2016-04-18 KANNIBAL KRACH - Untermenschen in der Überzahl (LP) front

Mitten in die Fresse! Jetzt habe ich mir „Untermenschen in der Überzahl“ schon sechsmal angehört und bin immer noch begeistert: tighter Grind mit sehr guten deutschen Texten und viel Punk im Blut. Man traut es diesen drei Chaoten aus Wermelskirrchen kaum zu, aber die vorliegenden 18 kurzen Songs sind allesamt absolute Kracher, die mich in ihrer Brachialität und Vielfalt gar nicht so sehr an JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE erinnern (deren Label die LP exklusiv veröffentlicht), sondern eher an SYSTEM OF A DOWN (die davon wahrscheinlich nichts wissen). Die Texte sind misanthrope Gesellschaftsbeobachtungen, die so dermaßen 2016 sind! KANNIBAL KRACH sprechen das aus, was ausgesprochen werden muss, gelegentlich schwenken sie ins Ironische bzw. Augenzwinkernde, aber ihre Beobachtungen sind präzise und beschreiben eine Menge tagespolitischer Probleme, die sich auch auf meiner aktuellen Shitlist befinden!

Verdammt, „Das Plenum“ ist einfach nur großartig und „Tötet die Reichen“ autonomer Aktivierungspunk mit Zorn. Die Produktion und die Arrangements der Platte sind state of art, präzise eingespielt und mit vielen kleinen Details. Und überhaupt das Cover! Ein echter Hingucker, provozierend, satirisch, interpretierbar, mit dem Beigeschmack des Gefährlichen und Verbotenen: die Platte wird bestimmt allein deshalb ein Renner. Gerade in hochpolitischen Zeiten wie diesen ist es mutig solch öffentliche Statements zu setzen. Ich mag die abgefahrene Rhythmusgitarre bei „So tun als ob“ und dass der Song nach einer Minute dann doch noch eine melodische Wende nimmt: es geht also doch?! Es geht sogar noch besser! „Aussterben, Jetzt!“ und „Monokultur“ verströmen Punkrockmelodien, die die Gesamtplatte deutlich abrunden und KANNIBAL KRACH damit gegenüber Genrekollegen deutlich differenzieren. Von vorn bis hinten gut! Das dritte Album und so! Easy Going! Da werden wir noch ein paar Jahre Spaß dran haben. / Marko Fellmann

unundeux // 17:56 // kannibalkrach

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