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Interview: SLEAFORD MODS + KARIES, Düsseldorf, Zakk, 2015-11-04

2015-11-04 SLEAFORD MODS + KARIES Ticket

Ich hab´ keinen Beruf gelernt und auch nicht studiert!“ SLEAFORD MODS Andrew und ich sitzen im Biergarten des Zakk, trinken ein Bier und quatschen ein wenig über Musik. Es ist die Phase zwischen Soundcheck und Einlass, in der niemand so recht weiß, wohin mit sich. Sänger Jason düst mit Manager Steve kurz ins Hotel um einzuchecken, aber Andrew tut sich die Aktion ganz bewusst nicht an: „So Sachen wie Hotel-Check-In langweilen mich maßlos, totale Zeitverschwendung: da rauch´ ich mir lieber eine mit dir! Hast du noch mal Feuer?“. / Marko Fellmann

Dass die SLEAFORD MODS ein Phänomen sind, weil sie Retro mit Progressive verbinden, sieht Andrew genau so! Verdammt, da stellt man eine platte, provozierende Frage und erhält Zustimmung!? Ich dachte, jetzt überschüttet er mich mit Spott und Hohn, aber nein: „Also, das Wort Progressive würde ich zwar für unsere Musik nicht gebrauchen, aber im Prinzip hast du natürlich Recht. Es ist doch so: wären wir zwei schwarze Rapper, würde wahrscheinlich kaum jemand davon Notiz nehmen. Aber so haben wir unser Ding gefunden und es gibt eigentlich keinen anderen, der so etwas macht!“

Das „Ding“ ist Sänger Jasons (meist) gesprochenes Wort, unterlegt mit DJ Andrews vorproduzierten Samples, gelegentlich aufgepeppt durch Gesang mit stark repetitiven Passagen, die man durchaus als Refrain bezeichnen kann, allerdings tonal eingegrenzt, zwischen rausgerotzter Unzufriedenheit und aufrührerischem Working-Class-Appeal. Die Art und Weise wie Jason die vielsilbigen Texte performt macht die Musik der SLEAFORD MODS zu Punk. Durch die Reduktion auf das Nötigste fungiert der MODsche Minimalismus als Stil- und Kontrastmittel zur Epoche der Dekadenz, die sich laut Andrew seit den Achtzigern nicht nur fortgesetzt, sondern geradezu manifestiert hat. „Klar, wir wissen schon sehr genau, was wir tun und warum wir das so machen, aber mit der Zeit wird da von außen einfach mehr rein interpretiert, als tatsächlich geplant war. Und, weißt du, diese Entwicklung der letzten zwei Jahre ist einfach insgesamt so dermaßen ungewöhnlich und überhaupt nicht planbar – wir kommen da ja selbst kaum noch mit!“

Aber im Hotel schlafen zu können, ist doch wesentlich entspannter, als auf dem Teppichboden irgendeiner privaten Übernachtungsmöglichkeit, oder? Andrew nippt an seinem Bier: „ Es ist doch alles eine Frage des Wohlfühlens, oder? Und wie kann man sich denn in einem Hotel wohlfühlen? Zuhause in Nottingham lebe ich inzwischen etwas außerhalb der Stadt, auf einem Hausboot auf dem Nottingham Canal, fernab von dem Kaff. Wenn wir proben oder aufnehmen wollen, mieten wir uns kurzfristig für ein paar Tage irgendwo in der Stadt ein, sind da aber ungebunden und wollen das auch weiterhin sein. Übrigens war ich vor meiner SLEAFORD MODS-Zeit noch nie in Deutschland: das Publikum kifft hier während der Konzerte, oder!? In England würden die sofort von irgendwelchen Securityaffen abgeführt werden. Hast du noch mal Feuer?“.

Klar, hab´ ich! Andrew erzählt, dass sie das aktuelle Album „Key Markets“ in zwei Tagen eingespielt hätten, sie seien eh immer sehr schnell bei der Umsetzung: „Die Samples, die ich so benutze, sind teilweise über 15 Jahre alt. Ich mache seit über 20 Jahren Musik und habe einen wirklich großen Fundus an alten Proberaumaufnahmen und digitalen Samples. Darüber spiele ich dann eventuell noch eine Bassspur ein, so einfach kann´s gehen. Das heißt, dass Jason da recht simpel drüber improvisieren kann und sich mit dem Thema Komponieren kaum beschäftigen muss. Dann kommt man natürlich schnell zu guten Ergebnissen…“

Kevin Kuhn hat nichts zu tun und bringt uns Bier: er trägt heute ein QUEEN-„Jazz“-T-Shirt, welches mir nicht besonders echt erscheint, weil mir der QUEEN-Banner vollkommen unbekannt ist. Aber Kevin klärt uns auf, dass dieser spezielle Schriftzug zur damaligen Tour exklusiv für den amerikanischen Markt entwickelt wurde.

Es folgen Gespräche über GRACE JONES/OASIS, DURAN DURAN/STONE ROSES und irgendwie endet alles bei einem CRASS/WHAM! –Vergleich, dessen Quintessenz ich nie erfahren werde, weil in dem Moment die ersten Gäste in den Biergarten strömen und Andrew von einem weiblichen Fan nach einem Autogramm gefragt wird. Schreibt er natürlich gerne, aber für ihn ist das dann auch irgendwie das Zeichen, sich in den Backstagebereich zu verkrümeln und noch schnell mit seinem zwischenzeitlich wieder im Zakk befindlichen Sänger eine Kleinigkeit zu essen.

Ich gehe kurz mit und werde Backstage vom MODS-Fanboy Schippy eingeladen, KARIES´-Gitarrist/Sänger Benjamin am Kickertisch zu vertreten. KARIES-Gitarrist Jan und ich gewinnen gegen Schippy und KARIES-Bassist Max zweimal ganz, ganz locker. Gute Gelegenheit um KARIES mal zum Stand der Dinge zu befragen.

Ich habe mir vorgenommen, die Begriffe S*******t und D** N***** in diesem Interview nicht zu benutzen! O.k. für euch?

Alle: Juhu, Hurra, Yippieh, na gut…

Seit unserem letzten Interview, damals noch für das zwischenzeitlich eingestellte Punkrock!, ist eine Menge passiert! Erzählt mal!

Benjamin: Das war im Oktober 2014, kurz vor dem Release von „Seid umschlungen, Millionen“, oder? Wir haben dann das gemacht, was Bands halt so machen, wenn eine Platte veröffentlicht wurde. Insgesamt haben wir 30 Konzerte rund um die VÖ gespielt. Im März haben wir dann neue Songs aufgenommen und sind wieder auf Tournee gegangen und hatten außerdem noch zwei Weekender vorm Sommer. Danach haben wir dann erst mal ´ne Pause gemacht. Danach gab´s noch die Konzerte in Essen und Nürnberg beim This Charming Man-Fest, ja und jetzt sitzen wir hier mit dir in Düsseldorf. Morgen geht’s nach Berlin und am Wochenende noch nach Leipzig und Erfurt.

Kevin: Beim Reeperbahn-Festival in Hamburg waren wir dank Chris, der uns zum TCM-Showcase eingeladen hat.

Max: Wir sind gerade schon dabei Songs für´s kommende Album zu schreiben. Für Anfang Januar 2016 haben wir die Aufnahmen angesetzt.

Wo nehmt ihr auf?

Max: In Stuttgart bei Ralf Milberg…

Hatten wir nicht gerade eine Vereinbarung getroffen? (alle lachen)

Max: O.k., in den Milberg-Studios in Heslach!

Benjamin: Wir werden auf jeden Fall Live einspielen! Vielleicht noch den ein oder anderen Overdub hier und da, aber das Hauptding spielen wir zusammen ein.

Ich stelle also fest: da haben sich´ne Menge guter Sachen entwickelt, man hört nur Gutes über euch und die Platte musste bereits nachgepresst werden, soweit ich weiß. Eigentlich genau so, wie Benjamin es in seinem Größenwahn von Anfang an erwartet hat, oder!?

Benjamin: Ehrlich? War ich? Find´ ich gar nicht!

Naja, „sympathisch Größenwahnsinnig“ mein´ ich natürlich…

Max: Ich kann mich erinnern, wie wir vor drei Jahren vor unserem ersten Konzert zusammen saßen und Benjamin so laut vor sich hin geträumt hat: dass es Wahnsinn wäre, wenn wir mit der Band mal auf Tournee gehen würden und vielleicht irgendwann mal bei irgendwem auch Vinyl veröffentlichen. Deswegen ist der momentane Zustand auch irgendwie etwas surreal für mich, z.B. hier heute Abend mit den SLEAFORD MODS zu spielen: das entmystifiziert das Ganze auch ein Stück weit!

Ergibt sich denn hierdurch vielleicht auch eine England-Connection für euch?

Benjamin: Schippy begleitet ja die SLEAFORD MODS durch Deutschland und hat eines Abends deren Manager Steve unsere Musik vorgespielt. Steve betreibt das Label Harbinger Sound und dadurch ergaben sich dann die aktuellen Supportshows und eine Beteiligung an der neuen Single.

Kevin: Es war schon ziemlich toll, dass Steve KARIES in einem Interview im RECORD COLLECTOR-Magazin erwähnt hat. Das war ein echtes Highlight für mich, da ich davon ein paar Hefte zu Hause habe, nämlich die Ausgaben, bei denen QUEEN oder THE BEATLES auf dem Cover waren, ha ha… Angeblich haben wir seinen Enthusiasmus für neue Musik wieder entfacht, das ist doch ein nettes Kompliment…

Benjamin: Das ist natürlich super, dass vier von insgesamt sieben Songs unseres Demos so doch noch mal das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Gibt´s irgendwo noch eins dieser Demo-Tapes zu kaufen?

Kevin: Nur wenn jemand sein gebrauchtes Tape hergibt (alle lachen)…

2015-11-04 SLEAFORD MODS + KARIES 03

Review: PARANOYA – Fragmente (LP)

Paranoya 2015 Fragmente

Es gibt Bands, die man, warum auch immer, jahrelang ignoriert: die huschen so an einem vorbei und irgendwie hat man die schon mal wahrgenommen, auf Plakaten, im Internet oder in einem Fanzine. PARANOYA haben sich 1994 in Hamm gegründet und leben inzwischen teilweise in Duisburg. Sie kommen auf über 200 Konzerte und legen aktuell ihre 8.Veröffentlichung „Fragmente“ vor, komplett Live eingespielt! Die Verpackung ist einfach nur edel: Gatefold-Cover mit innen gedruckten Texten, einem feinen Artwork und einem Beiblatt mit zwei sehr schönen Shortstories von Philip Nußbaum. Außerdem liegen noch die CD-Variante und ein Poster bei: dies alles wurde natürlich nur dank der Beteiligung von insgesamt fünf DIY-Labels möglich.

Das Album beginnt mit „Ahnen“ in Surfgitarrenmanier und wird dann schnell zu Punkrock der klassischen Deutschpunkschule. Allerdings spielen PARANOYA einen bunten Mix aus verschiedenen Punkrockstilen, vorgetragen mit einer zischenden Rhetorik zwischen Selbstzweifeln und zweifelhaften Erkenntnissen: das hier ist nicht Disney! „Disney“ wurde vollkommen zu Recht als erstes Video ausgewählt: treibender Rhythmus, einfacher Refrain, guter Text! Überhaupt muss man sagen: Hendriks Texte machen das Ganze dann wiedererkennbarer, als die Musik das jeh könnte. Wegen der Vielfalt im Programm, fehlt für komplizierte Menschen wie mich der rote Faden. „Bitter“ gefällt mir ziemlich gut und bei „Stampfer“ erklingen wieder surfartige Klänge, bevor es auch hier (analog zum Opener) wieder in ein klassisches Punkrockschema rein geht: dies alles allerdings instrumental, was bei Konzerten Luft zum Atmen lässt, macht für mich im Kontext der Platte kaum Sinn. „Funktion“ kommt mit atmosphärischen Drums und gesungener Gesellschaftskritik. „Hoffnung = Licht“ beendet das Album atmosphärisch düster mit Schlagzeug-Outro. Ist insgesamt alles nichts Neues, weiß aber zu gefallen und wird fortan weiter beobachtet. / Marko Fellmann

elfenart.de // 40:17 // paranoya //

BEN RACKEN + PARANOYA, Duisburg, Djäzz, 2015-10-16

2015-10-16 Foto von myhna.myria 01
Foto von Uwe Hubatschek

Viel zu selten spielen BEN RACKEN in Nordrhein-Westfalen! Seit gut sieben Jahren begleitet mich die Musik des Magdeburger Trios, welches mir seinerzeit von Elfenart Records ans Herz gelegt wurde. Im Radio hatte ich sie nur deswegen nie, weil sie vollkommen unfähig waren, ohne gesetzlichen Betreuer im Internet zu skypen, bzw. sie sind es immer noch! Definitiv! Und selbst das Ox-Interview ist unter sehr „Neuland“-mäßigen Umständen zustande gekommen. Also musste es anscheinend erst 2015 werden, bis ich Tuba (Gesang/Gitarre), Nico (Bass/Gesang) und Paule (Schlagzeug) endlich mal in Aktion erleben durfte.

In freudiger Erwartung laufe ich also gegen 20:00 Uhr im Duisburger Djäzz ein. PARANOYA aus Hamm und Duisburg soundchecken gerade, während ich mir das erste 0,4L-König Pilsener vom Fass zapfen lasse, für schläppische 2,50€ übrigens! Von BEN RACKEN bis dahin keine Spur! Ich frag´ den heutigen Mischer Huba, ob er weiß, wann die wohl eintreffen werden!? Kurz vor Dortmund stehen die wackren Racken anscheinend im Stau; kann sich also nur noch um Minuten handeln, scheiß Rumgurkerei, das sind von Magdeburg aus über 400 Kilometer! Gerade als ich mein zweites Bier ausgetrunken habe, betritt Plastic Bomb-Micha die Kellerkneipe: kurzes „Ach, du bist das!“ und längeres Gespräch, z.B. über seine beruflichen Pläne (Ich will hier nichts verraten, aber ich sach´ nur: Respekt! Hut ab! Und viel Glück!). Beim dritten Bier beginnen dann PARANOYA ein ca. 45minütiges Set, punkig, hardcorig, deutschsprachig, ziemlich sympathisch mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. „Bitter“ ist eine klasse Nummer und zwei, drei andere Songs haben prima Mitbrüllrefrains: insgesamt also ein guter Auftritt des Vierers. Apropos Vier: ich muss zur Theke, ´n neues Bier holen.

BEN RACKEN sind zwischenzeitlich auch endlich angekommen: eigentlich ein sehr gutes Timing, wenn man bedenkt, das Schlagzeuger Paule noch bis 16:00 Uhr arbeiten musste. Freudige Umarmung mit Tuba, danach mit dem fünften Bier mal nach draußen auf die Straße, frische Luft schnappen. Djäzz-Ercan erzählt bei einer Zigarette von den Problemen mit Nachbarschaftsbeschwerden. wegen den zu lauten Gästen auf der Straße! Das sorgt letztendlich momentan für Konzessionseinschränkungen, also muss das Djäzz heute um 01:00 Uhr schließen, an einem Freitag! Draußen also bitte den Lautstärkepegel niedrig halten, drinnen abfeiern!

BEN RACKEN legen ohne Soundcheck direkt los. Was kann man sagen, wenn man eine seiner Lieblingsbands zum ersten Mal auf der Bühne sieht? Ich fand´s geil! Tuba´s zappelige, antreibende Energie, die vor allem zwischen den Stücken, in den Übergängen, deutlich wird; die Art und Weise wie Paule die Trommeln schlägt; Bassist Nico überhaupt auch mal als Sänger wahrzunehmen: das zu sehen, wie der singt. Es harmoniert sehr gut zwischen den beiden Frontmännern! Die Songauswahl bietet mehrere neue Stücke und eine feine Auswahl aus allen drei Alben, lediglich „Am Ende“ habe ich schmerzlich vermisst, aber, na gut, egal, war super. BEN RACKEN würden gerne öfter in NRW spielen und lassen sich gerne deswegen kontaktieren, bzw. ich will nicht wieder sieben Jahre warten müssen! Kann die mal bitte jemand booken?!! / Marko Fellmann

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Foto von Uwe Hubatschek

Review: BLACK VULPINE – Hidden Places (LP)

Black Vulpine 2015 Hidden Places

Suchtgefährdend, unerwartet großartig und scheinbar aus dem Nichts erobern BLACK VULPINE mein Herz, meine Ohren und die meiner Nachbarn! BLACK VULPINE sind mehr als eine starke Mischung aus QUEENS OF THE STONE AGE und BLOOD RED SHOES, weil das vorliegende Debütalbum „Hidden Places“ wie ein Roadmovie wirkt: eine endlose Reise durch das pralle Leben, gespickt mit Verkwetschungen, Schnittwunden und tief sitzenden Ängsten. Man könnte auch RED FANG oder BLACKMAIL als Referenzen erwähnen, irgendwo zwischen all´ dem wuselt sich der Dortmunder Vierer durch und nimmt alle Zuhörer mit, auf einen psychodelischen Ritt durch´s wilde Westfalen.

In der staubtrockenen Prärie von Dortmund sind Sarah (Gesang/Gitarre), Daria (Gitarre/Gesang), Stefan (Bass) und Rüdiger (Schlagzeug/Gesang) dem Stoner-Rock verfallen, angeblich schon über zehn Jahre, was lange währt u.s.w. BLACK VULPINE haben sich eine Soundtiefe erarbeitet, die hierzulande ihresgleichen sucht. Erinnert mich an die oben genannten Bands vor allem wegen der spacigen Herangehensweise an die Gesangslinien, die dich mitnehmen zu den versteckten Plätzen deiner Biografie. Eine besondere Erwähnung verdienen hierbei die Backgroundvocals von Daria und Rüdiger, die leiten den Sound in tranceartige Sphären, die mit Tiefe und Druck von Bass und Schlagzeug gepusht werden. Ich will da gar nicht erst einzelne Songs besonders erwähnen, weil: das ganze Album ist großartig! / Marko Fellmann

momentofcollapse.com // 48:48 // blackvulpine.de // video //

Interview: FREIBURG – Jonas Brinkrolf zur neuen LP „Brief & Siegel“

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Die dritte Platte! Mythenumrankter Beleg der Selbstfindung! Wer´s bis zur dritten Platte nicht geschafft hat, der schafft´s nie, u.s.w., bla bla, abergläubische BWL-Weisheiten, die einen Künstler nicht scheren dürfen, eine Künstlergruppe erst recht nicht. FREIBURG aus Gütersloh besinnen sich auf ihre Wurzeln und machen damit einen Schritt nach vorn! „Brief & Siegel“ überzeugt durch Kompromisslosigkeit und Refrains und dauert noch nicht einmal eine halbe Stunde: aber die hat´s in sich! Sänger/Bassist Jonas gab mir per Skype ein umfangreiches Interview. / Marko Fellmann

Womit hat das alles angefangen? Welcher war der erste „Brief & Siegel“-Song, den ihr geschrieben habt?

Das war glaub ich „Spaten“, den hatten wir bereits bei dem 15-Jahre-TURBOSTAAT-Abend gespielt. Also, für uns war schon klar, dass wir jetzt irgendwann mal was Neues veröffentlichen sollten, genug Songs hatten wir ja, die hatten wir auch schon Live gespielt, aber irgendwie trödelten wir so vor uns her. Und dann trafen wir zufällig Chris von This Charming Man und der meinte so: „Hey Jungs, was ist denn jetzt? Wollt ihr noch mal was Neues machen oder was ist da los?“ Und wir so: „Ja, klar!“, „Ja, doch!“, „Ja, auf jeden Fall!“. Wir hatten vor lauter Konzerte spielen gar nicht mehr daran gedacht, an einem neuen Album zu arbeiten, sondern haben so vor uns hin gedöst. Wir haben da einfach überhaupt gar keinen Masterplan… Ja… Und dann fing das halt an, dass wir uns konzentrierter zusammengesetzt haben und diese Platte entwickelt haben. Bei der letzten Platte „Aufbruch“ war es vor allem zeitlich für uns schwieriger, weil gefühlt zwei Tage nach dem Recording schon das Mastering dran war, wir uns kurz vorher erst auf ein Artwork einigen mussten, um dann auch zackig den Kram zum Presswerk zu schicken. Diesmal haben wir uns mehr Zeit gelassen das Album zu entwickeln. Weißt du: Typisch für FREIBURG ist eine gewisse Schludrigkeit verbunden mit einer gewissen Last-Minute-Mentalität: da bin ich zumeist der Hauptschuldige, da quäle ich mich mein ganzes Leben lang schon durch, he he…

Brief & Siegel“ hat eine brachiale Härte, gepaart mit melodischen Refrains. Überhaupt haben die Refrains ein Mitsingpotential, dass man zuletzt bei „Aufbruch“ vermisst hat. „Aufbruch“ hatte prinzipiell eine düstere und depressive Stimmung. Die aktuellen Texte sind nicht hoffnungsfroher, aber werden musikalisch zugänglicher verpackt. Siehst du das auch so, oder wo sind für dich die Unterschiede?

Stimmt schon, das haben wir ja auch an den Publikumsreaktionen gemerkt. Aber es ist nicht so, dass wir für die neue Platte bewusst melodische Refrains geschrieben haben, sondern das hat sich einfach so entwickelt. Wir haben einfach nur das zugelassen, was uns glücklich macht und mit dem wir uns wohl fühlen. Das einzige, dass wir bewusst im Ausdruck geändert haben ist, das wir jetzt auch explizit politische Themen rein bringen. Wir haben uns viel Zeit bei der Entwicklung der Arrangements gelassen und es ist einfach so, dass wir uns im musikalischen wieder mehr im Hardcore/Screamo/Emo wiedergefunden haben, also weg vom Punk der „Aufbruch“-Phase.

Ihr habt mit „Kanüle Abwärts“ und „Tote Herzen“ zwei eindeutig politische Songs geschrieben!?

Kanüle Abwärts“ singt Tom, der es auch geschrieben hat, dasselbe gilt übrigens für „Große Träume, wa“. Zu „Tote Herzen“ kann ich allerdings sagen: ich mag unglaublich gerne plakativen Punk mit einer stumpfen und einfachen Aussage. Aber schreiben kann ich so was leider nicht! Übrigens ist der Text ja sogar noch vor dem ganzen Pegida-Wahnsinn entstanden, da gab´s ja nun auch schon ´nen Haufen dummer Leute, ohne jeden klaren Menschenverstand.

Was hat es mit dem Albumtitel auf sich? Also, „Brief & Siegel“ ist ja kein Song, bzw. Songzitat. Gibt es überhaupt so etwas wie einen zentralen Song?

Also, ein übergeordnetes Thema gibt es nicht. Ich schreibe Songs, wie bisher auch, eher aus so einem lyrischen Verständnis. Beim ersten Song „Der Fall ins Messer“dreht es sich um einen Typen, den ich beobachtet habe, der einfach unglaublich besoffen war und der eine unglaubliche Scheiß-Egal-Haltung ausgestrahlt hat. Bei „Im Moor“ hingegen beschreibe ich einen Bauern in vorindustriellen Zeiten, der ganz konkrete Existenzängste hat: da hatte mich ein Zeitungsartikel drauf gebracht. Das geht dann natürlich mehr in Richtung „Deutsche Literatur“, vielleicht weil das irgendwie auch noch die ausklingende „Aufbruch“-Phase war, als ich den Text geschrieben habe. Hinzu kommt: ich mag so neu-moderne Begriffe wie „I-Phone“ oder „Smartphone“ einfach nicht in meinen Texten verwenden. Und übrigens ist uns die Titelgebung ziemlich schwer gefallen und wir haben lange danach gesucht. „Brief & Siegel“ hat eine gewisse Kompromisslosigkeit und signalisiert für uns auch eine brachiale Endgültigkeit: Zack, Punkt, Schluss, Aus, Fertig!

Ich gebe dir das mit Brief und Siegel“ ist doch ein Versprechen, oder? Könnte man auch auf euch beziehen… Habt ihr denn jetzt euren Sound gefunden?

Puh… Schwer zu sagen, da kann ich nur mich sprechen, aber in der Tat: diese zehn neuen Songs sind genau das, womit ich mich am wohlsten fühle. Wir haben uns gefunden! Und es ist halt wieder ein bisschen mehr Emo: auf der Tour im Mai 2015 haben wir ja bereits wieder Songs unseres Debüts „High Five Zukunft“ gespielt, da hat es sich also schon angedeutet. Die kommenden Konzerte werden natürlich durch die neuen Songs geprägt werden. Aber wer weiß, ich will da nicht vorgreifen: beim Thema Setlist sind wir noch nicht…

Was waren denn die wesentlichen Unterschiede bei den Aufnahmen?

Ich habe mich diesmal beim Recording deutlich wohler gefühlt. Wir alle haben uns diesmal wesentlich wohler gefühlt. Wahrscheinlich weil wir inzwischen auch deutlich routinierter sind. Also, ich fühle mich nicht unbedingt pudelwohl, wenn ich ohne Bass vorm Mikro stehen muss, aber diesmal hat das alles erstaunlich gut geklappt! Wir haben uns einfach Zeit gelassen und konnten den Fokus auch gut auf Kleinigkeiten legen und uns den Luxus gönnen, die Details zu verbessern und an Feinheiten zu arbeiten. Wir haben in Rheda-Wiedenbrück bei Markus Siegenhort aufgenommen. Den Kontakt hatten wir über Tom, der da mit seiner Zweitband schon mal aufgenommen hat. Diese Aufnahmen fanden wir ´n ziemliches Brett! Außerdem sprach für die Sache, dass wir halt kurze Wege hatten und abends nach Hause fahren konnten, was uns, glaube ich, allen gut getan hat, der Band und den Aufnahmen! Wir haben dann mal einen Tag lang Probeaufnahmen gemacht und waren von Markus` Mix absolut begeistert: der hat sich da echt ´n Bein ausgerissen und ´ne Menge Zeit und Energie investiert, um uns zu überzeugen! Wir haben dann mit ihm gemeinsam sehr, sehr viel an den einzelnen Songs gearbeitet und überlegt, wie wir wo welche Highlights arrangieren und aufnehmen. Wir haben eine Menge herum experimentiert und uns Zeit gelassen. Die Songs waren eigentlich recht schnell im Kasten, aber einen Großteil der Zeit haben wir dann ins Geilermachen investiert.

Wie kam die Idee zum Duett mit Tobias Neumann von DUESENJAEGER?

Wir hatten das schon unglaublich lange vor! Als wir „Sommer, Roggen und Er“ im Proberaum komponierten war uns eigentlich sofort klar, dass das der ideale Song dafür wäre: wahrscheinlich weil er für unsere Verhältnisse sehr melodisch und poppig ist!? Nun ja, also: alle hatten dieses fette Grinsen im Gesicht, als der Song fertig war. Das war zwar nicht unbedingt das, was wir machen wollten, aber wir fühlten uns super wohl damit. Allerdings habe ich mich dann im Anschluss echt schwer getan, die passenden Strophen dazu zu schreiben, denn ich hatte natürlich ständig im Hinterkopf, dass das die Zeilen sind, die Tobi singen wird.

Wie kommt es denn überhaupt zu dieser Häufung von dörflichen, bäuerlichen Begriffen? Spaten? Roggen? Mühle? Moor? Das sind alles keine urbanen Motive, keine Stadtlieder. Absicht?

Ja. Das kommt halt auch vom bereits erwähnten Anspruch, lieber ältere Wörter als neu-modische Begriffe zu verwenden. Man kann mit der deutschen Sprache einfach unheimlich gut spielen und hat viele Wörter, mit denen man gut arbeiten kann. Auf der „Aufbruch“ gibt es ja den Song „Kurzmitteilung“, in dem ich schon so neue Begriffe verwendet habe: „Die Pixel auf meinem Handy,,,“, zum Beispiel. Dennoch spiele ich die Nummer immer noch gerne! Ich würde jetzt allerdings nicht soweit gehen, dass wir irgendwann auf Plattdeutsch singen, ha ha…

freiburg-band.de

Review: OIRO – Meteoriten der grossen Idee (CD)

Oiro 2015 Meteoriten Der Grossen Idee

Aarrggghhhhh… Ich kack ab! Diese Platte ist so außerordentlich! Aufgenommen von Stammproduzent Gregor Henning und Peta Devlin an sieben Tagen im frühsommerlichen Bremen veröffentlichen OIRO am 30.10.2015 ihr drittes Album „Meteoriten der grossen Idee“ (bzw. ihr fünftes, wenn man die beiden Singlecompilations „Neon“ und „Gruppe ohne Therapie“ dazu zählen mag). Was mich an OIRO jeher begeistert, sind die Gitarrenarrangements, mit dem Hang zum melancholischen Picking: gelegentlich verschroben und immer dynamisch, wobei Bass und Schlagzeug hingegen verlässlich für das notwendige Punkrockfundament sorgen. Jonny´s urbane Schreibereien sind offene Lyrik fernab jedes Liedkorsetts, eindeutig in der Atmosphäre, interpretierbar im Ausdruck.

Das sehr schöne Raketenrucksack-Foto auf dem Cover, findet seine befremdliche Science Fiction-Vertonung in der Verwendung von Gitarrensynthesizern (also, vermute ich mal…) und sogar eines Theremins auf „Stadt Erde I +II“, dem vielleicht zentralen Song des Albums, da sein Refrain für den Albumtitel herhalten muss. „In den Zirkus Europa“ profitiert von der Vielfalt, die sich OIRO über die Jahre erarbeitet haben, überhaupt wird der Mut zum Chorgesang hier erneut belohnt. Die Arbeit am Vorgängeralbum „Gruppe ohne Therapie“, das ja eine Zusammenstellung der vorangegangenen Singles war, hat den musikalischen Kosmos der Düsseldorfer Mofapunks deutlich erweitert. Die vorab veröffentlichte Single „Zähmen“ belegt dies durch ein mechanisch klingendes Schlagzeug, weiblichen Backgroundgesang und einen genial einfachen, sich steigernden Schlussrefrain, ehe „Kinder der Schande“ textlich deutlicher und musikalisch stark bassgroovend daher kommt.

Insgesamt eine hoch musikalische OIRO-Platte mit einem hochgradig bescheuert-genial gelben Preisetikett: so wird aus „Oiro“ dann „Null Iro“ und der Daumen hört ganz schnell auf, den Aufkleber abknibbeln zu wollen. Limitierte Erstauflage auf gelben Vinyl gibt’s bei der Band und Flight13 (VÖ 30.10.2015). / Marko Fellmann

flight13.de // 32:11 // mofapunks.de // oiro.bandcamp.com/music // video //

Review: FEHLFARBEN – Über… Menschen (CD)

Fehlfarben 2015 Über... Menschen

35 Jahre ist „Monarchie und Alltag“ inzwischen alt und nach wie vor ist das FEHLFARBEN-Debüt von 1980 das Referenzalbum für deutschsprachigen Postpunk. Die musikalische Ruppigkeit seines Frühwerks ist dem Sextett schon lange abhanden gekommen: wer sie daran misst, wird enttäuscht, wer sich dem allerdings unvoreingenommen nähert, wird belohnt, wie mit dem dreizehnten Longplayer „Über… Menschen“ (VÖ 25.09.2015).

Denn die textliche Sperrigkeit hingegen steht und fällt mit Peter Heins Miesepetrigkeitsfaktor in Kontrast zum Hier und Jetzt. Was hierbei auffällt ist der Wechsel der Hassobjekte: früher ging es gegen die Alten, jetzt geht’s gegen die Jungen: „Ich brech’ doch keinen Streit vom Zaun mit Generationen, die sich eh nichts trau’n. Als Rollatorrebell im Kurhotel, … ich alter Sack hab doch nichts in der Hand.“ (aus „Der Dinge Stand“). Der trippigen Naturbeschreibung „Sturmwarnung“ folgt das rockige „Das Komitee“: die befremdlichsten Momente sind die pyrolatischen synthetischen Sequenzen, die die Band allerdings schon seit ewigen Zeiten in ihren Arrangements eingebunden hat. Heimeliger wird’s in den clashigen „Rein oder Raus“ und dem dubbigen „Urban Innozenz“. Bzw. so richtig retro wird es immer in den Momenten, in denen Frank Fenstermachers Saxofon erklingt, z.B. in „Der Mann den keiner kennt“ oder auch „Schmerz, Wut, Genuss“: „Genießen wir einfach gemeinsam das Leben, was Besseres als hier, das kann es nicht geben!“, schmettert Hein hier pathetisch und zwanghaft positiv, untermalt von Thomas Schneiders Sologitarre. Mit NDW-Sound hat das nun wirklich nichts mehr zu tun, der Bandsound ist vielfältig und breitbeinig aufgestellt, 2-4 schnelle Nummern, der Rest midtempo bis balladesk: „Manchmal möchte ich gar nicht mehr schreien!“ resümiert Peter Hein in der Akustikballade „Wie allein“. Im Oktober wird er schreien müssen: da präsentieren FEHLFARBEN ihre neuen Songs auf Tournee. / Marko Fellmann

tapeterecords.com // 41:26 // fehlfarben.com //

Review: KLOTZS – Hinweis in eigener Sache (LP)

Klotzs 2015 Hinweis in eigener Sache

Freude schöner Götterfunken! KLOTZS liefern ab und veröffentlichen die vielleicht besten Songs ihres bisherigen Schaffens. Es ist der vierte Longplayer des Siegener Duos und es ist wieder eine Konzeptplatte geworden. Das erste Lied „Hinweis in eigener Sache“ ist in seiner punktierten Vertracktheit schräg genug, um ein guter KLOTZS-Opener zu sein. Und es ist ein Mutmachersong, vielleicht sogar ein Anti-Schreibblockade-Song. „Herr Z“ ist eine Instrumentalnummer, die eine Atmosphäre hat, die mich mitunter an das Vorgängeralbum „Schwarzer Planet“ erinnert; hätte da jedenfalls gut drauf gepasst, hat was spaciges, oder meinetwegen RADIOHEADiges. „Blender“ punkrockt rabiat alles weg, was im Weg steht und der Sambateil ist der Wahnsinn, einfach unglaublich gut. „Hausboot“ erinnert an das 2001er-Album „M“, an die ruhigen Momente und das Drängende der schnellen Nummern, die dich nieder wälzen, wenn du die Platte laut hörst.

Nachtschwärmer“ ist der pure Hit! Großartiger Groove, versunkene Gesangslinie mit formal und inhaltlich starkem Text („Wir kleiden uns in Dunkelheit, die Nacht bricht an, wir sind bereit, für alles was geschehen mag, ein Leben für die Nacht“), seltsame Gitarreneffekte im Hintergrund, fast schon disharmonisch, spaciger Synthesizer und nach dem lauten Refrain wieder zurück in den Groove, das ist alles wahnsinnig stark! „M.I.A.“ (a.k.a. „Meine innere Abscheu“) ist ein wahnsinniges Rock´n Roll-Brett, das wird Live mörderisch abgehen! Wer macht denn da die zweite Stimme im Mittelteil? Bei den ersten Takten von „Reklusen“ denke ich unmittelbar an BLUMFELD, auch wenn das dann ab der ersten Strophe spätestens nicht mehr gilt. Wieder ein Befindlichkeitstext „Ich zieh´ die Kopfhörer auf, ich schotte mich ab: Welt lass mich in Ruh`!“ „Zirkeltraining“ lebt durch seine komplette Andersartigkeit, klingt wie ein Remix, ist total interessant und befremdlich mechanisch. Die LP erscheint bei Major Label auf farbigem Vinyl limitiert, ansonsten in schwarz, mit einem Schlitzcover, Textblatt und Downloadlink. / Marko Fellmann

majorlabel.de

Review: MOLOCH / H.K.Z. (Split-10“)

Moloch 2015 H.K.Z - Split

Da habe ich mich schon länger drauf gefreut: MOLOCH mit ihrem dritten Output im dritten Jahr. Es war eine gute Entscheidung, diese Split-10“ mit dem Berliner Duo H.K.Z. (Hate Kill Zerstreu) zu machen, weil die auf einhundert Exemplare limitierte Platte beide Bands von ihren besten Seiten zeigt.

H.K.Z. bieten knackigen Wave, englisch und deutsch vorgetragen, der mir tendenziell sogar sehr gut gefällt, aber durch die Englisch gesungenen Passagen ins Belanglose abrutscht. Und das obwohl mich die deutschsprachigen Parts voll überzeugen! „Auro“ klingt wie eine Mischung aus BOXHAMSTERS, JOY DIVISION und BLUMFELD, es hat Tiefe und Coolness und sorgt für gute Momente. Das zweite Stück von H.K.Z. ist dann allerdings komplett in Englisch gesungen und erreicht mich überhaupt nicht mehr, schade eigentlich…

Rausgeputzt haben sich MOLOCH, die nach zwei Tape-Veröffentlichungen endlich den Schritt ins gelobte Vinylland wagen. Zu hören gibt’s drei neue Songs, die den Wurzeln des Berliner Quartetts treu bleiben, aber kompositorisch wie produktionstechnisch der nächste Schritt nach vorne sind: so gut klangen MOLOCH noch nie! Das betrifft den Sound, meint aber auch die Texte und das Liederschreiben als solches: „Graue Szenen“ demonstriert den offensichtlichsten Unterschied, weil es einen richtig guten Mitgröhlrefrain hat, ohne dabei platt zu sein. Die Texte sind durchgehend politisch und sparen sich jegliche Kryptik: Klartext ist angesagt! Sollte man sich mal Live ansehen… / Marko Fellmann

elfenart.de
random-events-in-a-dying-universe.bandcamp.com

SCHWULE NUTTENBULLEN + PISSE, Gebäude9, Köln, 2015-08-22

2015-08-22 SNB Setlist

Paula flüstert: „Marlene ist sehr traurig!“… Es ist das letzte SCHWULE NUTTENBULLEN-Konzert und es beginnt mit Unruhen. Dem Bierschinken-Kollegen garagephotographer wird am Eingang die Kamera abgenommen. Innerhalb von zwei Minuten solidarisieren sich die anwesenden Gäste und Bands gegen die Gebäude9-Security, suchen wütend den Schuldigen, verprügeln ihn und hängen ihn als Warnung für alle nachkommenden Securityheinis an das Gebäude9-Schild an der Straße. Mit „Ein Hoch auf die Pressefreiheit“-Chören trägt der Pulk meinen lieben Kollegen mit seiner sauteuren Spiegelreflexkamera in die Kneipe, wo ihm der Veranstalter Schippy ein kühles Bier reicht. Linus kommt rein und alle ducken sich: der Meister wartet ein paar künstliche Sekunden, klatscht dann zweimal zackig in die Hände und ruft ein hysterisches „Partytime!“ und ungelogen, alle, wirklich alle, fangen an zu pogen. Paula schubst mich um und hilft mir wieder auf, gibt mir dann ein Bier und schubst mich wieder um. Der große Steve Somalia ist gar nicht so groß, stelle ich fest, während ich mich auf dem Boden liegend so umgucke und ihn dabei beobachte, wie er im Stehen den anwesenden Damen unter die Röcke guckt. Dabei skandiert er ständig: „HERRENMAGAZIN sind scheiße! HERRENMAGAZIN sind scheiße!“, aber niemand hört ihm zu.

Im Saal spielen 100 BLUMEN ein okayes Set, aber der wahre Punk geht draußen ab. Vor einem auffällig dreckigen Transporter mit Berliner Kennzeichen, sitzen sieben ziemlich ungepflegt dreinschauende Jungspunde, die sich als Sachsen zu erkennen geben. Sie sind alle sehr klein und brabbeln ein unverständliches Kaudawelsch und ich bin froh, diese tolle Spracherkennungs-App auf dem Smartphone zu haben. EIN JAHR-Sänger Thomas gesellt sich dazu und bietet ein spontanes Dolmetsching an. Ich vergleiche seine Übersetzung mit der von meiner Spracherkennung und stelle eine hundertprozentige Übereinstimmung fest – es ist fantastisch! Bei PISSE steht er dann in der ersten Reihe und singt alle Lieder mit. Überhaupt muss man sagen, dass die etwa 200 Anwesenden die Lieder zum größten Teil kennen und sich offenkundig sehr an der Darbietung erfreuen.

„Dieser fucking Alltag ist der Grund dafür, dass wir die Band jetzt auflösen. Ein dickes Entschuldigung an all die Leute, denen wir Termine absagen mussten!“. SCHWULE NUTTENBULLEN-Gitarrist Manni sitzt mir gegenüber auf einer Bierbank und räsoniert vor sich hin, während ich das Aufnahmegerät einfach weiter laufen lasse, aber das Gelände verlasse, um mir am Kiosk Zigaretten zu holen. Als ich zurück komme, sehe ich wie Linus sich die ostdeutschen Ronnys in einer dunklen Ecke auf dem verwahrlosten Gelände zur Brust genommen hat und sie nach allen Regeln der journalistischen Kunst auseinander nimmt. Da ich mich ein wenig schwach fühle, winke ich den sich eigentlich auf dem Heimweg befindlichen Andre Böhle dazu, damit er Linus nieder streckt. Währenddessen zischt er übrigens ständig repetierend „Jong, minn Jong, minn Jong!“, was ich irgendwie nicht gut finde. Paula reicht mir ein kaltes Bier. Ich verteile unter den anwesenden Ostdeutschen „West“-Zigaretten und fühle mich als Gutmensch.

2015-08-22 PISSE + Linus1

Zurück an der Bierbank, wo Manni immer noch, in sich monologisierend, ins Aufnahmegerät redet: „… weil, das Ding hat sich ja zu so einem Selbstläufer entwickelt und wir brauchen da echt nicht unbedingt unsere Profilneurosen ausleben, weißt du? Irgendwie war halt die Luft raus…“. Der Veranstalter steht auf einmal vor uns und bittet zur Bühne. Ich drücke die Stoptaste und fühle mich unendlich erleichtert. Die SCHWULEN NUTTENBULLEN spielen ein tolles Set und werden frenetisch gefeiert. Irgendwann um 4 Uhr morgens stehe ich dann mit fast allen Beteiligten an einer naheliegenden Tankstelle und wir beschließen uns gegenseitig mit Benzin zu übergießen und anzuzünden. Der wieder genesene Linus gibt uns Feuer und brüllt refrainartig: „D.I.Y. – jetzt ist´s vorbei! D.I.Y. – jetzt ist´s vorbei! „. / Marko Fellmann

2015-08-22 PISSE Tankstelle

Review: THE SEDIMENT CLUB – Psychosymplastic (LP)

The Sediment Club 2015 Psychosymplastic

Misanthropenmodus an! THE SEDIMENT CLUB liefern hier den Soundtrack zu meinem momentanen Lebensabschnitt – entdeckenswert, spannend und irgendwie auch anstrengend. Klingt wie AT THE DRIVE-IN, aber ohne das Songkonstrukt, denn genau das wird systematisch kaputt gemacht – kommt nämlich einer der dreizehn Songs auch nur vage an Passagen, die an irgendwen oder irgendwas erinnern, wird er so lange dekonstruiert, bis aus ihm nur noch die Ablagerungen und Reste schimmern, nach denen sich dieses Trio aus Providence/Rhode Island benannt hat!

Sänger/Gitarrist Julian spuckt, kratzt, jault, schreit, dirigiert die Band, lässt sich von ihr verleiten, hängt hinterher, gibt den Ton an, wütend, verzweifelt, desillusioniert. Bassist Lazar legt rhythmische Irrwege an, die Drummer Jackie dann zurecht trampelt, während die Gitarre sich ihr Durchkommen sucht. Die Musik Noise, der Gesang Punk, die Texte abstrakt und die Verpackung 100% DIY. ChuChu-Records veröffentlichen exklusiv für den europäischen Markt 111 Exemplare der aktuellen LP, mit einem handnummerierten Siebdruckcover und allen Texten. / Marko Fellmann

Joseph O´ Connor – Die wilde Ballade vom lauten Leben (Roman)

2015-08-01 Joseph O´ Connor - Die wilde Ballade vom lauten Leben (Roman)

Es geht um die fiktive Band SHIPS IN THE NIGHT, deren Geschichte von den Anfängen in ihrer Heimatstadt Luton, bis hin zum Umzug nach London und dem finalen Übergang in die USA sehr abwechslungsreich erzählt wird. Dass sich dieser 400 Seiten starke Roman so gut lesen lässt, hat viel mit den Einblendungen zu tun, in denen der irische Autor Joseph O´ Connor Interviewauszüge der Protagonisten zur Ergänzung oder als Kontrast, bzw. Alternative einstreut. Das Buch liest sich allerdings aus der Ich-Perspektive des Gitarristen Rob, einem ruhigen Charakter, der sich eher introvertiert gibt und auf einer Studentenparty seinen Kommilitonen Fran kennenlernt. Beide beschließen zügig eine Band zu gründen, starten als Straßenmusiker, finden Mitmusiker und durchleben alle Stadien einer typischen Bandentwicklung, wie es sie immer schon gegeben hat und immer geben wird. Fran ist der freakige extrovertierte Außenseitertyp, der im zurückhaltenden Rob seinen kreativen Gegenpol und besten Freund findet. Es gibt viele komödiantische Szenen in diesem Buch, die den Leser, vor allem durch Wortwitz und das kreative Spiel mit Sprache, schmunzeln lassen. Vor allem die Szenen, in denen Rob Streitgespräche mit seinem Vater nacherzählt, sind wahnsinnig komisch. Aber erzählt werden auch die ganzen Parallelentwicklungen im Zuge der Bandhistorie, das Auseinanderleben der Musiker, die ganzen kleinen und großen Ticks, die die Charaktere über die Jahre entwickeln, sich abgewöhnen oder daran festhalten. Die Übersetzung des Buches gefällt mir im Ausdruck sehr gut und macht „Die wilde Ballade vom lauten Leben“ zu einem sehr unterhaltsamen Zeitvertreib, nicht nur für Musiknerds. / Marko Fellmann

Joseph O´ Connor – Die wilde Ballade vom lauten Leben

Roman

Hardcover
Aus dem Englischen von Malte Krutzsch

Preis € (D) 22,99

ISBN: 978-3-10-002296-7

Interview: PISSE – Willkommen im Hypeland

Im Freistaat Sachsen neo-progressiven-pre-nrw-punk zu machen klingt reizvoll. Im Kreis Bautzen linke Inhalte als „Sachsenhass Tour 2012“ aufzuführen klingt mutig. Aber ausgerechnet in Hoyerswerda eine Band wie PISSE zu gründen, klingt einfach wie ein Aufschrei! Umgeben von Gräben und umzingelt von Feinden fanden sich die Beteiligten 2011 in dem 35.000-Seelen-Kaff, dass der geneigte Leser sicherlich immer noch mit den ausländerfeindlichen Anschlägen von 1991 assoziiert. PISSE sind drei bis vier junge Herren, die nicht weiter genannt sein wollen, sie alle heißen Ronny und mehr musst du nicht wissen! / Marko Fellmann

Willkommen im Hypeland! Die Kollegen von Linus Volkmann bis zur Spex und zum Ox sind sich einig in der Schwärmerei um euch als Band. Die Spex findet euren Dilettantismus „genial“ und Linus spricht gar von der „mit Abstand besten aktuellen Punkplatte“! Kalle Stille schrieb im Ox, er hätte sich „beim zweiten Durchhören eurer aktuellen LP wieder wie ein 15jähriger gefühlt“! Wie fühlt ihr euch momentan damit? Bestärken solche Komplimente eure Kreativität, oder hemmt so etwas dann den weiteren Prozess?

Keine Ahnung. Wer ist Linus Volkmann? Aber wenn die das alle so sagen, dann wird das wohl auch stimmen. Wir haben alle sehr kleine Pimmel und können auch sonst nichts. Da fühlt man sich natürlich gut, wenn jemand so was sagt. Außerdem haben wir alle Depressionen und außerdem ist uns eh alles egal. Was meinste denn mit weiterem Prozess? Man macht, was man macht und man kann sich da auch nichts von kaufen, dass ein paar Wessis mit Vollbärten gut finden, was man macht. Ist ja auch deren Job. Also die verdienen Geld damit! Denk ich jetzt mal zumindest… Das hat auch alles nichts mit unserer Realität zu tun. Können die ruhig gut finden.

Bezüglich eurer Bandkonstellation ist mir aufgefallen, das ihr eigentlich ein Trio seid – ich meine aber, auf Fotos im Internet vier Männer auf der Bühne gezählt zu haben. Stellt euch bitte einzeln vor! Bzw. gibt es noch mehr Leute, die bei Pisse aktiv waren/sind? Und wer ist Carmen Brähmig, die ihren Namen für eure E-Mail-Adresse hergibt?

Bist du bei der Stasi?

Nee, aber bei Facebook, das ist so ähnlich! Es gibt ja Bands, die sind auf jedem Internetportal zu finden und haben meist noch eine eigene Homepage, bzw. Domain. Wie steht´s um eure Internetpräsenz?

Alles in Planung. Fetter Online Shop, ´ne Spieleecke, Social Media, Pornos, Online Poker und 3D Drucker… volles Programm!

Eure erste 7“ „Praktikum in der Karibik“ wurde in recht kurzer Zeit nach gepresst, wenn ich richtig informiert bin, sogar 2x!? Wie habt ihr diese Entwicklung erlebt und um welche Auflagenstärke handelt es sich inzwischen?

Ja richtig. Drei Auflagen zu je 300 Stück. Macht 900 Platten. Finden wir natürlich total zum kotzen, das so viele Platten weggegangen sind. Wir wären gern noch 20 Jahre drauf sitzen geblieben…

Auch eure aktuelle LP „Mit Schinken in die Menopause“ ist schon bei einigen Labels/Onlineshops ausverkauft: letztendlich entwickelt sich diese Sache somit sicherlich um einiges größer, als ihr das erwartet habt!? Hat sich schon ein größeres Label gemeldet?

Der Name der Platte ist „mit Schinken DURCH die Menopause“, nicht „in die Menopause“. Du kennst die Zielgruppe dieses Blogs sicherlich besser als wir, aber meinst du wirklich, das die Leute das interessiert, welches Label das Veröffentlicht oder wie gut die sich verkauft? Ist schön, das es ein paar Leute gibt, die die Musik mögen. Aber man macht das doch nicht, weil man denkt, man verkauft viel davon. Da meldet sich auch kein größeres Label nur weil ein paar Leute irgendetwas auf Facebook schreiben. Die Leute die die Platte raus gebracht haben, machen das ganz gut. Auch gerade die ganze beschissene Arbeit, damit das Ding bei irgendwelchen Mailordern und Distros landet. Und falls ihr zu viel Geld habt und unsere Platte ist ausverkauft, kauft euch doch was von P.U.F.F. oder SAD NEUTRINO BITCHES!

Ich denke, die Leser fänden es ganz interessant, wenn ich dich noch mal nach der Bandbesetzung fragen würde?

Das mag ja sein, aber wir kennen die Leser ja auch nicht. Und die uns ja auch nicht, nur weil die jetzt wissen, wie unsere Vornamen sind. Einer spielt Schlagzeug, einer Theremin, einer Gitarre, einer Synthesizer und Keyboard. Wir heißen tatsächlich alle 4 Ronny mit Vornamen. Wirklich!

Ihr habt schon mit ´nem Haufen anderer Bands gespielt und auch Live gute Rezensionen erhalten. Welche Entwicklung traut ihr euch beim Booking insgesamt zu, bzw. habt ihr vor, ausgiebig zu touren?

Entwicklung beim Booking? Keine Ahnung wie du das meinst, aber meistens fragt uns jemand ob wir irgendwo spielen wollen und wenn der Ort okay ist und die Leute und die anderen Bands und wir Zeit haben, dann spielen wir dort halt. Manchmal fragen viele Leute zur gleichen Zeit, dann kann man ´ne Tour draus machen. So wie es grad´ aussieht diesen Oktober…also ´ne Tour. Mal sehen…

Also, als Entwicklung beim Booking könnte man ja mindestens schon mal das Konzert am 22.08.2015 mit SCHWULE NUTTENBULLEN und DIE SÄULEN DES KOSMOS interpretieren, oder? Das wird in Köln das Gebäude 9 sein, das ist doch schon mal eine ganz andere Größenordnung, oder?

Ach nö. War genau so. Da fragt einer, ob wir spielen wollen. Und dann gucken wir ob wir Lust und Zeit haben. Wir spielen ja nicht in irgendwelchen Kellerlöchern damit uns mal jemand für ´ne große Bühne entdeckt, sondern weil wir selber gern in Kellerlöchern rum hängen und sich die Arschlochdichte dort meistens relativ in Grenzen hält. Außerdem ist mir persönlich jeder Ort an dem es ne Backpfeifenandrohung gibt für´s Fotografieren immer noch lieber als ein Konzert vor 200 Leuten mit Smartphones in der Hand. Wir agieren ja auch nicht im luftleeren Raum sondern innerhalb einer DIY-HC/Punk Szene. Das geht weit über Musik hinaus und ist außerdem ein weltweites Phänomen. Man kann wirklich froh sein, das es in dieser beschissenen Welt diese ganzen Orte und Projekte gibt und die ganzen Leute, die sich dafür den Arsch aufreißen… Umso krasser, das sich dann irgendwelche Musikmagazine oder was weiß ich was für Leute dafür interessieren, was du machst. Die Grenzen scheinen ja eh grad´ zu zerfließen und alles ist irgendwie hip und underground. Da pickt sich jeder seine Rosine Underground-Image heraus und übrig bleibt ein konturenloser Brei. Das politische Bewusstsein, etwas ändern zu wollen, bleibt auf der Strecke. Alle machen einen schönen Spagat zwischen Karriere hier und Abfuck dort. Die Verwertungslogik hat sich in jeden beschissenen Winkel unseres Lebens gefressen. Die Generation „Soliparty“ hat sich hier im wahrscheinlich sichersten Land der Erde in die Depression gefeiert und draußen ersaufen die Menschen im Mittelmeer. Syrien, der ganze nahe Osten, Ukraine, Afrika…alles im Arsch. In ganz Europa marschieren neue Rechte… Griechenland und so weiter und so fort…alles im Arsch…. und wir kaufen uns Second-Hand-Schuhe für 100€ und spülen unsere vegane Pizza mit handgemachter Fairtrade-Rhabarberpisse in den Hals. Hut ab, aber was das mit dem Gebäude 9 in Köln zu tun hat, weiß ich jetzt auch nicht…

Ich würde tippen, ihr entwickelt immer erst den Instrumentaltrack, bevor da drüber gesungen wird. Lieg´ ich falsch? Wie geht ihr beim Songwriting vor?

Wir treffen uns im Proberaum und spielen! Manchmal hat jemand vorher ´ne Idee. Keine Ahnung, am Ende kommt halt ein Lied raus. Manchmal gibt’s den Text vorher, manchmal die Musik. Ist jetzt keine Wissenschaft.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Brezel Göring und Francoise Cactus von STEREO TOTAL?

Einfach so. Hat sich so ergeben. Wir haben Brezel gefragt, der hat ja gesagt, wir haben´s aufgenommen. Irgendjemand muss das ja aufnehmen. Brezel kann das ganz gut. Wir würden dir ja auch gern ´ne spektakuläre Geschichte erzählen, aber es gibt leider keine.

Hat Brezel als Produzent noch kreativ eingreifen können, bzw. sollen? War er schon vorab mit dem Material vertraut? Wie gingen die Aufnahmen vonstatten? Wo sind die produktionstechnischen Unterschiede zur Single?

Man geht irgendwo hin, spielt seine Musik in Mikrophone rein. Dann werden die verschiedenen Spuren die man aufgenommen hat zu einer zusammen gemischt. Dazu gibt es Geräte und man braucht jemanden, der diese bedient. Brezel hat diese Geräte und der kann die auch bedienen. Von daher hat es sich angeboten, das dort aufzunehmen. Ich gehe jetzt mal davon aus, das er irgend etwas von uns schon mal gehört haben muss, sonnst wäre er ja schön blöd seine Zeit damit zu verschwenden. Die 7 Inch hat unser Kumpel Dirk von der Band KAIRO aufgenommen. Der hat auch Mikrophone und so und kann das ganz gut.

Wo du sie gerade erwähnst: außerdem habt ihr eine Split-10“ mit den befreundeten Bands KAIRO und DIKLOUD über Mamma Leone Records veröffentlicht. Hab´ ich das richtig verstanden: ist das euer Label, also von allen beteiligten Bands?

Wir waren mit beiden Bands auf Tour und haben dafür diese Platte gemacht. Wir haben uns gegenseitig gecovert und jeweils ein eigenes Lied drauf gemacht. Das war im April 2013. Dafür haben wir, also die Bands, besagtes Label gegründet, auf dem in der Folge ein Album von KAIRO erschien, die erste Pressung der Pisse 7 Inch und ein Album von DIKLOUD. Das ist auch eher ein Freundeskreis als ein klassisches Label, das einen homogenen Musikgeschmack bedient. Da wird auch noch mehr kommen in diesem Jahr… Und da solche Interviews ja dazu da sind, das ihr euer Heft füllen könnt und wir für was auch immer Werbung machen können: im Gegenzug erwähne ich auch gleich noch den „Verboten in Deutschland“-Sampler vom gleichnamigen Label. Da sind zwei, drei sehr gute Bands drauf!

Wer das gern möchte, kann sich eure Musik gegen Spende ab 0€ bei Bandcamp runter laden. Gibt es auch Leute, die anstatt 0€ ein paar Euros spenden?

Gibt´s! Vielleicht kaufen wir uns von den Internetmillion bald eigene Verstärker und Kabel, dann sind wir ´ne richtige Band!

aktuelles bandfoto1

Aktuelles Album: https://pisse.bandcamp.com/album/mit-schinken-durch-die-menopause

Homepage: http://pisse.blogsport.de/

EA80 – Zakk, Düsseldorf, 2015-07-03

Altersvorsorgetag im Zakk! Einer der heißesten Tage dieses Jahres und ich geh´ auf´n Konzert… Warum tu ich mir so was an? Mein Körper sehnt sich nach einem kühlen Lüftchen, einer erfrischenden Brise, irgendeiner Kühlmöglichkeit, gerne auch einem Kühlschrank, aber nein: ich geh auf´n Konzert! Aus Solidarität? EA80 spielen an diesem Abend ein „Solikonzert in eigener Sache“. Am 22.11.2014 kam es nach einem Einbruch im Alten Kolpinghaus in Mönchengladbach, zum Diebstahl von Gitarren, Verstärkern und Effektgeräten. Die Diebe hinterließen einen verwüsteten Veranstaltungsraum: das von ihnen versprühte Feuerlöschpulver verdreckte den Veranstaltungsraum bis in die letzte Ritze und sorgte für einen Sachschaden in vierstelliger Höhe, der nicht in jedem Fall durch Versicherungen gedeckt war. Zwischenzeitlich besitzen die Musiker neues Equipment, nur Nico besitzt sein altes Drumset noch, da er es nach dem damaligen Auftritt direkt im Auto eines Freundes verstaut hatte.

Es sind so 500-600 Leute, schwer zu sagen, da auch während des Konzerts (wie leider viel zu oft) Leute auf der Straße, bzw. im Biergarten sitzen. Tatsächlich sind die Luftverhältnisse während des Konzertes vollkommen ertragbar, gut für Bassist Oddel, der vom ersten bis zum letzten Lied komplett verschleiert auftritt. Relativ am Anfang manifestiert „Fliegen“ seinen Ausnahmestatus und wird originalgetreu brachial vorgetragen: ein absoluter Höhepunkt, der dieses Konzert magisch werden lässt. Schade, dass Stammmischer Bolle nicht da ist, so müssen die Zuschauer ziemlich textsicher sein, den Gesang kann man nämlich leider kaum verstehen. Nach einer Dreiviertelstunde geht es in die Pause, die viele dazu nutzen, um am Plattenstand die „aktuelle“ Single „Gladbach soll brennen“ abzugreifen – für 25€! Aus Solidarität? Nee, wohl eher aus Altersvorsorgegründen. Diese 7“ ist wie der magische Ring, in dessen Nähe jeder nur noch an sich selber denkt. So mancher kauft mehrere und wird sie bei passender Gelegenheit weiter verkaufen. Seit ich das Ding habe, frag´ ich mich: verkaufen oder auflegen? Verkaufen oder auflegen?

Beim zweiten Set dauert es drei Stücke, bis der Saal wieder so voll ist, wie zuvor, was irgendwie ´ne harte Nummer ist. Nichts für Weicheier ist außerdem die Pogozone vor der Bühne, aus der mir und Robert Bahr irgendwann Philip Nußbaum freudestrahlend entgegen torkelt: „Ich hab´ mit Martin gepogt!“, sabbert es mir schweißüberströmt entgegen und ich gratuliere ihm: er ist ein Held! „200 Meter und danach“ beendet das reguläre Konzert und man ahnt nicht Schlimmes, aber da entern DIE STRAFE die Bühne und spielen ein neues Stück ihres gerade fertig aufgenommen Albums: was will man mehr!? Zur Rückreise möchte ich euch abschließend noch folgende Empfehlung aussprechen: wenn jemand sagt „Roman kennt den Weg!“, verlasst euch nicht drauf, sondern erforscht eure Gefühle! / Marko Fellmann

2015-07-03 EA80 Düsseldorf Zakk 01

Review: Der Zitronenhund (Fanzine)

Der Zitronenhund 01

DER ZITRONENHUND

Mit ca. 1,5 Jahren Verspätung erschien im August 2013 der Nachfolger zum Snake Mountain Fanzine. Den ZITRONENHUND gibt’s seit Dezember 2011 als Blog, nun also die Printausgabe.

Der Inhalt gliedert sich in die klassischen Kategorien: Vorwort, Interviews, Kolumnen und Reviews, mit Gastbeiträgen von Stemmen (BEATE X OUZO), Commaaaander und Frau Esche (KEZZA). Neben den informativen Interviews mit PEPPONE, VLADIMIR HARKONNEN und WE ARE FROM PLUTO gibt es ein Triple-Interview mit den Blog-Machern von BIOTECHPUNK, TRUETRASH und UGLY PUNK, welche aus ihrer Sicht die Unterschiede zwischen einem digitalen Blog und einem gedruckten Fanzine darlegen, sehr interessant das alles.

Auch die beiliegende CD macht Sinn, ergänzt sie doch die Interviews um passende Hörbeispiele. Einziges Manko ist die insgesamt zu niedrige Seitenzahl und mitunter auch die Aktualität der Reviews, welche man am Besten nur noch online servieren sollte, wollte man den VÖ-Zyklus von 1,5 Jahren nicht zur Regelmäßigkeit werden lassen. Lieblingszitat: „Wenn du hast in Hose geschissen, dann steig aus!“.

#1, August 2013

DIN A5 | http://www.zitronenhund.blogspot.de/ | 36 Seiten |

Zu beziehen bei zitronenhund@abwesend.de

 

Review: Der gestreckte Mittelfinger (Fanzine)

Der-Gestreckte-Mittelfinger-#07 Februar 2013

DER GESTRECKTE MITTELFINGER

Schön! Alle Jubeljahre veröffentlicht Falk Fatal DER GESTRECKTE MITTELFINGER im klassischen DIN A5-Schnippel-Kopiershop-Format. Den größten Teil macht er selber, holt sich für Kolumnen u.Ä. aber stets Hilfe im erweiterten Freundeskreis.

Ich bin ja kein Kolumnenfreund, sondern lese Fanzines v.a. wegen den Interviews und Rezis (obwohl die Berichte „Der geheime Rosengarten“ über den alten Regierungsbunker in der Nähe von Bonn und „Punk mit Kreuz“ ebenfalls sehr interessant sind). Und hier kann die seit ein paar Wochen erhältliche Ausgabe #7 auch auftrumpfen: KOTZEN aus Hamburg hätte ich sonst wohl nicht so schnell entdeckt.

Ein hoch interessantes Interview hat Falk mit werecrow, der Betreiberin eines Punk-Download-Blogs, geführt. Einen Liebesbrief von Jan Röhlk vom TRUST FANZINE gibt’s obendrauf. Und endlich jemand, der meine Meinung zu SOCIAL DISTORTION teilt: ja, die LIVE at the Roxy, die isses, der Rest, naja…

#7, Februar 2013

DIN A5 | http://www.trashrock.de/ | 88 Seiten |

Zu beziehen für 1,50€ (!) + Versandkosten bei: http://www.trashrock.de/ oder schnell ne Mail an trashrock@gmx.de

 

STILLER TEILHABER & KLOTZS Kaw, Leverkusen, 2013-01-12

„Wir sind STILLER TEILHABER!“ sagt der Typ auf der Bühne und spielt aber alleine los. Er macht das ganz gut. Erinnert logischerweise ein wenig an Billy Bragg, aber die Songs leider nicht. Die erinnern mich teilweise an EELS, teilweise Achtziger, teilweise ohne Assoziation, weil verschroben und im Wesentlichen in sich gekehrt, für sich allein spielend, was zutriftt, da von Publikum wirklich keine Rede sein kann, gerade ein Dutzend verirrt sich an diesem kalten Samstagabend (12.01.13) ins KAW Leverkusen. Nach einer gefühlten Ewigkeit betreten der Bassist und der Schlagzeuger die Bretter, die die Welt bedeuten. Das tut der Dramaturgie gut und macht die Sache kurzweiliger. Dennoch überzeugen mich STILLER TEILHABER nicht, is mir zu sehr Anarcho-Indie, aber wer weiss, vielleicht entwickelt sich da was. KLOTZS spielen heute viele neue Stücke, die allesamt verdammt neugierig auf die kommenden Veröffentlichungen machen, im Februar geht’s ins Studio. Mein Favorit an diesem Abend ist das wiederbelebte 3xV, das furios noisig die akustischen Grenzen der Örtlichkeit auslotet. Die Großartigkeit dieser Band wird sich der Welt erst erschließen, wenn diese Band tot ist.

KOPFPUNK Tape Interviews 2012

KOPFPUNK Interviews 2012 Tape 1

So, hier, ein Geschenk, quasi, an die Bands und Gesprächspartner, ein Tape C-120 mit Auszügen der Interviews und ein wenig Musik – es gibt 24 Exemplare! 17 hab ich verschickt und die restlichen können hier gegen ein üppiges Weihnachtsgeld erworben werden.

KOPFPUNK Interviews 2012 (DIY-Tape C-120, handnummeriert, limitiert) mit TURBOSTAAT, KLOTZS, MESSER, LOVE A, FRONT, VERBRANNTE ERDE, NEON BONE, AFFENMESSERKAMPF, KEZZA, BUNKAANGST und noch nem Bonustrack. Keine Einnahmen – nur Ausgaben, kennta ja?!

KOPFPUNK Interviews 2012 Tape 2

KRAWEHL + TURBOSTAAT – Cafe Nova, Essen, 2012-12-15

2012-12-15 Turbos4 800

In den Essener Badlands gelegen, finden sich meine Begleitung und ich in einem evangelischen Pfarrzentrum wieder – Entgegen meiner Erwartung ist das Cafe Nova aber eine super Location: kleine feine Bühne, kleiner Saal mit Theke, Licht und Haus-PA vorhanden, Platz für über 200 Leute, Rauchen erlaubt, Stauder-Pils vom Fass für 2,70€ der halbe Liter (im Glas!), motiviertes Personal, bzw. Helfer usw. TURBOSTAAT haben sich kurzfristig noch zu ein paar deutschlandweiten Konzerten angemeldet und bringen an diesem Abend die Herforder/Bielefelder KRAWEHL als Support mit.

KRAWEHL starten gegen 20:30 Uhr ein bravouröses knackiges Set, dass die herausragenden Songwriterqualitäten des Trios unterstreicht. Vom zahlreichen Publikum wohlwollend aufgenommen fordern Jörn, Phillip und Kammi mehr Bewegung und weniger Berührungsängste vor der Bühne, denn auf der Bühne punktrockt es gewaltig. Der Haussound ist gut, doch (wie fast immer in kleineren Locations) die Texte sind nur schwer zu verstehen; so bleibt es beim Ausdruck, bei der Performance und beim Gesamteindruck und da punkten KRAWEHL gewaltig – neue Platte kommt übrigens Sommer 2013.

Bereits im April 2013 wollen TURBOSTAAT ihren 5.Longplayer EINE STADT GIBT AUF bei Clouds Hill (da, wo auch aufgenommen wurde) veröffentlichen. Die Aufnahmen sind abgeschlossen und so konzentriert man sich zum Jahresende auf ein paar wenige, gut ausgesuchte „Mini“-Konzerte, u.a. auch in NRW. Die Band gab alles, war, wie ich im Gespräch nach dem Konzert raushörte, ein wenig angeschlagen, was man aber nicht merkte, (alte) abgezockte Profis halt… Die Songauswahl war ein Querschnitt aus dem bisherigen Schaffen (von Drei Ecken ein Elvers als ersten Stück bis Schalenka Hase als Rausschmeisser), zwischendurch ein neuer Song (irgendwas mit „Februar in Kandahar“) und natürlich das übliche Finale mit Harm Rochel, Vorman Leiss und Schwan. Was soll man sagen? Insgesamt großartig! Will mehr!!!

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TURBOSTAAT – FZW, Dortmund, 2012-11-04

Es war ein KETTCAR-Publikum, soviel steht fest…

Zehn Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof Dortmund entfernt befindet sich das FZW in welchem das VISIONS Indoor Festival stattfand: geile Halle, geiler Sound. Nichtraucher. TURBOSTAAT werden freundlich empfangen und starten nach einem kurzen Intro mit dem Titelsong der letzten LP „Das Island Manöver“. Ein großer Teil des Publikums singt begeistert jede Zeile mit, ickke natürlisch ooch, jede Menge Platz in der Menge, pogofreie Zone, aber den Leuten gefällts und der Sound, die Band, das Licht: einfach nur klasse. TURBOSTAAT bieten in ihrem ca. 50 min. Set v.a. Songs der letzten beiden Platten, spielen in der Mitte des Konzerts aber auch einen der ganz neuen Songs, der dann wohl hoffentlich Anfang 2013 das Licht der Welt erblickt. Insgesamt spielen sie aber ein eher gemäßigtes Set, mit vielen „langsameren“ Nummern (z.B. Fünfwürstchengriff als einzige Zugabe), was aber scheißegal ist, da diese Band bis dato noch immer keinen einzigen  Scheißsong ihr Eigen nennt: also… insgesamt… Prädikat: wertvoll, jawoll!

KETTCAR hab ich dann nicht gesehen, hätte sonst 4 Stunden statt 1,5 Stunden Zugrückfahrt gehabt, scheiß Provinz, scheiß Bahn!

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DIE STRAFE – Projekt42, Mönchengladbach, 2012-10-02

Ja, es war voll am Dienstag im Projekt 42 in Mönchengladbach. DIE STRAFE hatten zum 20.Geburtstag geladen und bereits vor einem halben Jahr mit dem Vorverkauf auf ihrer Homepage begonnen; ich weiß, es gab rund 250 Karten, aber es sind rund 100 Leute mehr, es ist heiß, es ist eng, es macht Spaß dabei zu sein. Vorher noch Flugs ne 20 Jahre 10″ am Stand abgestaubt und im Hintergrund liefen die Borssum Allstars (aus Herne?) als Anheizer für die eigentliche Party: EA80 spielen ab 21:00 Uhr ein hoch knackiges 45 Minuten-Set, das mit DÜNGER beginnt und mit 200 METER UND DANACH aufhört. Und danach musste ich weg und hab DIE STRAFE und VERBRANNTE ERDE nicht sehen können, scheiss Arbeitswelt!, scheiss System!, scheiss Abhängigkeit!!! Aber der USELESS Rene war die ganze Zeit dabei und hat auch darüber geschrieben, so!

KOPFPUNK bei YouTube

Na also! Das Turbostaat-Interview zum downloaden (spoken word) und anderen Kram und nach und nach noch mehr davon findest du ab jetzt im KOPFPUNK-YouTube-Kanal. Den kann man abonnieren, muss man aber nicht.

ROBINSON KRAUSE & AFFENMESSERKAMPF – Aetherblissement, Köln, 2012-09-15

Mir sind das die liebsten Locations: klein, einfach, übersichtlich, ohne Schnick-Schnack und Pöm-Pöm. Das Aetherblissement in Köln ist die relevante Bühne für DIY-Bands wie z.B. gestern ROBINSON KRAUSE (Hamburg) und AFFENMESSERKAMPF (Kiel). Beide Bands feiern an diesem Abend ihren Tourabschluss und ca. 70 Leute feiern mit. Auf der Ebene überhaupt eine 9 Tage/9 Städte-Tour (Hamburg, Frankfurt, Potsdam, Berlin, Leipzig, Jena, Mannheim, Koblenz, Köln) durchzuziehen zeugt von hohem Enthusisasmus und einem gehörigen Maß Kondition und Koordination, soviel steht fest. Und man merkt es ihnen erstmal auch gar nicht an. ROBINSON KRAUSE beginnen gegen 22:30 Uhr  recht locker und frech, verlieren sich dann aber in viel zu langen Notüberbrückungen, weil Gitarrensaiten reißen oder Instrumente gestimmt werden müssen und der Funke zum Publikum springt nicht wirklich über. Bei AFFENMESSERKAMPF im Anschluß verkehrt sich diese Sicht: tendenziell sind weniger Leute vor der Bühne (wie das an solchen Abenden halt so ist, befinden sich viele Zuschauer draußen vor der Tür), dafür ist die Stimmung aber wesentlich besser, v.a. die alten Lieder der fantastischen SEINE FREUNDE KANN MAN SICH NICHT AUSSUCHEN-LP werden abgefeiert und überzeugend dargeboten.

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LOVE A – Eigentlich (Tape)

LOVE A – Eigentlich (DIY Tape, limitiert, handnummeriert, 4,55€ + 1,45€ im KOPFPUNK-Shop)

KOPFPUNK präsentiert das streng limitierte Tape „Eigentlich“ des Trierer Quintetts LOVE A. Die Musik pendelt zwischen TREND, GENETIKS, FEHLFARBEN und DIE GOLDENEN ZITRONEN, vor allem der eindringliche Gesang erschüttert bis ins Mark. „ …Wo soll uns das alles hinführen? …Wie lange machen wir das mit?“ (aus „Originell“), alle KOPFPUNK-relevanten Trademarks werden hier abgerufen, tanzbarer Privatpunk quasi: „Das ist ein Weihnachtsessen, aber nicht deins!“ (aus „Chefkoch“).

Die Tapeveröffentlichung ist in Absprache mit LOVE A exklusiv bei KOPFPUNK  (und Elfenart Records, sowie Last Exit Music) zu bekommen. Schlappe 4,55€ + 1,45,-€ Versandkosten 😉 Wie der Daniel von Elfenart halt schrieb:“LP/CD bei Rookie Records. Hier gibt es die Tapeversion. Schön Schön.“)

Love A – Love Academy 7″ (23.12.2010)
Love A – Eigentlich CD/LP/Tape/Digital (14.10.2011)

10 Jahre PRR in Bochum

Entgegen der Befürchtungen wurde es proppenvoll und ein rundum gelungener Abend in der Rotunde/Bochum. 10 Jahre punkrockers-radio: für mich eine willkommene Gelegenheit den tonarmleuchter zu nötigen mir/mich die/den anwesenden Moderatoren vorzustellen, damit aus virtuellen Bekanntschaften auch mal reale Beziehungen werden 🙂 Neben wolverine dürfte ich auch poo, kurt666, diX, afri (FunkfabrikB) und Knox kennen lernen, wann und wo sonst kommen die alle mal zusammen?!

Die Location, die Orga, der Sound und die Bands waren top, die Atmosphäre freundlich bis überschwenglich, man sollte sowas jedes Jahr machen!

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NEON BONE – s/t 7″

Wenn das Nebenprojekt größer ist, als das Ursprungsding, muss man überlegen, ob man den nächsten Schritt gehen will… NEON BONE aus Münster ist eine One-Man-Project des FRESS-FEIND Bassisten Lars. Und was Lars hier abliefert ist der absolute Oberknaller: Musik, die man sofort liebt! Kokain für die Ohren!  Alternative/Punk zwischen WEEZER, RAMONES, BLONDIE und ich weiß nicht was noch: ein Sammelsurium guter Ideen, meines Wissens alleine eingespielt, aber mit Verstärkung momentan LIVE auf Konzerten zu erleben, z.B.:

03.03.2012 – 7-inch Releaseparty / Bosporusgrill (Hbf) / Münster
(mit Cubic Metre und Beate X Ouzo)
24.03.2012 – Döser Börse / Cuxhaven (mit Always Wanted War und Starry)
02.04.2012 – Baracke / Münster (mit Modern Pets)

Ich empfehle den Jägern und Sammlern unter euch den sofortigen Erwerb dieser limitierten 7″, die außerdem noch einen Downloadcode inklusive Bonustracks beinhaltet.

Kann man kaufen z.B. bei www.aldi-punk.de.vu

GEGENTEIL – AZ Mülheim, 2011-12-17

Uhh, das war ne Sause, die es so schnell nicht wieder geben wird: GEGENTEIL zusammen mit KLOTZS und KARMACOPTER im kleinen AZ-Raum. Der Sound von GEGENTEIL war für den halbgefüllten Raum ein gefundes Fressen, noch nie hat man ein Konzert erlebt, bei dem der Mischer so wenig anwesend und nüchtern war, aber wo dennoch so ein mächtiges Pfund aus der P.A. kam – Respekt! Das Mönchengladbacher Trio kann diesen Umstand gut für sich nutzen und spielt ein gnadenlos gutes Set. Sänger Marko interagiert während der Songs mit dem Publikum, welches teils gebannt den Texten lauscht und teils in rhythmische Schwingungen verfällt. Schlagzeuger Rolf und Bassistin Andrea punkrocken ein mächtiges Fundament und die meisten Stücke sind absolut pogotauglich.  Aber auch die anderen anwesenden Bands KARMACOPTER und KLOTZS überzeugen mit intelligenten Texten fernab von jedem Parolengedresche. Alle drei sind Vertreter der DIY-Kultur, machen quasi alles selber oder im Freundesverbund. Politisch sind alle Bands dem linken Spektrum zu zuordnen, auch wenn sie keine zwingend politischen Texte machen.

KARMACOPTER – AZ Aachen, 2011-12-16

KARMACOPTER aus Mannheim geben sich die Ehre und zocken gemeinsam mit GEGENTEIL (Mönchengladbach) und KLOTZS (Siegen) im altehrwürdigen AZ Aachen. Die Musiker sind im Durchschnitt deutlich älter als das AZ-Personal, aber das spärlich anwesende Publikum im kleinen AZ-Raum gleicht die Statistik etwas aus. KARMACOPTER spielen als letzte Band an diesem nasskalten Schneesturmabend und haben einen Haufen neuer unveröffentlichter Songs im Gepäck („Darmstadt“, „Rumstehen“, „Essbesteck“, „Antiredundanz“, „Und Alle So“, „Waschecht“), von denen das melodische „Tausend Tode“ heraussticht, da es für KARMACOPTER-Verhältnisse fast schon kommerziell klingt. Die Lockerheit mit der Bastian (Bass), Christian (Schlagzeug) und Micha (Gitarre/Gesang) ihre Songs interpretieren, ist in ihrer technischen Präzision im KOPFPUNK-Bereich ziemlich einzigartig, wie ich finde.

www.karmacopter.de

www.myspace.com/karmacopter

EA80 – Vortex, Siegen, 2011-10-21

Das Vortex ist gerammelt voll. Idealerweise findet nur Einlass, wer es schaffte im Internet-Vorverkauf rechtzeitig zu bunkern. Dementsprechend findet man kein Lauf- sondern nur Zielpublikum, was die Sache einfach macht. EA80 spielen im Siegener Vortex und haben (mal wieder) KLOTZS im Schlepptau.  KLOTZS in Rot vor heimischen Publikum, als Duo, dennoch als Konstante. Ganz neue Songs im Gepäck, gute Songs, wie immer. Leider bietet die räumliche Situation im Vortex anscheinend keinen befriedigenden Sound, aber egal, KLOTZS sind geil, Ende. Aus.

Kurze Umbaupause und direkter Übergang zur zweiten Band namens EA80: was soll man sagen? Das was auffällt: Blitzlichter, Jubel bei alten Songs, Heimspielcharakter, keine besonderen Vorfälle, gutes Konzert, n paar Platten verkauft, volle Zustimmung von allen Seiten, neue Platte im Dezember, neue Songs, alte Musiker, eingespielte Band, einzigartiger Frontmann…

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BUNKAANGST – Retrospektive

In der Retrospektive ergibt sich manchmal ein Gesamteindruck, der den roten Faden durch das kompositorische Schaffen einer Band erst sichtbar macht. In der KOPFPUNK-Radiosendung vom 18.06.2011 (s.u.) gab es ein ausführliches Portrait des Göttinger Trios BUNKAANGST. Wenige Tage später gaben BUNKAANGST das Ende bekannt, warum auch immer, hoffentlich nicht wegen der Sendung 😉

Beschäftigt man sich ein wenig mit der Vorgeschichte der Band, entdeckt man Parallelen: bereits 2003 als PATZIG veröffentlichte das Trio, bestehend aus Thilo (Bass), Rumpel (Schlagzeug) und damals MatthiaK (Gitarre) deutschprachige Songs auf einer DIY-9-Track-CD („Zu Besuch“): tiefgründig, literarisch (u.a. wurden Texte von Lessing und Rilke vertont) und mit Trademarks wie einem cleanen Gitarrensound und mehrstimmigen Gesang. 2005 fanden Thilo und Rumpel einen neuen Gitarristen (Theo) und veröffentlichten als JUKEBOX MASSAKER eine Split-LP (mit Rotte Chora aus Bremerhaven); auch hier gab es wieder literarische Motive („Die Gleichung“ von Erich Fried) sowie die o.g. Markenzeichen, die Musik wurde jedoch punkiger, schneller, aggressiver und Bassist Thilo lieferte jetzt die Texte, was dem Gesamteindruck der Musik eine leichte 80er-Jahre Note gab: kritische, melancholische, nachdenkliche Texte, abseits von Mitsing-Refrains und BlaBla-Gelalle. Aber auch dieser Besetzung war kein langes Miteinander vergönnt.

Nach einer längeren Denk- und Schaffenspause veröffentlichten Thilo und Rumpel (jetzt mit Adrian an der Gitarre) unter dem Namen BUNKAANGST 2009 die 6-Song-Demo-CD „Hamstarad“, welche in der Punkfanzinewelt einen Haufen netter Kritiken einheimsen konnte. Mit soviel Rückenwind brachten es BUNKAANGST auf eine stattliche Anzahl Konzerte zwischen 2009 und 2010, u.a. mit DIE SCHWARZEN SCHAFE, deren Bassist Christian glücklicherweise den richtigen Riecher hatte und die EP BUNKAANGST auf seinem Label MY DELIGHT RECORDS mitveröffentlichte (da waren auch noch andere Labels dran beteiligt). Wieder heimste das Göttinger Trio einen Haufen wohlwollender Rezensionen ein, aber letzendlich (wie gesagt: warum auch immer?) gab die Band im Sommer 2011 ihr Aus bekannt: es ist so schade…

KLOTZS – Aetherblissement, Köln, 2011-09-24

KLOTZS sind ein deutschsprachiges Kopfpunk-Duo aus Siegen. Duo? Punk? Yo, Mann! Sänger/Gitarrist Ingo steuert mit seiner Bariton-Gitarre unisono zwei (!) Verstärker an, das eine Signal geht in den Bass-Amp, das andere in den Gitarrenverstärker – und es klingt göttlich! KLOTZS schaffen zu zweit einen Sound, den Andere zu fünft nicht erreichen. Das hat auch viel mit Schlagzeuger Sascha zu tun, der durch sein brutales, aber songdienliches Draufhauen den alten und neuen Songs das nötige Fundament verpasst. Die umfangreiche Setlist bietet einen Rückblick auf das Gesamtwerk seit 1998. KLOTZS haben seitdem kontinuierlich EPs, LPs und auch eine CD auf DIY-Basis veröffentlicht, einem größeren Kreis wurden sie durch ihre 2000er-Split-EP mit EA80 bekannt.

Das Konzert im Kölner Aetherblissement ist gut gefüllt (ca.100 Zuschauer); KLOTZS supporten an diesem Samstagabend die Osnabrücker DÜSENJÄGER, die ein grandioses Comeback-Set spielen und die „Masse“ auf ihrer Seite haben. Das Publikum zeigte sich beim KLOTZS-Konzert noch etwas reserviert, immerhin war dies laut Sänger Ingo das erste Köln Gastspiel in der 14jährigen Bandgeschichte: KLOTZS haben mehr verdient!

http://www.majorlabel.de/

http://www.klotzs-band.blogspot.com/

http://www.myspace.com/klotzs

KLOTZS Live:

21.10.2011: Vortex Siegen (mit EA80)

22.10.2011: Ex-Haus Trier (mit EA80)

16.12.2011: AZ Aachen (mit KARMACOPTER und GEGENTEIL)

17.12.2011: AZ Mühlheim (mit KARMACOPTER und GEGENTEIL)

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Review: KRAUTBOMBER – „II“ 12″

KRAUTBOMBER aus Mönchengladbach veröffentlichen ihre „neue“ LP „II“ postum, aber wetten, die geht weg wie warme Semmeln? Jedes Cover ist ein Unikat, Schlagzeuger Fanta hat sich ums Design gekümmert, es wurden unzählige Lacksprühdosen politisch unkorrekt verbraucht, damit der DIY-Jäger-und-Sammler sein Erfolgserlebnis hat – der Karton ist dick, goldbesprüht, mit Schablonen beschriftet und mit einem (gedruckten) Textblatt versehen. Das Vinyl ist schwer und kommt im klassischen schwarz daher.

Die Songs und die Aufnahmen sind von 2008, gewohnt hardcorig, präzise und pointiert. Scheinbar locker aus dem Ärmel schüttelnd versprühen KRAUTBOMBER hier wieder ein Feuerwerk an deutsprachigen Punk, textlich gewohnt privat politisch, musikalisch das, was man erwartet, v.a. die Basslinien hauen einen mal wieder quasi ständig um (z.B. „Nichts mit der Sache“, „Oberkannteunterlippe“), textlich introspektiv und gnadenlos ehrlich (z.B. „So viel Zeit wie man braucht“ oder „Arbeit Equals Shit“), musikalisch trashig melodisch, immer zwischen Burnout und Amok. Der SPERMBIRDS-Klassiker „You´ re Not A Punk“ von 1986 beendet eingedeutscht die insgesamt 20 minütige Darbietung (leider) vergangener Höhepunkte dieser tollen Band. Konzerte bzw. eine Reunion sind meines Wissens nach nicht geplant, bin aber gespannt ob sich da eine Trilogie andeutet (?), oder ob´s das jetzt war?! Vielleicht ist es auch unsinnig bei diesem Gesamtoutput in Bandkategorien zu denken. Man kennt das ja: Bands verwalten ihren Nachlass und veröffentlichen im Nachhinein alles, was „damals“ nicht veröffentlicht wurde, bzw. nicht veröffentlicht wurden konnte: aber im DIY-Bereich, hmm…

Analog zur Entwicklung der „Vorgängerband“ NEIN NEIN NEIN blickt man nicht so richtig durch bei KRAUTBOMBER: KRAUTBOMBER gibt es nicht mehr! Die Aufnahmen stammen von 2008. 2006 gabs die erste KRAUTBOMBER, damals schon seltsam anmutend, da NNN ja offensichtlich fantastisch liefen, fleissig tourten und gerade ihre umjubelte DEINE SZENE IST EIN ZOMBIE-LP gut an den Mann brachten und mit anderen Bands fleissig kooperierten (Kaput Krauts, Matula, u.a.). Parallel dazu schlug das Gladbacher Trio ebenfalls gewaltig in der Szene ein und galt als legitimes Zweitprojekt von Sänger Michi. Nachdem NNN daraufhin jeweils 2007 und 2008 BOMBING YOU KLEINSTADT und ENDSTATION BULLSHIT raushauten, dachte ich eigentlich: so, das wars, das bleibt jetzt so, aber stattdessen wurde 2009 das Ende von NNN verkündet, häää…? Monatelang blieb es recht ruhig, bis Sänger Michi ein neues Monster namens KOETER schuf und auch hier wieder Vinyl raushaute und Konzerte spielte. November 2010 präsentierten sich dann NNN nicht nur Live, sondern auch wieder mit neuer Split-12“ (mit AMEN 81) im Gepäck.

Und jetzt das! Irgendwie genial! Oder?

 

http://www.myspace.com/krautbomber

http://www.flight13.com/details/95209/krautbomber-ii

ENDZEIT – Arche, Mönchengladbach, 2011-06-11

Hatte vorab mit der Band gemailt um die ungefähre Auftrittsszeit zu erfahren und war pünktlich um 20:15 Uhr in der Arche in Mönchengladbach-Hardt, etwas weit ab vom Schuss, aber da diese Stadt eh keinen zentralen Punkmusiktreffpunkt hat – geschweige denn ein AZ – is man hier eh überall weit weit ab vom Schuss.

ENDZEIT spielen sieben oder acht Songs und keiner bemerkt die Genialität dieser Band. Das Publikum ist zahlreich erschienen und besteht aus 16-20jährigen Wohlstandsslumjugendtreffteenies, die brav nach jedem Lied applaudieren, aber eher mit sich selbst als mit der Band beschäftigt sind. Insgesamt sinds so 140 Zuschauer, die aber auch zum Teil aus den anderen anwesenden Bands auf diesem „RockOn-Festival“ (echt!) bestehen; es herrscht ein stetiges Kommen und Gehen von Jugendtreffsozialisierten Normalos.  So keimt unbemerkt eine Blume vor ihren Augen: Kevins Gitarrensound und seine markante, anklagende Stimme erzeugen immer wieder, diese Momente voller Größe, Übersicht und Rotz. Tom und Frank an Bass und Schlagzeug liefern ein dichtes Fundament, dass songdienlich den Sänger unterstützt und sich nicht selbst darstellt. Das Trio spielt deutschprachigen Punk, nicht den Härtesten, aber absolut tanz- und radiotauglich mit schlauen emotionalen Texten.

Die bisherigen Demos der Band kann man sich auf deren MySpace und/oder Facebook-Seiten anhören – Top Quality Sound – ich freue mich schon auf die erste reguläre Veröffentlichung der Band, hoffentlich auf Vinyl. Außerdem hab ich die Jungs zur nächsten KOPFPUNK-Sendung eingeladen…

http://www.myspace.com/endzeitendzeit
http://www.facebook.com/endzeitband


Review: KARMACOPTER – „California“ 7″

KARMACOPTER aus Mannheim veröffentlichen ihre zweite Platte erneut im Labelverbund mit diesmal insgesamt 7 Labels. Die edle 7“ bietet bei einer Spielzeit von 09:45 min. alles was das Vinylherz begehrt und musikalisch steht diese Band eh spätestens seit dem 2008er Vinyldebüt „Goodbye Haptik“ über den Dingen. In einer Mischung aus Punk, Crust und Stonerrock gelingt dem deutschssprachigen Trio ein solch mächtiger Sound, dass es eine Freude für die Ohren ist. Für mich die Platte des Jahres und für euch das ideale Weihnachtsgeschenk.

FFF eröffnet die EP mit Stakkatorhythmen und beschreibt in den melodischen Strophen den neuzeitlichen Konsumbedarf einer Generation, die sich über Schlussverkäufe und überhöhte Egos definiert – Form folgt Funktion. SAMY handelt von momentan wieder alltagstauglich gewordenen bürgerlichen rechten Menschen, die sich selbst aber eher als Mitte-Rechts dargestellt sehen wollen. Analog zur aktuellen Grauzonenbands-Diskussion wird die Verharmlosungstendenz hier in 0:36 min. verrockt. TOSHI kommt mächtig groovend daher und erinnert dann musikalisch stark an TRAIL OF DEAD, während es textlich um eine wütende Werbeindustriekritik handelt. VDMNLAM spielt parallel zum Titelsong CALIFORNIA mit einem Heile-Welt-Spassgesellschft-Bild, dass KARMACOPTER-untypisch in einem Fast-Refrain als furisoen Höhepunkt endet. Und wieder mal ein mächtig geiler Bass Sound: DISCO KNECHT punkrockt in bester Slackercore-Manier über biographische Gesinnungswandel und Chamäleoncharaktere. AL JARREAU spielt mit den bereits vom Vorgänger „Goodbye Haptik“ bekannten exakt gespielten Synkopen, die den typischen KARMACOPTER-Sound ausmachen. CALIFORNIA, der Titelsong,  ist wohl ein Novum – eine Stonerrock-Ballade mit Abwrackbonus. Unwirkliche Bilder aus einer US-Soap-artigen Welt treffen auf bedrohlichen Bombastrock und bilden eine depressive Scheinallianz mit zweifelhaftem Happy-End. Pflichtkauf!

Die feine ep gibts/gabs in verschiedenen Vinylkolorierungen (Foto von Debil)

VÖ: Anfang Dezember 2010

KARMACOPTER, „California“, ELFENART RECORDS, FLIGHT13, u.a., 2010

www.karmacopter.de

www.myspace.com/karmacopter

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