2016-12-16-peppone-ohne-grund-lp

Hier kommt der langersehnte Nachfolger einer der hoffnungsvollsten Bands im deutschsprachigen Punkkosmos. PEPPONE aus Magdeburg toppen ihr selbstbetiteltes Debüt von 2012 mit Leichtigkeit, was nicht heißen soll, dass so etwas leicht sei, denn den Einstand fand ich bereits top. Aber mit dem erworbenen Selbstbewusstsein der ersten LP, gepaart mit viel Zuspruch seitens der Kritik und der zunehmenden Livepräsenz des Beatboxpunktrios, erstrahlen PEPPONE ab jetzt in voller Blüte und präsentieren hier ein feines DIY-Paket namens „Ohne Grundmit zehn packenden Songs auf weißen Vinyl (limitiert), Textblatt, Postkarten, Aufkleber, Bierdeckel, Download-Code: mehr geht nicht!

Das Album beginnt mit existenziellen Fragen wie „Wo sind wir jetzt, wo waren wir gestern? Ich such den Sinn! Wo wollen wir noch hin?“ (aus „JPM“) und erobert sofort mein Herz! Nicht nur wegen der Texte, sondern weil der besungene Ohrwurm hier tatsächlich stattfindet: das ist alles super melodisch und hitverdächtig arrangiert, bewahrt sich aber seine Punkwurzeln und bedient sich musikalisch an den poppigen Momenten von JOY DIVISION und BOXHAMSTERS, wobei die gelegentlichen weiblichen Backgroundstimmen eine Prise Rachut verstreuen und neben FEHLFARBEN-geschwängerten Augenzwinkereien wie „Das waren Geschichten, die haben sich gelohnt!“ (aus „Grauzone“), ein unauffällig auffälliges Dasein fristen. Die Bridge bei „Am besten weg“ ist mit diesem Wechselgesang verdammt cheesy („Und immer artig und immer nett und niemandem wehtun, am besten weg!“). Bei „Das Urteil“ singt Budde Strafe (DIE STRAFE) gleichberechtigt und liefert ab, macht den kritischen Song zu etwas Besonderem, vielleicht auch weil „Auf Fragen die ich nicht weiß, finde ich immer eine Antwort, auf Fragen, die ich stellen kann, finde ich keine Antwort dann“ ein wenig an „Paul ist tot“ erinnert. Aber gerade so was hat dann natürlich eine gewisse Zugänglichkeit, die allerdings damit einhergehend auch völlig unnoisig daherkommt: hier gehts um Wohlklang! Dieser wiederum aber stets schnell und laut gespielt (Ausnahme „Wegen Frauke“), mit zwei Gitarristen (Normen, Jens), die sich prima ergänzen und sich blind auf ihren Bassisten und Master-of-the-Beatbox Denis verlassen können. Hatte ich das noch nicht erwähnt? Hier gibt es nach wie vor keinen Schlagzeuger, sondern Konservendrums aus der Dose. Macht aber nix, ist prima! Man könnte es auch so sagen: Paul lebt! / Marko Fellmann

boerdebehoerde // 38:22 // peppone

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