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Review: Bahnhof Schwarzburg – Bahnhofsjugend (EP)

Bahnhof Schwarzburg - Bahnhofsjugend - Cover_A

Schräges Ein-Mann-Projekt, abgekürzt BHFSWBG, mit abgefahrenen Homerecordings zwischen DEW, GEWALT und LE SHOK. „Festzelt“ beginnt wild-punkig wie PLASTIC BERTRAND, allerdings mit der resignierenden Erkenntnis „Eigentlich sind Türen nichts für mich“: gute Nummer! „247“ hat ein 80er-Bass-Pattern, der das Kranke im Leadgesang zur Schleife bindet. „Kauf dir was“ eröffnet die B-Seite und präsentiert sich als Hit: post-punkiger Bass, Gitarre, die mehr Soundsamplestation ist, als Saiteninstrument. Und ein Gesang, der durch simpelste Wiederholungen, so etwas wie Mitsingaura herstellt. „Autoauto“ ist kompletter Blödsinn: da hätte man lieber die „Schwarzburg“-Polka draufpacken soll. Die gibt es stattdessen als Bonustrack zum Download dazu. Limitierte Auflage von nur 150 Exemplaren, auf dickem Vinyl, mit Schablone besprühte Cover aus schwarzem Karton, dazu noch Textbeilage und Download-Code. Aus dem Umfeld von KURT, TEN VOLT SHOCK und YASS. / Marko Fellmann

chuchurecords // anker // 7:34 // bhfswbg

Review: NUAGE & DAS BASSORCHESTER – Es lohnt (LP)

Nuage & Das Bassorcherster 2018 Es lohntt

Es wächst zusammen, was zusammen gehört! NUAGE & DAS BASSORCHESTER veröffentlichen bei This Charming Man-Records den Nachfolger zu ihrem 2016er-Debüt, welches mich bekanntermaßen ziemlich begeistert hat. Die am 26.10.2018 erscheinende LP „Es lohnt“ bietet knapp vierzig Minuten auf orangen Vinyl im poppigen Artwork, aufgenommen erneut bei Pogo McCartney in Münster, gemischt und gemastert wieder von Christian Bethge in Mannheim.

Wieder was anderes“ beginnt schleppend, nahezu hinkend, robbt sich rein in die Matrix („Manchmal wäre ich gerne in meinem weißen Zimmer ohne Wände.“) und entführt den Hörer in eine ganz eigene Klangwelt, in der die Stimmen hinter einem Nebel aus trockenem Bass und groovig offener Rhythmusgitarre verschwimmen. Phillip Langenbachs Drums sind ausdrucksstark und pendeln zwischen post-punk und übertriebener Lässigkeit. Sein Bruder David hilft ihm dabei, mit dem knarzigsten Bass in ganz Kopfpunkhausen. „Sucht I“ hat ein knalliges Intro und wird dann zum schnellsten Stück der Platte. Vor allem, was hier ab dem Instrumentalteil (1:15 – 2:40 min.) abgeht, ist unglaublich, eine Prise WIPERS schadet ja nie… „Unter Strom“ beginnt mit BLUMFELD-Gedächtniss-Gitarre und entwickelt sich zum ersten großen Highlight: das hat viel mit den Text-Wiederholungen zu tun, die sich gnadenlos zwischen den Ohren festsetzen: das mantraartige „Ich stolpere morgens immer über Staub!“ legt viel Zauber über das dynamische Arrangement, dass aus verschiedenen Parts besteht. „Aus Angst“ erinnert mich atmosphärisch sofort an IDEAL in ihren dunklen Momenten und es funktioniert auch hier wieder mit repetitiven Textpassagen, wie „Ich hab die Zeit vergessen!“. Was da ab 2:26 min. passiert, sucht seinesgleichen: Voodoo-Drums, Rückkopplungen und Gitarrengeräusche, knarziger Bass, alles in Abhängigkeit zu den dynamischen Steigerungen des Trios. Seite B beginnt mit dem äußerst tanzbaren „Sitzverbot“. Kann man da schon von Partymusik sprechen? Ja, aber dafür ist das Grundkorsett dieser Musik zu wenig auf Anbiederung ausgelegt. „Und Abgang“ drückt nach vorne wie frühe FOALS, präsentiert aber auch den bescheuertsten Gesang des Albums, aber: was für ein toller Bass und was für eine tolle HiHat! Dann der Titelsong „Es lohnt“ und stellvertretend für alle Songs sei hier die hervorragende Gitarrenarbeit von Julian Nowakowski erwähnt: was der Junge bei dieser Band an Farbe und Atmosphäre rein bringt, ist außerordentlich. „Besser schlafen“ hat eine coole Brise LEVIN GOES LIGHTLY abbekommen und das Schlagzeug-Intro ist ein Traum! Was in den folgenden neun Minuten Musik passiert, ist mit das Beste, was deutschsprachige Musik momentan zu bieten hat, denn es ist wunderschön befremdlich und das Frischeste, was man aktuell hören kann! / Marko Fellmann

thischarmingman // 38:39 // nuage & das bassorchester

Review: POGENDROBLEM – Erziehung zur Müdigkeit (LP)

pogendroblem Cover

Machen wir uns nichts vor: POGENDROBLEM ist ein idealer Name für eine Punkband! „Erziehung zur Müdigkeit“ ein herrlicher Anti-Titel zum aktuellen Selbstoptimierungswahn in den sinnlosesten Zeiten, die diese Kultur je erlebt hat, gefangen im Hamsterrad vorhandener oberflächlicher Flexibilität, oder flexibler Oberflächlichkeit, je nach dem, welches Schwein gerade geschlachtet werden muss. Zynismus und Punk ging schon immer! Von Entschleunigung übrigens weit und breit nichts zu hören! Hier wird rumgezappelt!

Nach der 2016er-CD und dem 2017er-Tape „Raus“ veröffentlichen Georg (Gesang), Frieder (Gitarre/Gesang), Marc (Schlagzeug) und Lauritz (Bass) am 21.09.2018 via Inacar-Records ihre erste LP. Bislang hatten sie so ein Asipunk-Image. Ich denke, das wird sich jetzt ändern… Bei Nummern wie „Alles Brei(tolle hallige Gitarre), „Gebrochen“ oder „Foodorable“ möchte ich jedenfalls nicht vor der Bühne stehen… Aber gerne am Rand oder hinter der Bühne! So beginnt das Album erstmal mit mächtig auf die Fresse! „Banden“ steht dem in nichts nach, bietet musikalisch aber mehr Gesamtintelligenz und hat mit dem catchy „Wir wollten Banden bilden!“-Refrain echten Hitcharakter! Na klar, es ist irgendwie auch der schnoddrige Gesang, der auf den Vorgängern noch nicht ganz so kaputt war und klar, man sollte erwähnen, dass es zwei Sänger sind! Das spielt für das Album aber keine Rolle, da letztendlich alle Tracks überzeugen. Bei „Netzwerken“ geht’s nämlich genau so weiter, bzw. es wird sogar irgendwie post-punkiger und tiefer, auch wenn es nach wie vor derbe knüppelt. „Lé Cafe C’est Moi“ erinnert mich verdammt an KRANK und hat so einen gewissen Achtzigervibe. Dann kommt auf einmal dieser wahnsinnig gute (und ziemlich tagespolitische) Song „Hambacher Forst – Hambacher Fest“ der einfach nur ein Hit ist! „Scheisswelt“ hat alles, was Punk bieten kann/muss/soll/darf! „Schnoeselpunx“ behandelt die im DIY-Punk gerne geäußerte interne Szenekritik, also wie das mit dem ganzen kann/muss/soll/darf eigentlich ist! Der sogenannte Hiddentrack „Dabbeln im Nachtbus“ ist vielleicht und hoffentlich eine noisige Andeutung zukünftiger musikalischer Möglichkeiten, das wäre schön! Kommt mit Poster, Textblatt, Aufkleber in 500 schwarzen Exemplaren! / Marko Fellmann

inacar // 18:12 // pogendroblem

Review: TROON – s/t (LP)

Troon 2018 LP

Vom Zweimannprojekt zur Band in nur acht Jahren! TROON gibt es bereits seit 2010, aber erst jetzt erscheinen die gesammelten Aufnahmen von 2013. Bei denen war es noch so, das Jul alleine Schlagzeug, Gitarre und Bass im Werner-Wiese Studio eingespielt hat, während Chris den Gesang beisteuerte. Zwischenzeitlich haben TROON feste MitmusikerInnen gefunden und bereits das zweite Album eingespielt. Wann das erscheint, steht in den Sternen. TROON arbeiten aktuell bereits am dritten Album.

Eulogy“ eröffnet kraftvoll-instrumental Seite A der mit 96 Exemplaren wirklich streng limitierten 12“. Dann folgen fünf Stoner-Psychedelic-Alternative-Kracher, die durch Chris´ Vocals eine gehörige Portion Mike Patton abbekommen. „Squeeze the Lizard“ ist krachiger Stoner-Rock mit viel Punk in sich und einem wirren Saxofon. „Swimgroovt sich mit einer mächtigen Bassgitarre in die Tiefen der eigenen Befindlichkeit. „Gum Head“ wird von Chris brüllend dargeboten und entpuppt sich als Ohrwurm mit Headbanggarantie. Auf Seite B bieten TROON dann ein erweitertes Spektrum und überraschen mit einem Gastauftritt von Junge, der „Reactionary Swine“ in unnachahmlicher Art und Weise vorträgt: ein echtes Highlight! „The Clear in Chrystal“ & „Swansong“ aber sind meine Favoriten: instrumental, melodisch und mit ausufernden Parterweiterungen, viel Feedback und gejammten Situationen, die eine enorme Dynamik entwickeln: ganz großes Kino! / Marko Fellmann

musikzimmer // econore // 29:22 // troon

Review: GAD WHIP – Post Internet Blues (LP)

Gad Whip 2018 Post Internet Blues

Es gibt nichts zu feiern! GAD WHIP vertonen die große britische Depression und verweigern sich allen gängigen Schubladen und Kategorien. Ihr Backkatalog besteht seit 2014 aus DIY-Tapes und einer 12“-EP, weitestgehend ohne öffentliche Reputation. Beim ersten Hören dachte ich, dies sei ein Ein-Mann-Projekt und war ziemlich überrascht, dass es sich dann doch um eine Band handelt.

Aufgenommen wurde „Post Internet Blues“ zwischen April und Mai 2018 in Schlagzeuger Lee Drinkalls Yuba-Tonstudio. Die atmosphärisch groovende Musik, die Bill Amos (Bass) Geoff Bolam (Synthesizer) und Lee Drinkall (Schlagzeug) hier generieren, vertont die pessimistisch resignierenden Texte des Tausendsassas Pete Davies, der mit seinen Lyrics tief ins ausblutende Brexit-Herz trifft: Cheers bud, that´s clear as mud! Sein desillusionierter Sprechgesang ist sicherlich nicht jedermanns Sache, denn weitestgehend kommt seine Stimme ohne dynamische Sprünge und lautes Agitieren aus. Von daher greift der gern genommene SLEAFORD MODS-Vergleich nicht wirklich. „Goat Bag“ hat die Atmosphäre einer nächtlichen Autofahrt durch das von Zombies verwüstete Lincolnshire: während die Tanknadel tief im roten Bereich vor sich hin zittert, sehen die Insassen überall nur Blut und Verwesung, wo einst blühende Landschaften Hoffnung und Zuversicht verbreiteten. Die LP ist auf 200 Exemplare limitiert, 50 davon in Splattered-Grau, der Rest in Schwarz. / Marko Fellmann

xmist // 29:36 // gadwhip

Review: NOPEDOSE – Alte Menschen singen alte Lieder (LP)

Nopedose 2016 Alte Menschen singen alte Lieder

Es gibt Platten, die begleiten einen über Jahre und werden immer besser, je öfter man sie hört! “Alte Menschen singen alte Lieder” von NOPEDOSE ist eine davon! Sie wird nie in irgendwelchen Charts landen, denn sie hat keinen Hit! Keine Sau wird diese Platte jemals kaufen, denn sie kostet 18€ und ist aber nicht im 3-Bezahlen-5-Mitnehmen-Warenkorb mitnehmbar. Außerdem handelt es sich hier um deutschsprachigen Post-Punk mit schlauen Texten, viel Rock und wenig Noise, aber dafür mit schrägen Ideen und Humor: das braucht wirklich keiner, oder?

An vier Wochenenden in 2016 hat das Lippstädter Trio seinen ersten deutschsprachigen Longplayer eingespielt. Tatkräftige Hilfe erhielten sie dabei von Guido Lucas und Ralf Rock im Mönchengladbacher Stöhr Sound-Studio. Es war eine gute Entscheidung den ursprünglich englischsprachigen Pfad der eigenen Discografie seit 2005 zu verlassen und auf Guido Lucas´ Rat zu hören: macht das in Deutsch! Noch 2012 nahmen NOPEDOSE nämlich den Vorgänger “Good Morning Limbic System” in der Troisdorfer Blubox auf. Von da an begann allerdings ein Prozess der Veränderung, der dann 2016 in mehreren Sessions aufgenommen wurde.

Nie dein Herz” ist der Hit der Platte, egal was ich oben geschrieben habe! In einer Mischung aus BLUMFELD, KEINE ZÄHNE IM MAUL ABER LA PALOMA PFEIFEN, BERND BEGEMANN und ERDMÖBEL erstrahlt die Siebenminutennummer voller Pathos und Inbrunst: “Begrabe deinen Stolz und alles was ich hab, der letzte Bus fährt ab!”. Ein echtes Highlight! Was für ein Opener! Was jetzt folgt, muss schlechter sein, aber nein: “Licht” geht richtig ab mit einem groovigen Schlagzeugintro und treibendem Bass, über die Gitarrist/Sänger Michael Westbomke dann seine schrammelige Rhytmusgitarre drüber legt. “Je Suis Scheisse” wird nach fast eineinhalbminütigen Intro zum härtesten Stück der Platte und hat viel Punk in sich. “Film Noir” ist genau wie “Licht” bei Auftritten ein echter Kracher und entwickelt sich auf Vinyl prächtig mit viel Feedbackfiepen im Hintergrund, einer bekloppten Orgel und einer dynamischen Rhytmusgruppe mit Lars Richter (Bass) und Heiko Spaniel (Schlagzeug). Die B-Seite startet mit dem instrumentalen und äußerst bekloppten “1-1-1+b.B.z.n.” auf welchem ein Fahrrad als Rhytmusgerät missbraucht wurde, während “Trotzenstrotzen” (mit Saxofon) und “Chemie und Pisse” starke Hamburger Schule-Einflüsse offen legen. Aber egal wie oft ich diese Platte höre: “Nie dein Herz” überstrahlt das gesamte Album so dermaßen, dass alle anderen Lieder ein Schattendasein fristen: so ist das mit Hymnen nun mal! / Marko Fellmann

stoehrsound // 43:33 // nopedose

Review: YASS – Finch/Zeroes (EP)

Yass 2018 Finch-Zeroes EP

Gnadenlos gut! YASS liefern ab und treten Noise-Rock kräftig in den Allerwertesten! Leider nur zwei Tracks, verdammt, warum nicht mehr? “Finch” verbindet Zappelphilippsyndrom mit symphonischer Größe und hört nicht auf zu rocken. Was auch immer Gitarrist/Sänger Frank Otto da zwischendurch ins Mikro ruft, es macht mich glücklich! Aber bis dahin sind es über zweieinhalb Minuten, in denen Schlagzeug und Gitarre alleine soviel Wucht und Größe erreichen, dass man sich wie auf Koks fühlt. Die Art wie Markus Brengärtner ins Schlagzeug drischt hat was! “Zeroes” überrascht dann mit regulär gesungen Strophen und hat atmosphärisch eine gute Prise TRAINSPOTTING in sich. Hier gibt es was zu entdecken und ja, es klingt durchaus britisch, obwohl die beiden Songs, wie immer, im Liquidstudio/Freiburg aufgenommen wurden, übrigens bereits im Frühjahr 2017. Veröffentlicht einzig und allein von ChuChuRecords, die somit das coolste Label des Monats sind. / Marko Fellmann

chuchurecords // 6:25 // yass

Review: PANIKRAUM – Kopfkino (LP)

Panikraum 2018 Kopfkino

Da ist sie endlich! Sie hat etwas länger gebraucht, um sich hübsch zu machen, aber die Arbeit hat sich gelohnt. PANIKRAUM veröffentlichen zum Einstand eine reguläre Langspielplatte mit vierzehn deutschsprachigen Liedern, angesiedelt zwischen Mönchengladbacher Schule und Punkrock, wobei die Betonung auf Rock liegt. Es sind die vierzehn Lieder, die bereits auf den zurückliegenden Konzerten der letzten zwei Jahre gespielt wurden und die Sänger/Gitarrist Alexander gelegentlich sogar als DER KLEINE PANIKRAUM, alleine mit Gitarre, präsentiert. Natürlich kennt man Alex aka. Budde Strafe von seiner anderen Band DIE STRAFE bereits als Sänger und Musiker: er ist der, der so enorm nach dem EA80-Sänger klingt und das auch ziemlich gut macht. Auf „Kopfkino“ hingegen findet Alex seine eigene Stimme und lässt also auch andere Einflüsse zu.

Zuerst war da ein biografischer Nullpunkt der aus einem Beziehungsende erwuchs und textlich abgearbeitet werden wollte. Dann kamen die ersten Versuche mit verschiedenen Musikern, bis sich 2017 eine feste Besetzung etablierte. Von da an wurden kontinuierlich Konzerte gespielt und außerdem vierzehn Lieder produziert. „Kopfkino“ wurde im Laufe des Jahres 2017 im Stöhr Sound-Studio von Ralf Rock aufgenommen, gemixt und gemastert. Ralf gehört wie Guido Lucas zur Gründungsbesetzung von PANIKRAUM, aber inzwischen haben Markus (Gitarre), Jasper (Bass) und Nico (Schlagzeug) das Ruder übernommen und liefern gnadenlos gut ab. Nicos Schlagzeugspiel swingt, ohne sich aufzudrängen, während Jaspers simpel groovender Bass die Ebenen Rhythmus und Harmonie verbindet und den Sicherheitsschirm für die beiden Gitarren aufspannt. Kompositorisch dominieren hier klassische Songschemata, ohne viel Drumherum wie Gitarrensoli oder lange Instrumentalpassagen: es geht hier um Songs!

Unbekannt“ ist ein Mutmacherlied mit Aktivierungspotenzial. „Feuer“ bietet den Blick in den Spiegel und pendelt zwischen Nostalgie und Motivation. „Garten“ geht sofort ins Ohr und beschreibt ein Beziehungsende ohne Happy-End. „Folge mir“ ist ein Liebeslied im klassisch-melodischen Punkrockformat. „Meinung Macht“ dreht sich um unkritischen Nachrichtenkonsum („Meinung wird nicht gebildet, sie wird nur erdacht, um unsere Ängste zu schüren, denn wer den Hebel hat, hat auch die Macht!“) und überrascht mit einem völlig unpunkigen Hard-Rock-Intro. „Zwei Wege“ handelt von den Unsicherheiten, die einem das Leben so bietet. „Nie Wieder“ hat eine ganz besondere Atmosphäre und das Potential sich zur antifaschistischen Hymne zu entwickeln: was für ein schönes und ausuferndes Ende für die A-Seite! „Nicht Sein“ dreht sich um Selbstbestimmung, „Zu spät für was“ um Neuanfang und „Flucht und Verzicht“ um Empathie. Überhaupt muss man sagen, dass in den Texten zwar viele traurige Beobachtungen beschrieben werden, aber andererseits transportieren die Aussagen auch eine Menge Hoffnung und leisten Überzeugungsarbeit, sich nicht zu verlieren und aufzugeben, sondern Dinge zu akzeptieren und weiter zu machen. All das folgt einem roten Faden und spiegelt das „Kopfkino“ Stand 2016/2017: Insider behaupten, es gäbe bereits das nächste Dutzend fertiger Songs! Die schwarze LP enthält Downloadcode, Textbeilage und hat ein 350g/m² Cover. Das Coverdesign ist außerordentlich! Die Widmung berührt! Und übrigens gab es auch eine auf 99 Exemplare limitierte violett/marmorierte Farbvinyledition! Zu spät, bzw. viel Glück an alle Sammler! / Marko Fellmann

majorlabel // 45:44 // panikraum

Review: NOSEHOLES – Danger Dance (LP)

Noseholes 2017 Danger Dance

Schräg! Knapp ein halbes Jahr nach der Debüt-7“ veröffentlichen NOSEHOLES ihr erstes Album „Danger Dance“ parallel in Deutschland und England und dabei ist das Hamburger Quartett (Ex-DAS ENDE) noch recht frisch bei der Sache: der erste Auftritt wurde im November 2017 absolviert und die meisten Songs wurden an nur zwei Tagen von Kristian Kühl aufgenommen. Der titelgebende erste Track „Danger Dance“ beginnt gemäßigt und zurückhaltend, groovt sich aber kontinuierlich ins schwarze Herz. Basis ist eine klassische Triobesetzung mit Gitarre/Bass/Schlagzeug plus Gesang. Geboten wird postpunkiger No Wave mit Undergroundcharme, tanzbar, mitsingbar, dabei allerdings nicht zwingend melodisch und nach der großen Hook hechelnd: stadionkompatible Refrains kann man hier lange suchen.

Zentral sind Steve Somalias dominant groovende Basslinien, die durch Tobis Gitarre mal funky, mal spacy, jedenfalls möglichst crazy ergänzt werden. Sängerin ZooSea Cide gibt der ganzen Sache einen Roadmoviecharakter mit Wiedererkennungswert, wobei ihre Gesangsstimme stets agitiert und sich dominant im Bandgefüge platziert. „Lush Box“ klingt enorm nach 1981 und ist ein verdammter Hit („Honey in the mouth, cocaine in the brain, hey!“)! „Styling“ benutzt ein ähnliches Schema, wird aber von einer ziemlich abgefahrenen Gitarre dominiert. „Yelzins Affair“ ist ein seltsames Gegeneinander im gejammten Miteinander, über das ZooSea improvisierte, geheimnisvolle pseudo russische Strophen spricht. „Ex Driver“ kommt enorm abgefahren mit Echogitarre im Refrain. Der immer noch ziemlich schräge Stampfer „Bed Smoker“ brilliert mit sehr coolen Basslinien und einer vielschichtigen Gitarre, die gelegentlich nach Orgel klingt: ein Hoch auf Fußpedale! „Aspirin Nation“ beendet instrumental und improvisierend mit „Lost Highway“-Gedächtnis-Saxofon-Solo die leider viel zu kurze Platte! Da hätte man ruhig noch „Noseholes“ und „Drug Owner“ von der EP drauf packen können, aber gut, so isses jetzt! Arte kann kommen! / Marko Fellmann

chuchurecords // harbingersound // xmist // 16:29 // noseholes

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