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Berlin

Review: Bahnhof Schwarzburg – Bahnhofsjugend (EP)

Bahnhof Schwarzburg - Bahnhofsjugend - Cover_A

Schräges Ein-Mann-Projekt, abgekürzt BHFSWBG, mit abgefahrenen Homerecordings zwischen DEW, GEWALT und LE SHOK. „Festzelt“ beginnt wild-punkig wie PLASTIC BERTRAND, allerdings mit der resignierenden Erkenntnis „Eigentlich sind Türen nichts für mich“: gute Nummer! „247“ hat ein 80er-Bass-Pattern, der das Kranke im Leadgesang zur Schleife bindet. „Kauf dir was“ eröffnet die B-Seite und präsentiert sich als Hit: post-punkiger Bass, Gitarre, die mehr Soundsamplestation ist, als Saiteninstrument. Und ein Gesang, der durch simpelste Wiederholungen, so etwas wie Mitsingaura herstellt. „Autoauto“ ist kompletter Blödsinn: da hätte man lieber die „Schwarzburg“-Polka draufpacken soll. Die gibt es stattdessen als Bonustrack zum Download dazu. Limitierte Auflage von nur 150 Exemplaren, auf dickem Vinyl, mit Schablone besprühte Cover aus schwarzem Karton, dazu noch Textbeilage und Download-Code. Aus dem Umfeld von KURT, TEN VOLT SHOCK und YASS. / Marko Fellmann

chuchurecords // anker // 7:34 // bhfswbg

Review: EIN GUTES PFERD – Zwischen den Zeilen ist noch Platz (LP)

2016-11-11-ein-gutes-pferd-zwischen-den-zeilen-ist-noch-platz-lp

Hüüaahh! EIN GUTES PFERD lassen heute die Sektkorken knallen und feiern die Veröffentlichung ihrer ersten LP „Zwischen den Zeilen ist noch Platz“! Aber was macht der Jockey, wenn das Pferd nicht pariert? Besser mal die Hufe schwingen!

Edel kommt die Platte daher! Vierfarbiges Gatefold mit einem super Artwork und abgedruckten Texten im Klappcover. Das Vinyl ist dreckig transparent, im Farbton nah am Artwork: verdammt hübsch das alles! Man legt die Platte auf, die Hi-Hat zählt an und die Band steigt ein: bei „Scheinwerferaugen“ denkt man sofort an Klassenkameraden wie FREIBURG und DISCO//OSLO, heißt also, alles o.k.! Dann erklingt Sänger Aaron in typisch sympathisch-angepisster Manier: um Matrosen dreht sich der Text und um deren misanthropischen Käpt´n. Mmmh. In meinem Leben sind gerade andere Themen aktuell und auch im Zuge des mehrmaligen Hörens findet zwischen dem, was Aaron mir da sagen will und dem, was mich aktuell emotional berührt, kein Transfer statt. Und so zieht sich das dann durch das ganze Album. Haufenweise offene Lyrik, die ja eigentlich gar nicht so verkehrt ist, aber was hier vergessen wurde, ist der Umstand, dass Reime in Musik ja durchaus eine gewisse Zugänglichkeit erzeugen. Kryptik hin – Kryptik her!

Gut, man muss ja nicht reimen, es geht natürlich auch anders, das haben schon viele andere Bands und auch EIN GUTES PFERD mehrfach bewiesen. Aber die gut eingespielte Musik wird hier mit den Texten so dermaßen zugekleistert, dass zwischen den Zeilen in Wirklichkeit leider kein Platz mehr bleibt. Wenn ich einen Song wie „Schalldämpfer“ separat anhöre, überzeugt mich die Power, die diese Band mit diesem Sänger erzeugt, absolut. Aber wenn ich die ganze Platte am Stück höre, verkehrt sich das und nervt. Denn die Metrik der Texte passt nicht wirklich auf die Musik – es ist, als seien das alles vertonte Gedichte, bei denen man schon mal ein Auge zudrückt, wenn das Tempo etwas holpert („Fratze“), weil der Text nämlich in die Musik reingequetscht wird, anstatt sich einfach darauf zu legen und mittreiben zu lassen. Das hieße natürlich, man müsste den Textanteil reduzieren. Hinzu kommt, dass die Aufnahmen in zwei verschiedenen Berliner Studios vonstatten gingen: die Musik wurde in der Tonbrauerei aufgenommen und die Vocals bei Audio Machinery, beides renommierte Adressen. Klar, das machen viele Bands so, das ist gang und gäbe. Aber die 2015er-EP „Robotertauben“ fand ich zugänglich, hitverdächtig und auf den Punkt. Hingegen empfinde ich „Zwischen den Zeilen ist noch Platz“ als Rückschritt! / Marko Fellmann

bakraufarfita // elfenart // riotbikerecords // 29:02 // eingutespferd

11.11.2016 Cottbus, Chekov (mit Elmar)
12.11.2016 Berlin, Schokoladen (mit Nord)
18.11.2016 Mainz, Haus Mainusch (mit Elmar und Kuballa)
19.11.2016 t.b.a.
02.12.2016 Leipzig, Atari (mit Freiburg und Elmar)
03.12.2016 Zittau, Emil (mit Robinson Krause und Killer Jiller)
09.12.2016 Braunschweig, B58 (mit Captain Planet und GRMM)
10.12.2016 Lübeck, VEB (mit Notgemeinschaft Peter Pan)

Review: MOLOCH – Fragmente (LP)

2016-11-11-moloch-fragmente-lp

Na also, wird doch: MOLOCH steigern sich kontinuierlich! Zum Einstand gab es Tapes, als Übergang eine Split-10“ und jetzt also die erste vollwertige LP „Fragmente“. Die beginnt instrumental und macht sofort die Weiterentwicklung des Berliner Quartetts deutlich. Aufgenommen wurde nämlich im Berliner KinskiNoize-Studio, übrigens bereits im September 2015, kurz bevor Gitarrist/Sänger Benni und seine Frau für ein Jahr nach Finnland zogen (hierzu gibt es Benni´s äußerst interessanten Bericht im aktuellen Trust). Der Sound und die Gesamtproduktion von „Fragmente“ sind deutlich besser als bei den bisherigen Veröffentlichungen, hinzu kommt, dass die Songs wie ein ICE an einem vorbei rauschen: alle 16 Lieder sind unter zwei Minuten!

Menschfunktion“ gab es bereits auf der Split mit H.K.Z. (2015), damals lediglich mit Gitarre und Gesang, jetzt steigt die Band mit ein. Der Titelsong „Fragmente“ dreht sich um unkritisches Konsumverhalten und bietet musikalisch eine gewisse Schrägheit gepaart mit hasserfülltem Gesang, erinnert mich wie einiges auf diesem Album ein wenig an EA80. Das hat viel mit dem Druck zu tun, den Dirk (der neue Bassist) und Simon (Schlagzeug) mit ihren Instrumenten erzeugen. „Automat“ und „Wein Doch“ gehen fließend ineinander über: würde man das sehr hübsch aufgemachte DIN A5-Textheft nicht lesen, fiele es einem nicht auf. „Nur ein Traum“ (einer von sieben Songs die von Gitarrist Ollie gesungen werden) handelt von Freundschaften, die sich über die Jahre geändert haben und bei der „Irrlicht“ singen Ralf und Andreas von TISCHLEREI LISCHITZKI. Absolution“ bietet ein packendes Ende: „Nichts ist vergeben, fast alles ist vergessen, vor dem Gefressen-Werden kommt das Fressen“. Starke Platte! / Marko Fellmann

randomeventsinadyinguniverse // elfenart // 24:43 // moloch

11.11. Dresden, L33 (+ Litbarski/OnOnOn u.a.), 12.11. Frankfurt, Verbündungshaus fforst
18.11. Hannover, Monster Records (+ Litbarski)
19.11. Magdeburg, Libertäres Zentrum (+ Litbarski)

Interview: MESSER + TELLAVISION, Köln, Gebäude 9, 2016-11-02

 

(alle Fotos von Ralf Hess)

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MESSER sind aktuell auf Tour, um ihre neue Platte „Jalousie“ zu promoten. Am 02.11.2016 spielten sie im Kölner Gebäude 9, was uns die Gelegenheit gab, die schöne Tradition der regelmäßigen KOPFPUNK-Interviews aufleben zu lassen, dieses Mal von Angesicht zu Angesicht und nicht wie bisher per Skype. / Marko Fellmann

Als Support haben sie sich TELLAVISION geangelt, eine Avantgarde-Künstlerin aus Hamburg, deren Performance mich stark an Laurie Anderson erinnert. Ihre Mischung aus geloopten, reduzierten Rhythmen und teils gekrächzten, teils gesungenen englischsprachigen Texten sucht seinesgleichen in Deutschland und hat mehr Beachtung verdient. Sie spielt viele Tracks ihres aktuellen Albums „The Third Eye“, welches ich mir nach dem Konzert sofort gekauft habe.

Aber ich bin wegen MESSER hier! Seit 2012 feature ich diese Ausnahmeband für Webradio oder Print und jedesmal war es nicht nur sehr nett, sondern auch sehr aufschlussreich. Das Interessanteste an dem ganzen Musikjournalismus-Quatsch ist für mich diese exponierte Beobachterposition, zu sehen und mitzuerleben, wie Bands sich über die Jahre verändern, nicht nur in eventuellen Besetzungswechseln, sondern auch im Umgang mit mir, bzw. anderen Medien. Z.B. wenn das Label gewechselt wird und damit einhergehend auch meine Ansprechpartner: das eine Mal bekommt man Platten und Infomaterial zuhauf, das andere Mal noch nicht mal einen Downloadlink (bei MESSER funktionierte die Versorgung immer einwandfrei). Ich ärgere mich über solche Entwicklungen nicht, sondern nehme sie zur Kenntnis. Und ganz ehrlich: Wer hätte denn vor vier Jahren gedacht, dass nicht nur Musikmagazine wie Visions und Spex, sondern auch die Feuilletonisten von Spiegel, Taz und Zeit sich mit solchen vermeintlich kleinen Bands beschäftigen?! Ich jedenfalls nicht! Beim Interview vor dem Konzert war Gitarrist Milek leider nicht anwesend, da er mit Busfahrer Julian am Merchtisch saß.

Ihr habt euch sehr verändert, auch wenn man MESSER natürlich noch erkennt. Wann habt ihr diese Veränderung selbst zu spüren begonnen? Wie hing das mit Palles Ausstieg zusammen?

Pogo: Die Veränderung ist uns bewusst geworden, als Philipp und ich erste Skizzen im Proberaum aufnahmen, auch wenn das ein Prozess ist. Einhergehend haben wir dann mit Palle festgestellt, dass unsere Vorstellungen gar nicht mehr so deckungsgleich sind. Aber auch das war ein langer Prozess.

Philipp: Das begann in etwa Weihnachten 2014, während Hendrik sich im Ostsee-Urlaub befand.

Pogo: Das ist übrigens ein ganz normales Ding: Hendrik macht Urlaub und wir arbeiten! (alle lachen)

Philipp: Da hatten wir unseren Proberaum gerade ganz neu und haben mit Schlagzeug, Orgel und Bass erste Demos aufgenommen. Das war für uns alle eine neue Herangehensweise an das Thema Songentwicklung. Pascal hatte zu dem Zeitpunkt Sorge, dass er sich für eine weitere Entwicklung der Stücke zu unflexibel macht.

Hendrik: Er war da für sich einfach an einem anderen Punkt!

Philipp: Wir haben zu ihm gesagt: „Na gut, muss ja jetzt nicht sofort perfekt sein, kann man ja noch ändern!“. Palle wollte sich da allerdings musikalisch nicht zu sehr festlegen, aber genau dieses neue Aufnahmeprinzip sollte das neue MESSER-Verfahren sein.

Ist doch auch oft so, dass die erste Idee die beste ist. Dann hat man die tausendmal gehört und es fällt schwer, sich dann noch etwas anderes einfallen zu lassen.

Philipp: Ja, das stimmt. Es ist ja auch nicht so, dass ich das Argument nicht nachvollziehen kann. Aber nachdem wir die ersten beiden Platten gemeinsam im Proberaum geschrieben und danach recht zügig aufgenommen haben, hatten wir uns für die neue Platte auf dieses andere Aufnahmeverfahren geeinigt. Die ersten Songs, die dabei entstanden sind, waren „Der Mann, der zweimal lebte“, „Im Jahr der Obsessionen“ und die ersten Ideen für „Detektive“.

Pogo: Die allererste Idee, die ich rumgereicht habe, war eigentlich „Niemals“. Aber die konkrete Arbeit begann mit den Stücken, die Philipp genannt hat.

Das fiel mir beim Schreiben des Reviews schwer, so einen Begriff wie „Rock-Pop“ da zu erwähnen, nach all den Gesprächen, die wir in den Jahren hatten. „Der Mann, der zweimal lebte“ klingt deutlich softer als euer bisheriger Sound. Hinzu kommt das Video, dass diesen Song ja als Beziehungs-/Liebeslied manifestiert. Vielleicht war Palle das zu soft? „Detektive“ fand ich zum Beispiel am wenigsten einem Genre zugeordnet.

Philipp: Im Post-Punk-Bereich fallen mir da z.B. A CERTAIN RATIO als Referenz für „Detektive“ ein. Bei „Die Unsichtbaren“ (2013) war es ja „Neonlicht“ mit dem alles begann. Ich glaube, immer wenn wir mit einem neuen Album anfangen, müssen wir erst einmal etwas anders machen, um dann zu sagen: „O.K., jetzt schreiben wir noch mal so was wie „Die Echse“ im klassischen MESSER-Sound. Die Sachen, mit denen wir so einen Prozess beginnen, müssen für uns schon eine konkrete Veränderung markieren. Dass Palle die neuen Stücke zu soft waren, glaube ich nicht.

Neuerfindung oder Veränderung?

Pogo: Veränderung ja, aber Neuerfindung eigentlich nicht!

Philipp: Es ist ja kein Bruch mit dem Bisherigen, sondern hängt zusammen, mit dem was bisher passiert ist.

Pogo: Für MESSER wesentlich war schon immer der Gedanke, dass alles möglich ist. Natürlich hat jeder von uns da seinen eigenen Geschmack.

Manuels Percussions sind seitdem viel dominanter im Gesamtsound. Wie gehst du an die Songentwicklung ran?

Manuel: Ich bin ja während der Aufnahmephase zu „Die Unsichtbaren“ eingestiegen. Damals waren die Percussions eine Art Produktionstool, um gewisse Sounds fetter zu machen. Jetzt war die Herangehensweise tragender, komplementär zu Philipps Schlagzeugspiel, ohne klare Hierarchien, wer wofür zuständig ist. Das wurde dann von Song zu Song anders umgesetzt. Das Set-Up entstand sehr intuitiv, nach und nach: die Bongos habe ich in einem Musikladen in der Schnäppchenecke entdeckt. Die klingen ganz gut, fast schon sequenzermäßig, ohne den Drums im Weg zu stehen. Das ist glaube ich das, was „Detektive“ dann auch ausmacht. Da gab es keinen Masterplan, sondern das hat sich ganz organisch entwickelt. Über diese Entwicklung bin ich sehr glücklich. Diese Verzahnung mit Philipps Schlagzeugspiel sagt mir total zu, auch dass es sich gegenseitig so ergänzt und man gar nicht genau sagen kann, wer oder was hier jetzt rhythmisch den Ton angibt.

Übrigens ein super schönes Artwork mit diesem Textbuch!

Hendrik: Das freut mich. Da hat bisher kaum jemand nach gefragt! Es gibt dieses in der Leipziger Galerie ausgestellte und fotografierte Original-Textbuch, von dem ich für jedes Bandmitglied in Fanzine-Manier Kopien gemacht habe. Aber ich wollte noch zu Manuels Entwicklung was anmerken: Bei „Die Unsichtbaren“ waren die Percussions eher so eine Art Zugabe, inzwischen ist das schon eine Symbiose.

Schön gesagt! Mann, wieso ist mir das nicht eingefallen?

Hendrik: Na, wir haben es ja schon zehn Mal erzählt. (alle lachen)

Review: MESSER – Jalousie (LP)

2016-10-19-messer-jalousie-lp

Identität entsteht durch das Variieren von Möglichkeiten! MESSER haben dieses Spiel von Anfang an betrieben und verknüpfen vielschichtigen Post-Punk mit anspruchsvoller Poesie. Hörer, die offene Lyrik ablehnen und eindeutige Parolen brauchen, werden hinter der „Jalousie“ nichts finden. Wie schade, es gäbe eine Menge zu entdecken!

Nicht nur im balladesken Opener „So sollte es sein“ (der durch die Zweitstimme von Stella Sommer von DIE HEITERKEIT genau die Größe und Tiefe erreicht, die seinerzeit EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN durch die Beteiligung von Meret Becker in „Stella Maris“ erzielten), sondern auch im rockpoppigen Liebeslied „Der Mann, der zweimal lebte“ spielt Bassist Pogo Orgel. Rockpop? Liebeslied? Nun ja, es ist so: in Verbindung mit den Synthieflächen, die wiederum von Gitarrist Milek beigetragen werden, transformieren MESSER ihren Sound in eine gewisse zugängliche Internationalität, um nicht das fiese Wort Pop zu benutzen. Es kommt hinzu, das Sänger Hendrik nicht mehr schreit, sondern singt und damit seinen Vocals ein breiteres Spektrum ermöglicht, im Gegensatz zum „Kaputte Arme – zerschundene Knie“-Stil der frühen Jahre. Dann erklingt außerdem Micha Achers (THE NOTWIST) Trompete, gar nicht mal so dominant, sondern dezent anschleichend, den Gesamteindruck versüßend. Das sind die offensichtlichsten Faktoren, die das dritte Album des Quintetts deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet. Liest sich natürlich auch irgendwie gut, wenn da Jochen Arbeit (EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN) als Gast erwähnt wird, seine Soundsamples ergänzen die Arrangements stilecht und sorgen für akustische Verfremdungen.

Aber die Veränderungen im Bandsound sind noch wesentlich umfangreicher: Percussionist Manuel setzt sich endgültig als neues Bandmitglied durch und hat eine Menge prägender Momente auf dem Album, wobei „Detektive“ heraus sticht. Schlagzeuger Philipp ackert wie eh und je und lässt neuerdings auch deutlich mehr digitale Rhythmen zu. Gitarrist Milek ist ein legitimer Nachfolger für Pascal Schaumburg, kann diesen aber trotz Stratocaster und Echos nicht ersetzen. Sein Ansatz geht eher in eine The Edge-Richtung, während Palles Gitarre komplett outer-space war. Und trotzdem ist Mileks Gitarre top und bietet eine Menge zum Entdecken und lieb gewinnen (z.B. die Stakkatos in „Niemals“ oder die Flagoletts in „Schaumbergs Vermächtnis“ )! Bei „Im Jahr der Obsessionen“ ist seine Gitarre exzellent und entzaubert den Verschleierungseffekt den Gastsängerin Katarina Maria Trenk unisono mit Hendrik erzeugt. In „Meine Lust“ schreit Hendrik dann übrigens doch wieder, quasi Oldschool-MESSER und ja, es gibt mehrere laute Stücke auf dem Album: „Die Echse“ ist ein echter Kracher! „Niemals“ der ideale Konzertopener! Und „Schaumbergs Vermächtnis“ erzeugt natürlich tiefste 80er-Flashbacks und entblößt einerseits Hendriks zentrale Identitätsthematik („Doch durch den Spiegel kommst du nicht!“), schließt andererseits musikalisch aber auch die Klammer im Musikalischen, da Pogos Orgel die Platte beendet.

Die Aufnahmen begannen zusammen mit Robin Völkert im Dezember 2015 auf dem Rittergut Haus Nottbeck und endeten im neuen münsteranischen Proberaum 2016 unter der Regie von Proberaumbesorger Pogo, der die ganze Vorproduktion dann in treue Hände an Tobias Levin übergab. In Anbetracht des Wegfallens regelmäßiger Bandproben und der Integration zwei neuer Musiker sollte man „Jalousie“ nicht mit „Im Schwindel“ (2012) oder „Die Unsichtbaren“ (2013) vergleichen. Von daher war es auch nur konsequent im Artwork neue Wege zu gehen. Die Coverjalousie hat was dreidimensionales und das Gesamtpaket aus dickem LP-Rücken und Textbeiheft beeindruckt außerordentlich. Hör ich seit Monaten! / Marko Fellmann

trocadero // 40:33 // messer

MESSER-Tour 2016:
28.10. Essen, Zeche Carl
29.10. Bremen, Lagerhaus
30.10. Bielefeld, Forum
31.10. Kaiserslautern, Kammgarn
01.11. Wiesbaden, Schlachthof
02.11. Köln, Gebäude 9
03.11. Berlin, Frannz
04.11. Gießen, MuK
05.11. Stuttgart, Zwölfzehn
06.11. Wien, B72
07.11. München, Kranhalle
08.11. Dresden, Groovestation
09.11. Leipzig, Naumanns
10.11. Jena, Kassablanca
11.11. Hannover, Café Glocksee
12.11. Hamburg, Molotow
03.12. Münster, Gleis 22

Review: LITBARSKI – s/t (EP)

2016-09-11-litbarski-s-t-ep

Wer hätte das gedacht? Ex-WELTRAUMSCHROTT-Chrischan überrascht aus der Tiefe des Raums wie einst Netzer. Das Ganze heißt allerdings LITBARSKI und hat mit Fußball wirklich gar nichts zu tun. Mit OMA HANS hingegen verbindet die drei Berliner nicht nur das Artwork, sondern auch der Gesangsstil. Wobei ich sagen muss, dass meine erste Assoziation KARMACOPTER war: guter Tip, zumal Van Dante hier gemixt und gemastert hat. Post-Hardcore mit deutschsprachigen Texten, die beschreiben, was sich beobachten lässt, im Privaten wie im Öffentlichen.

Hedwig“ porträtiert eine alte Dame („Was sie eigentlich will, dass man an sie denkt!“), musikalisch punkrockend mit ein bisschen Drama. „Piz Palü“ schließt ergänzend ab, was thematisch zum Lebensende passt („Wo die Alten nichts erzählen von alten Tagen oder Krieg.“). Melodisch wird es dann bei „Der große Shannon“, dass mit dem wiederholten „Sie warten nicht auf dich!“ Wiedererkennungswerte schafft. „Für Else“ eröffnet die B-Seite schwer groovend und positioniert sich fast schon resignierend („Deine verdammte deutsche Butter nimmt dir niemand vom Brot!“), wäre da nicht der Zorn des Sängers, der jede Zeile raus spuckt, als seien es Giftpfeile. Die Instrumentalnummer „Rumstehen 2000“ ist das kürzeste Stück der Platte, während „Rochelle Rochelle“ die Mini-LP mit einem wiederholten „Ich und meine Freunde!“ versöhnlich ausklingen lässt. Prima Debüt! / Marko Fellmann

elfenart records // 15:01 // litbarski

LITBARSKI auf Tour:

2016-09-30 Berlin

2016-10-01 Halle

2016-10-02 Brunswick

2016-10-07 Hamburg

2016-10-08 Rotenburg

2016-10-28 Köln

2016-10-29 Mönchengladbach

Review: HANS EHLERT HAMBURG – Zwei (LP)

2016-03-19 HANS EHLERT HAMBURG - Zwei (LP).jpg

HANS EHLERT HAMBURG sind ein Duo aus Berlin. Mit ihrem 2013er LP-Debüt „Bizarre Farben“ (die 300er-Auflage ist ausverkauft!) haben sie sich in die Herzen der DIY-Fanzinegemeinde gespielt: verdammte Kritikerlieblinge! Basti Ehlert (Bass/Gesang) und Theo Ehlert (Gitarre/Drums) spielen einen an frühen NDW angelehnten Indiepunk irgendwo zwischen RHEINGOLD und FEHLFARBEN. Jedenfalls wird mehr gesprochen und gebrüllt als gesungen und die Gitarre ist perkussiv postpunkig. Die gesamte Platte wurde mit einem Drumcomputer eingespielt, aber vielleicht macht gerade das den Charme und die Atmosphäre dieser Platte aus. Live hat ihre Landkarte noch genügend Lücken, dennoch konnten HANS EHLERT HAMBURG bereits mehrfach auf Konzerten überzeugen, hierbei übrigens seit 2015 immer mit Tourdrummer Ste. Jetzt also endlich der 12“-Nachfolger „Zwei“: 180g + CD im Steckkarton (die kann man auch separat kaufen), DINA4-Textbeilage, 11 Lieder in einer dreiviertel Stunde, aufgenommen zwischen 2013 und 2014 im Berliner Proberaum.

Alles einsteigen“ punkrockt sich sofort ins VELVET UNDERGROUND-Herz, während „33 rpm“ nicht nur eine offensichtliche Liebeserklärung an die Schallplatte ist, sondern auch der Sehnsuchtssoundtrack der Generation Langeweile. Eine hektische Rhythmusgitarre im besten F. J. Krüger-Stil führt „Jugendkultur“ in den speziellen HANS EHLERT HAMBURG-Taumel. „Eurythmie“ beendet die A-Seite und entpuppt sich als legitimer „MS Freak“-Nachfolger: funkige Postpunk-Gitarre trifft auf wummernden Bass. Bastis Texte pendeln zwischen Resignation und Wut: „Zum Studieren nach Prag oder Kiffen im Park? DAF hat´s schon vertont, dass verschwenden sich lohnt!“ (aus „Eurythmie“). Insgesamt ein würdiges zweites Album, wieder auf 300 Exemplare limitiert, also mit dem Bestellen nicht zu lange warten! / Marko Fellmann

hafenschlammrekords // 45:45 // hansehlerthamburg

Review: MOLOCH / H.K.Z. (Split-10“)

Moloch 2015 H.K.Z - Split

Da habe ich mich schon länger drauf gefreut: MOLOCH mit ihrem dritten Output im dritten Jahr. Es war eine gute Entscheidung, diese Split-10“ mit dem Berliner Duo H.K.Z. (Hate Kill Zerstreu) zu machen, weil die auf einhundert Exemplare limitierte Platte beide Bands von ihren besten Seiten zeigt.

H.K.Z. bieten knackigen Wave, englisch und deutsch vorgetragen, der mir tendenziell sogar sehr gut gefällt, aber durch die Englisch gesungenen Passagen ins Belanglose abrutscht. Und das obwohl mich die deutschsprachigen Parts voll überzeugen! „Auro“ klingt wie eine Mischung aus BOXHAMSTERS, JOY DIVISION und BLUMFELD, es hat Tiefe und Coolness und sorgt für gute Momente. Das zweite Stück von H.K.Z. ist dann allerdings komplett in Englisch gesungen und erreicht mich überhaupt nicht mehr, schade eigentlich…

Rausgeputzt haben sich MOLOCH, die nach zwei Tape-Veröffentlichungen endlich den Schritt ins gelobte Vinylland wagen. Zu hören gibt’s drei neue Songs, die den Wurzeln des Berliner Quartetts treu bleiben, aber kompositorisch wie produktionstechnisch der nächste Schritt nach vorne sind: so gut klangen MOLOCH noch nie! Das betrifft den Sound, meint aber auch die Texte und das Liederschreiben als solches: „Graue Szenen“ demonstriert den offensichtlichsten Unterschied, weil es einen richtig guten Mitgröhlrefrain hat, ohne dabei platt zu sein. Die Texte sind durchgehend politisch und sparen sich jegliche Kryptik: Klartext ist angesagt! Sollte man sich mal Live ansehen… / Marko Fellmann

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