Nuage & Das Bassorcherster 2018 Es lohntt

Es wächst zusammen, was zusammen gehört! NUAGE & DAS BASSORCHESTER veröffentlichen bei This Charming Man-Records den Nachfolger zu ihrem 2016er-Debüt, welches mich bekanntermaßen ziemlich begeistert hat. Die am 26.10.2018 erscheinende LP „Es lohnt“ bietet knapp vierzig Minuten auf orangen Vinyl im poppigen Artwork, aufgenommen erneut bei Pogo McCartney in Münster, gemischt und gemastert wieder von Christian Bethge in Mannheim.

Wieder was anderes“ beginnt schleppend, nahezu hinkend, robbt sich rein in die Matrix („Manchmal wäre ich gerne in meinem weißen Zimmer ohne Wände.“) und entführt den Hörer in eine ganz eigene Klangwelt, in der die Stimmen hinter einem Nebel aus trockenem Bass und groovig offener Rhythmusgitarre verschwimmen. Phillip Langenbachs Drums sind ausdrucksstark und pendeln zwischen post-punk und übertriebener Lässigkeit. Sein Bruder David hilft ihm dabei, mit dem knarzigsten Bass in ganz Kopfpunkhausen. „Sucht I“ hat ein knalliges Intro und wird dann zum schnellsten Stück der Platte. Vor allem, was hier ab dem Instrumentalteil (1:15 – 2:40 min.) abgeht, ist unglaublich, eine Prise WIPERS schadet ja nie… „Unter Strom“ beginnt mit BLUMFELD-Gedächtniss-Gitarre und entwickelt sich zum ersten großen Highlight: das hat viel mit den Text-Wiederholungen zu tun, die sich gnadenlos zwischen den Ohren festsetzen: das mantraartige „Ich stolpere morgens immer über Staub!“ legt viel Zauber über das dynamische Arrangement, dass aus verschiedenen Parts besteht. „Aus Angst“ erinnert mich atmosphärisch sofort an IDEAL in ihren dunklen Momenten und es funktioniert auch hier wieder mit repetitiven Textpassagen, wie „Ich hab die Zeit vergessen!“. Was da ab 2:26 min. passiert, sucht seinesgleichen: Voodoo-Drums, Rückkopplungen und Gitarrengeräusche, knarziger Bass, alles in Abhängigkeit zu den dynamischen Steigerungen des Trios. Seite B beginnt mit dem äußerst tanzbaren „Sitzverbot“. Kann man da schon von Partymusik sprechen? Ja, aber dafür ist das Grundkorsett dieser Musik zu wenig auf Anbiederung ausgelegt. „Und Abgang“ drückt nach vorne wie frühe FOALS, präsentiert aber auch den bescheuertsten Gesang des Albums, aber: was für ein toller Bass und was für eine tolle HiHat! Dann der Titelsong „Es lohnt“ und stellvertretend für alle Songs sei hier die hervorragende Gitarrenarbeit von Julian Nowakowski erwähnt: was der Junge bei dieser Band an Farbe und Atmosphäre rein bringt, ist außerordentlich. „Besser schlafen“ hat eine coole Brise LEVIN GOES LIGHTLY abbekommen und das Schlagzeug-Intro ist ein Traum! Was in den folgenden neun Minuten Musik passiert, ist mit das Beste, was deutschsprachige Musik momentan zu bieten hat, denn es ist wunderschön befremdlich und das Frischeste, was man aktuell hören kann! / Marko Fellmann

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