Wolf Mountains 2017 Superheavvy

Smoothiegaragepop, der so nicht zu erwarten war! Ich kann mich erinnern, dass es seinerzeit ewig gedauert hat, bis ich das im Eigenlabel veröffentlichte Birthday Songs For Paul“-Tape zugeschickt bekam. Schon damals klang das großartig, was das Stuttgarter Trio (mit Max Rieger als Produzenten) im heimischen Theater Rampe aufgenommen hatte: eine erfrischend krachige Mischung aus Garage, Pop, Psychedelic, Surf und dreckig-klebrigen englischsprachigen Gesang, inklusive dem als Bonus-Track getarnten Überhit „Summer´s Gone“.

Nur drei Jahre später erscheint via This Charming Man „Superheavvy“ auf LP/CD und belegt WOLF MOUNTAINS kontinuierliche Entwicklung in Sachen Soundentwicklung, Komposition und Recording. Die Trademarks der früheren Aufnahmen sind noch vorhanden und nach wie vor dreht es sich hier um Garagenpoprocksurfkram, jedoch nicht mehr ganz so krachig wie beim Vorgänger, dafür aber viel zugänglicher: die Hitdichte hat sich nämlich vervielfacht: „Vacation“ und „Locomotion“ gehören auf jeden pogoaffinen Dancefloor, während „Do What You Want“ und „Nobody Else Will Know“ aus Neunziger-Indierock zitieren. Ausgerechnet „Summer´s Gone II“ ist das Highlight des Albums, ein Stück Musik, dass seinen ganz eigenen Charme besitzt und balladesk mit einem klassischen Laut/Leise-Schema spielt: hymnisch verzaubert Sänger Reinhold Burs mit seinem exaltiert hohen Gesangsstil, was Kevin Kuhn (Schlagzeug) und Thomas Zehnle (Bass) mit eingängiger Brachialität vorgeben. Burs´ Gitarrensound kommt in der Gesamträumlichkeit der Aufnahme bestens zur Geltung: kurze Echos, Tremolo, Vibrato, Fuzz und Lowgainzerre dominieren den Sound der insgesamt 14 Stücke. Atmosphärisch erinnert mich das alles garantiert nicht an Stuttgart, sondern eher an eine einsame Insel im schönsten Sonnenschein mit guten Freunden und kühlen Getränken. Um es nicht zu hübsch klingen zu lassen übersteuern die Aufnahmen gelegentlich und unterstreichen damit aber auch die dynamische Qualität des Trios. Aufgenommen wurde wieder in ungewöhnlichen Räumlichkeiten mit den üblichen Verdächtigen, diesmal allerdings im Künstlerhaus Stuttgart und was soll man sagen: klingt klasse! / Marko Fellmann

thischarmingman // 42:14 // wolfmountains