Octo 2017 Kitsch

Selten schlägt ein Basssound einem so in die Fresse, wie das bei OCTO der Fall ist. Kein Wunder, sind ja auch zwei Bässe! Torben Feck (Bass) und Tobias Göbel (Bass) haben anscheinend keinen Bock auf Gitarristen und Sänger und machen das deshalb lieber alleine, bzw. gar nicht. Hingegen sind Schlagzeuger anscheinend gerade noch tolerabel, was wiederum Guido Karnstedt (Drums) die Gelegenheit gibt, sich brutal-vertrackt und rhythmisch-sortiert mit den beiden Viersaitern anzulegen.

Seit 2013 spielt das Trio aus K*** instrumentalen Noiserock mit Roadmovie- bzw. Soundtrackcharakter. Das Debüt fand ich schon ziemlich gut! „Kitsch“ hingegen setzt dem Zahn die Krone auf und bietet im Wesentlichen all das, was normale Menschen nicht hören wollen, z.B. die Vertonung des Gefühls hilflos beim Kieferorthopäden im Behandlungsstuhl zu sitzen, während der High-Tech-Bohrer brummt und knackt und ein weißbekittelter Irrer ständig „Weiter auf! Nicht verkrampfen! Weiter auf!“ flüstert (parallel zu der Paradoxie an den Brüsten der Zahnmedizinischen Fachangestellten hinter einem zu ersticken)! „Saudade“ bietet Weltschmerzbetäubung ohne Angst vor dem nächsten Tag, während „Ihre Idole sind Lügner“ böser melodischer Progressive-Rock ist. Ja, das ist natürlich alles irgendwie „Rock“, zumal sich die drei Herren in ihren Arrangements immer an gängige Songwritingmuster halten, was die Musik wiederum zugänglich und wiedererkennbar macht. Und allein schon wegen dem Artwork sollte man sich die Platte kaufen, wenn man denn von den 300 Exemplaren noch eine ergattert. Ich hab eine! Und die gebe ich nicht ab! Für kein Geld der Welt! / Marko Fellmann

Krachladen // 30:21 // Octo

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