2016-02-26 Neopit Pilski 2016 Wir-Ihr

Schräg und krumm, aber Songs, gezähmter Noise, hoffnungsmachende Melodien zum Entlanghangeln und sich dran erfreuen, frühe BLUMFELD, ja, Gitarre mit 12er-Saiten komplett einen Ton runtergestimmt und lediglich bei einem Track die tiefe D-Saite noch auf C runter („Kürbis Rote Onkelchen“), immer nur Halstonabnehmer benutzt, dank einem Jazzmaster-Pickup in der Telecaster, edle Mischung, teilweise gemastert von Hauke Albrecht, der Rest in Eigenregie, aufgenommen in Hamburg, als Duo, Stefan Ivanov – Gitarre/Gesang, Simon Schmidt – Schlagzeug, früher allerdings Trio, Lüneburg, bereits 2010 eine CD, noch mit Bassist Steffen, der nun Kinder und Familie vorantreibt, war auch geile Musik, fand aber wenig Öffentlichkeit, jetzt also bei Fidel Bastro, jetzt also mehr Öffentlichkeit?

Wir/Ihr“ hat Atmosphäre und Ausdruck, ohne sich an gängige Mainstreamstandards zu halten. Dennoch ist diese Platte ein guter Wegbegleiter durch die Wirrungen des Alltags, quasi ein Selbstschutzsoundtrack, der Hoffnung macht. Dass NEOPIT PILSKI sich in ihrer Befremdlichkeit diese Zugänglichkeit erhalten empfinde ich als ein Kunststück sondergleichen. Der fehlende Bass wird überhaupt nicht vermisst! Die bulgarischen Texte wirken besänftigend und vertrauensvoll, ohne Befremdlichkeit zu erzeugen. Die Texte liegen der LP nicht bei, aber die Titel sind übersetzt und heißen dann „Lüge“ oder „Knochen“. „Kürbis Rote Onkelchen“ ist Noiseswing, der sich dramatisch steigert, während “Die unerträgliche Vorteilhaftigkeit das Habens“ instrumental und kompositorisch aufwendig daher kommt und irgendwie an Mike Patton oder SONIC YOUTH erinnert. Allein schon der ebenfalls instrumentale Rausschmeißer „Lullaby for Z“ hat wahnsinnig viel Schönes in sich: da braucht es wirklich keinen Gesang, das hat alles, was gute Musik ausmacht! / Marko Fellmann

fidelbastro // 32:18 // neopitpilski

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