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Review: LAUTER BÄUMEN – Mieser in den Miesen (CD)

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LAUTER BÄUMEN veröffentlichen am 24.02.2017 ihren Longplayer-Einstand „Mieser in die Miesen“, allerdings nur als CD, was in Anbetracht des grassierenden Vinylbooms nicht nachvollziehbar erscheint. Wenn man dann allerdings mal hinter die Kulissen guckt und die Größenordnungen kennt, wird schnell klar, dass Vinyl für neue und unbekannte Bands finanziell ein recht großes Wagnis ist: Musikmachen war schon immer ein Draufzahlgeschäft! Wer könnte das besser wissen, als LAUTER BÄUMEN-Sänger Michael Kolepke, der bereits seit 1996 Tumbleweed Records betreibt und u.a deutschsprachiges wie PECHSAFTHA oder GRAFZAHL direkt gefördert hat?! Gelohnt hat sich das nie und es wird sich wahrscheinlich auch zukünftig nie lohnen. Warum das so ist, hat auch viel damit zu tun, den Produktionsprozess jetzt endlich abschließen zu wollen, wie der Sänger mir schriftlich bestätigt: „Das einstmals geliebte Format Vinyl ist mir gerade egal. Die Presswerke brauchen Ewigkeiten und dreißigjährige Hipsterluschen gehen mir mit ihrem Vinyltick auf den Sack. Klar kaufe ich selber Vinyl. Aber es ist für die Massenverteilung nicht geeignet. Tausend Gedanken dazu. Irgendwie ist jetzt gerade für uns die CD das gewesen, was die Kassette früher war. Schnell hergestellt. Preiswert.“

Dass diese Platte fertig ist, gleicht eh einem Wunder! Bereits 2010 fingen die Aufnahmen in der Troisdorfer bLUbOX mit Schlagzeuger Carlo Palazzari und Bassist Luca Palazzari an. Als Produzent Guido Lucas 2012 von Studiobesitzer Ralf Rock nach Mönchengladbach gelockt wurde, kamen über die Jahre noch Nadine Davids Keyboards und Kolepkes Gitarren und Gesang dazu, aufgenommen, abgemischt und gemastert in den Stöhrsound-Studios. Das zog sich bis 2016 und ich frage mich, wie man so was dann eigentlich abrechnet? „Die Produktion im Studio war für alle Beteiligten eine Art Grenzerfahrung. Ich bin schier verzweifelt an meiner eigenen musikalischen Vision!“, schreibt Kolepke mir im Halbschlaf.

In seiner nervösen und hyperaktiven Ausstrahlung legt Kolepke auf „Mieser in den Miesen“ ein biografisches Vermächtnis vor, dass gerade wegen seiner Schrägheit direkt ins Herz geht. Der Opener „Bessere Zeiten klingt gut“ handelt vom letzten Umzug der Mutter, während „Hans“ dem Vater ein musikalisches Denkmal setzt. Seine geduldigen Mitmusiker pushen Kolepkes ADHS-Geplapper mit eingängigen Indiependentarrangements, die Lebensfreude und Liebe ausstrahlen. LAUTER BÄUMEN gelingt der schönste Soundtrack für die beschissenste Jahreszeit und vor allem für die beschissenste Lebenszeit, für und gegen den öffentlichen wie privaten Selbstbeschiss und wie bereits beim Doppel-7“ Debüt „Ganz weit im Weiß“ eher auf dem Seitenstreifen schleichend als auf der linken Spur hechelnd. / Marko Fellmann

tumbleweed // 45:25 // lauterbaeumen

Review: Stöhr Sound – This is Wetschewell! (Video)

Stöhr Sound

Stöhr Sound – This is Wetschewell! Finest Noise since 2013! To be continued!

In einem der entlegensten Winkel in Mönchengladbach hat sich Guido Lucas mit seinem Blubox-Tonstudio nebst Blunoise-Label nieder gelassen. Hier zelebriert er seit Mai 2013 monatlich zusammen mit Kompagnon Ralf J.Rock ein nicht-öffentliches Spektakel, das bLUnOISE-Fest, zu welchem neue, innovative Bands eingeladen werden. Das Spektrum soll sich nicht auf ein Genre begrenzen, sondern versteht sich als Forum für Entdecker und Liebhaber.

Das Ganze findet auf Spendenbasis statt und lebt vom Miteinander. Die Atmosphäre ist freundlich, familiär und hat einen ganz, ganz hohen Wohlfühlfaktor: der Konzertraum beim Stöhr Sound ist komplett schwarz abgehangen und mit Teppichboden ausgelegt. Das hier sind ein paar Eindrücke, die unser Freund Olli gefilmt und editiert hat. Gabs 2014 als Weihnachtsgeschenk von Ralf an eine Handvoll Stammbesucher! Hier gehts zu diesem Video!

Review: KASABLANKA – Kaputt (LP)

Kasablanka 2015 Kaputt

Ich hab´ alles kaputt gemacht und mit Rot nochmal korrigiert.“ Ich weiß, was sie jetzt denken und sie haben Recht! Vielleicht wäre es klüger gewesen einfach zu Hause zu bleiben und die Wunden zu lecken, die das Leben einem nun einmal beschert: Stillstand, Deppen, Arschgesichter sind alles, was man kriegt! Stattdessen treffen sich drei junge Menschen regelmäßig im Kölner Proberaum und fabrizieren Lieder über die Beschissenheit der Dinge, dem Morgen nach der wildesten Nacht und dem Tag vor dem einsamsten Abend: „Wenn hier jetzt alles gut ist, warum lächelst du dann nicht?!“. O.k. das sind alles irgendwie Beziehungstexte, von Liebesliedern sollte man in dem Zusammenhang wirklich nicht sprechen, wohl eher von rausgerotzter Psychohygiene, halb wund, halb vernarbt: selbst schuld, wenn man ständig den Schorf abknibbelt!

Kaputt“ ist das Vinyl-Debüt dieses neuen Kölner Trios: acht Lieder aufgenommen von Guido Lucas in der Mönchengladbacher bLUbOX. Stark verspätet veröffentlicht, da über die Bandcamp-Seite noch Geldspender gesucht und gefunden wurden. Jetzt gibt es die Platte zu kaufen und man kann davon ausgehen, dass die 300er-Auflage schnell vergriffen sein wird. Nämlich weil sich KASABLANKA mit diesen acht Liedern genau in die Schnittstelle zwischen CAPTAIN PLANET, KRAWEHL, GIULIO GALAXIS und TURBOSTAAT platzieren, oder lassen sie es mich mit der aktuellen Headline einer obsoleten Musikzeitschrift sagen: Punk lebt! / Marko Fellmann

random-events-in-a-dying-universe // 27:33 // kasablanka

Oder direkt bestellen per Mail: random-events.dying-universe@hotmail.com

Review: DIE STRAFE – Krunk (LP)

Die Strafe 2015 Krunk

Beim Releasekonzert gekauft, am Tag darauf direkt gehört, geil gefunden, danach vergessen, was darüber zu schreiben. „Krunk“ ist eine fantastische Platte, deren Gesamtaussage sich tief in meine Seele gebohrt hat. Das hat viel mit den Texten zu tun, weniger mit der Musik, ohne diese schlecht reden zu wollen: die Vielfalt der Arrangements spiegelt die Musikgeschmäcker des Mönchengladbacher Trios und macht die Sache abwechslungsreich und somit auch irgendwie unterhaltsam. Aufgenommen wurde in den bLUbOX und Stöhrsound Studios in Mönchengladbach, bereits vor knapp einem Jahr.

13%“ ist ein archetypischer Punkrocksong: kritisch im Geist, existenziell in der Thematik und trotzdem oder erst recht deswegen mitsingbar. „Entschuldigen Sie“ hat das Zeug zum Mitgröhlklassiker und lockert die ansonsten düstere Atmosphäre des Albums deutlich. „N.O.T.“ erinnert total an EA80, wohingegen „Stück für Stück“ und „Schmeiß doch“ ziemlich DIE ÄRZTE-mäßig klingen: beide Songs sind absolute Highlights der Platte. Sehr stark sind die Situationen, in denen der zweite Gesang aus dem Hintergrund tritt und gleichberechtigt neben der Hauptstimme steht. „Fensterbank“ ist da ein gutes Beispiel, aber in Perfektion wird das in „Himmel hilft nicht“ umgesetzt: der absolute Hit, noch nie klangen DIE STRAFE so gut! Der Titelsong „Krunk“ kracht mit Rekordgeschwindigkeitsgesang an einem vorbei und „Wir werden alle sterben“ fräst sich sofort ins ewige Lagerfeuersongbook.

Krunk“ erscheint als LP in schwarz, limitiert in weiß (jeweils mit Downloadcode) und als CD mit 20seitigem Booklet exklusiv bei majorlabel, die somit das coolste Label des Monats Januar sind! / Marko Fellmann

majorlabel // 37:26 // diestrafe //

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