Storno 2016 Wellness

Warum raus, wenn drinnen sicherer ist? STORNO verleiten zum Innehalten und Zuhören, gerade weil die Musik deutschsprachiger Noisepunk ist. Der verzerrte Bass und das crashige Schlagzeug dominieren den Opener „Herzlich Willkommen“, dessen Text sich nicht an den Hörer richtet und garantiert keine Einladung zu was auch immer ist. Vielmehr geht es um biografische Nullpunkte, die introspektiv auf die noch folgenden Beobachtungen verweisen, nämlich: wie wir wurden, was wir nie werden wollten! Was bleibt ist der Wunsch nach „Wellness“ – was in Anbetracht der misanthropischen Gesellschaftsbeschreibungen, die Sänger Max hier veröffentlicht, nachvollziehbar erscheint.

Geholfen haben ihm Björn Möhlendick (Schlagzeug, Ex-PRINZESSIN HALTS MAUL), Denis Erath (Bass, KURT) und Till Steinebach (Gitarre, Ex-FLOWERPORNOES). Heraus gekommen ist eins der besten deutschsprachigen Slacker-Indie-Alben: laut, noisig, ausdrucksstark. Das hat viel mit dem Livecharacter der Musik zu tun: „Ausnahme Alltag“ z.B. bietet einerseits Hitpotential, andererseits genug Musikraum zum Entdecken und Vertiefen. Der Instrumentalteil in „Talentfrei“ ist wahnsinnig stark mit diesem spacigen Echo-Gitarrensound. „Winter“ wird durch den melodischen Refrain zum zugänglichsten Song des Albums. „Huch“ genügen drei schräg klingende Gitarrentöne, um besonders zu sein. Das alles stes vorgetragen von einer top eingespielten Band, deren Instrumentals bereits stark genug sind, um zu überzeugen, weil sie Ausdruck, Atmosphäre und Dynamik haben. Sehr schön finde ich das Artwork mit dem 70er-Jahren-Familienidyll, das hat Stil und belegt die Gesamtaussage des Albums. „Wellness“ ist ein ehrliches Album, abseits aller oberflächlichen Meilensteine, die einem das Leben so beschert. Geld verdienen lässt sich damit natürlich nicht, draufzahlen ist angesagt: insgesamt also erfolgreich gescheiterter Duischord zum Verlieben! / Marko Fellmann

salon alter hammer // x-mist // 34:13 // storno

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