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Fenster runter kurbeln! Vollgas! DUESENJAEGER gönnen uns ca. 60 Sekunden Autobahn-Punkrock-Romantik in Dur, bevor „Woanders mit Dav“ in düsterem Moll das Herz und die Sinne in seinen Treibsand aus Misanthropie runter zieht: da steckst du fest und kommst ohne Hilfe wahrscheinlich nicht mehr raus!

Jauchetaucher“ überrascht mit klassischen Punkrockriffs, die letztendlich düsterpunkig variiert werden: „Und wenn alles richtig finster ist, an wen wendest du dich dann?“, fragt Sänger Tobi im Refrain – wenn da denn dann überhaupt jemand ist, der einem die Hand reicht. Das sind alles recht klaustrophobische Zustandsbeschreibungen: gesellschaftlich, privat, politisch, übertragbar, atmosphärisch eindeutig und gar nicht so sehr kryptisch interpretierbar, wie es der Albumtitel suggeriert. „Horde“ bringt die Gesamtaussage des 4.DUESENJAEGER-Albums vielleicht am direktesten auf den Punkt: „Alle brüllen sie das Gleiche, die andere Meinung zählt nicht mehr! Wer nicht dabei ist, wird niedergetrampelt! Rücksicht keine Tugend mehr, nach unten nachtreten…“.

Grabeland“ kennt man schon von der 2012er-Split und eröffnet hier die B-Seite des schwarzen 180g-Vinyls, das mit Booklet und Downloadcode in einer 1000er-Auflage erscheint (800 schwarz, 200 bunt und übrigens auch als Tape). „Rastlos und kalt“ hat diese typische DUESENJAEGER-Melancholie und Tobis typischen Up-and-down-Sing-Sang: „Was ist mit deinem Namen, wenn man auch Nummern haben kann? Was nützt das ganze Fragen stellen, wenn es keine Antwort gibt, außer Gartenzaunideologie!? Nicken und Ja-Sagen: wenn das alles ist was bleibt, dann ist das nicht viel!“. Der kürzeste Song „Kreislauf“ wiederum lockert die Gesamtatmosphäre des Albums deutlich auf und wird bei allen zukünftigen Konzerten für mächtig Schubsereien vor der Bühne sorgen: „Alles was jetzt zählt, sind du und ich!“ – kann man da schon von einem Liebeslied sprechen? Nee, ne?! Und selbst wenn doch: „Sintflut“ und „Tief“ beenden musikalisch treibend die Hier-und-Jetzt-Zustandsbeschreibungen „Hast du dir das so vorgestellt, als du klein warst?“. Bzw. „Willst dazu gehören, alles richtig machen, deine Rolle richtig spielen!“.

Treibsandist definitiv kein Sommeralbum, auch wenn es am 30.06.2016 erscheint, trotz der selbstverursachten Wetterkapriolen, über die sich alle aufregen. Es symbolisiert den Rückzug ins Private, die Enttäuschung vom Leben in einer Gesellschaft, die ihre Möglichkeiten vergessen hat und sich auf niedrigste, nicht totzukriegende Instinkte herablässt. Gelegentlich trifft man sich mit Gleichgesinnten und schweigt sich gegenseitig an: weil alles schon gesagt ist und man sich dann sowieso besser versteht. Wir sehen uns an der Theke! / Marko Fellmann

myruin.de // 31:58 // duesenjaeger

12.08. Düsseldorf @ Linkes Zentrum
13.08. Saarbrücken @ Alice + Mr. Inman
20.08. Potsdam @ Angst Macht Keinen Lärm III
02.09. Oerlinghausen @ JZO „40 Jahre JZO“
03.09. Hamburg @ Molotow + Captain PlanET
28.10. Nürnberg @ K4 + Oiro
29.10. tba @ tba + Oiro
04.11. Gotha @ J.U.W.E.L. + tba
05.11. Mönchengladbach @ JuKomm: Never Again! Vol. 11 – Solikonzertreihe gegen Rassismus + Die Strafe + Cocktailbar Stammheim + Naive
02.12. Berlin @ Kastanienkeller
03.12. Berlin @ Schokoladen

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