

Gibt es unter euch überhaupt einen waschechten Hamburger?

David: Ja! Mich! Ich bin der einzige gebürtige Hamburger bei KRANK! Ich komme auch ebenfalls aus der Polit-Szene und war aber auch viel in der Harcorepunk-Szene unterwegs und hab´ eigentlich immer mit irgendwelchen Freunden in Bands gespielt: nix, was man kennen müsste!

Ramon: Ich mach schon seit der Schulzeit Musik! Zuletzt hab´ ich einige Jahre bei VIDEOCLUB gespielt: leider ist die Platte aber irgendwie nie fertig geworden.

Das Artwork der Platte ist recht martialisch! Wer hat das designt und wo wurde das geklaut?

Jan: Das hab´ ich gemacht, aber wo das alles genau herkommt, kann ich nicht mehr sagen! Wir haben ein unveröffentlichtes Stück namens „Erlöser“. Da heisst es in einer Zeile „ein Kreuzzug ins Verderben“. Durch diese Kreuzritteranlehnung kam es dann auch zu den mittelalterlichen martialischen Waffen. Der Slogan „Diese Maschinen töten Faschisten!“ kam erst im Nachhinein dazu, weil ich das naheliegend fand!

Malst du sowas selbst?

Jan: Naja, malen nicht. Es sind in der Regel Zusammenstellungen aus verschiedenen Elementen. Die Schrift und das Kreuz sind tatsächlich mit Klebeband gestaltet und abfotografiert. Die Waffen und Nägel von irgendwelchen Bildvorlagen „geklaut“ und umgestaltet. Das ist eigentlich bei allen Designs die ich mache ähnlich. Manchmal kommen da noch Graffitielmente in Form von Stencils zu, wie der Ulf/Krank-Tour- und Releaseflyer. So in der Art…

Wie kommt´s dann überhaupt zu dem Albumtitel „Ins Verderben“? Du hattest dazu ein Foto gepostet!?

Jan: Das ist ein Zitat aus diesem bereits erwähnten unveröffentlichten Stück „Erlöser“, wird aber auch in „Kampf gegen Windmühlen“ erwähnt. Ungefähr vor einem halben Jahr bin ich dann über das Buch „Beton“ von Thomas Bernhard gestolpert, in dem ich ein paar Sätze gefunden habe, die einfach 1:1 das wiedergeben, was „Ins Verderben“ als Titel darstellen soll. Deswegen habe ich diese Schnipsel dann gepostet, weil das einfach passt!

Halbmast“ höre ich als Anti-Besorgte-Bürger-Song: Fähnchen im Wind!?

Jan: Ja, generell ist das eine Kritik gegen die Sorte Menschen, die nicht klar für das einstehen, was sie denken, fühlen, empfinden…

Der Gesamtatmosphäre der Texte ist aber doch schon irgendwie ein bisschen, wenn ihr mich richtig versteht, depressiv, oder? Wird das denn auch genau so von der ganzen Band mitgetragen?

David: Schon! Außer von Mausi, der hat immer gute Laune, ha ha… (alle lachen)

Flemming: Also, ich hab´ immer tendenziell gute Laune! (alle lachen). Depressiv würde ich jetzt nicht sagen, aber das ist so eine gewisse aggressiv-negative Grundhaltung, die wir versuchen energetisch nach draußen zu bringen! Das finde ich irgendwie super!

Jan: Hass ist der kreative Motor!

Flemming: Genau! Es ist ja nicht so, dass die Inhalte der Lieder lustig wären, da gibt es nichts zu lachen. Aber durch die Musik wird einfach auch eine Menge Energie frei gesetzt und das entspricht ja auch der Grundhaltung bei uns allen! Da sind wir uns alle einig und deswegen funktioniert das auch so gut! Und ich glaub`: wir sind alle keine Freunde von Gute-Laune-Musik!

Ramon: Doch! Gestern nach dem Konzert in der Kultube, auf der „Achtziger-Jahre-Party“! (alle lachen).

thischarmingman.de // 31:00 // krankpunk.blogspot.de // video //

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