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EA80

Review: PANIKRAUM – Kopfkino (LP)

Panikraum 2018 Kopfkino

Da ist sie endlich! Sie hat etwas länger gebraucht, um sich hübsch zu machen, aber die Arbeit hat sich gelohnt. PANIKRAUM veröffentlichen zum Einstand eine reguläre Langspielplatte mit vierzehn deutschsprachigen Liedern, angesiedelt zwischen Mönchengladbacher Schule und Punkrock, wobei die Betonung auf Rock liegt. Es sind die vierzehn Lieder, die bereits auf den zurückliegenden Konzerten der letzten zwei Jahre gespielt wurden und die Sänger/Gitarrist Alexander gelegentlich sogar als DER KLEINE PANIKRAUM, alleine mit Gitarre, präsentiert. Natürlich kennt man Alex aka. Budde Strafe von seiner anderen Band DIE STRAFE bereits als Sänger und Musiker: er ist der, der so enorm nach dem EA80-Sänger klingt und das auch ziemlich gut macht. Auf „Kopfkino“ hingegen findet Alex seine eigene Stimme und lässt also auch andere Einflüsse zu.

Zuerst war da ein biografischer Nullpunkt der aus einem Beziehungsende erwuchs und textlich abgearbeitet werden wollte. Dann kamen die ersten Versuche mit verschiedenen Musikern, bis sich 2017 eine feste Besetzung etablierte. Von da an wurden kontinuierlich Konzerte gespielt und außerdem vierzehn Lieder produziert. „Kopfkino“ wurde im Laufe des Jahres 2017 im Stöhr Sound-Studio von Ralf Rock aufgenommen, gemixt und gemastert. Ralf gehört wie Guido Lucas zur Gründungsbesetzung von PANIKRAUM, aber inzwischen haben Markus (Gitarre), Jasper (Bass) und Nico (Schlagzeug) das Ruder übernommen und liefern gnadenlos gut ab. Nicos Schlagzeugspiel swingt, ohne sich aufzudrängen, während Jaspers simpel groovender Bass die Ebenen Rhythmus und Harmonie verbindet und den Sicherheitsschirm für die beiden Gitarren aufspannt. Kompositorisch dominieren hier klassische Songschemata, ohne viel Drumherum wie Gitarrensoli oder lange Instrumentalpassagen: es geht hier um Songs!

Unbekannt“ ist ein Mutmacherlied mit Aktivierungspotenzial. „Feuer“ bietet den Blick in den Spiegel und pendelt zwischen Nostalgie und Motivation. „Garten“ geht sofort ins Ohr und beschreibt ein Beziehungsende ohne Happy-End. „Folge mir“ ist ein Liebeslied im klassisch-melodischen Punkrockformat. „Meinung Macht“ dreht sich um unkritischen Nachrichtenkonsum („Meinung wird nicht gebildet, sie wird nur erdacht, um unsere Ängste zu schüren, denn wer den Hebel hat, hat auch die Macht!“) und überrascht mit einem völlig unpunkigen Hard-Rock-Intro. „Zwei Wege“ handelt von den Unsicherheiten, die einem das Leben so bietet. „Nie Wieder“ hat eine ganz besondere Atmosphäre und das Potential sich zur antifaschistischen Hymne zu entwickeln: was für ein schönes und ausuferndes Ende für die A-Seite! „Nicht Sein“ dreht sich um Selbstbestimmung, „Zu spät für was“ um Neuanfang und „Flucht und Verzicht“ um Empathie. Überhaupt muss man sagen, dass in den Texten zwar viele traurige Beobachtungen beschrieben werden, aber andererseits transportieren die Aussagen auch eine Menge Hoffnung und leisten Überzeugungsarbeit, sich nicht zu verlieren und aufzugeben, sondern Dinge zu akzeptieren und weiter zu machen. All das folgt einem roten Faden und spiegelt das „Kopfkino“ Stand 2016/2017: Insider behaupten, es gäbe bereits das nächste Dutzend fertiger Songs! Die schwarze LP enthält Downloadcode, Textbeilage und hat ein 350g/m² Cover. Das Coverdesign ist außerordentlich! Die Widmung berührt! Und übrigens gab es auch eine auf 99 Exemplare limitierte violett/marmorierte Farbvinyledition! Zu spät, bzw. viel Glück an alle Sammler! / Marko Fellmann

majorlabel // 45:44 // panikraum

Review: EA80 – Definitiv: Ja! (LP)

EA80 2017 Definitiv Ja

Spiegelungen waren schon immer ein gängiges rhetorisches Stilmittel, um Lyrik zu formalisieren. Übertragen auf das Gesamtkonzept der neuesten EA80-Veröffentlichung kann man vermuten, dass „Definitiv: Ja!“ die Klammer schließt, die „Definitiv: Nein!“ geöffnet hat und die sich musikalisch bereits 2007 mit „Reise“ angedeutet hat. Die Texte handeln von Abschied, Flucht und Vergänglichkeit, nicht so sehr von Lebensbejahung, wie es der Titel suggeriert. Allerdings ist die Platte zum Zeitpunkt dieses Reviews noch gar nicht erschienen, sondern momentan nur vorab als „Deluxe Version Düsseldorf 25.3.2017“ auf den letzten Konzerten zu kaufen gewesen (mit CD, Textblatt und in zehn verschiedenen Covervariationen). Das offizielle Release konnten sich Major Label sichern (erscheint demnächst), die ja bereits in den letzten Jahren feine Reissues des vergriffenen EA80-Backkatalogs veröffentlicht haben.

Die Musik auf „Definitiv: Ja!“ ist deutlich anders als beim 2011er-Vorgänger. Die Band traut sich mehr zu und hat einen Haufen toller Ideen, die bereits im Frühherbst 2016 im Werner Wiese-Studio/Werne aufgenommen wurden. Und es ist übrigens auch das erste Album mit fast komplett neuem Equipment, nachdem der Band nach einem Konzert in 2014 ja ein Großteil der Musikausrüstung geklaut wurde. Das Gitarrenintro beim Opener „Ramputage“ knirscht wie eine Verballhornung der „Fort von Krank“-Gitarre, aber wir haben es hier nicht mit einem Abklatsch zu tun, sondern mit einer Zusammenfassung. Das spezielle Musikarrangement bei „November“ sucht sein Pendant im deutschsprachigen Punk und sorgt dafür, dass man sich nicht unangenehm an andere Musik erinnert fühlt, die Quellenangaben und Einflüsse interessieren nicht. Ähnliches gilt für „Souveniershop“, welches die erste Seite mit viel Raum auf dem Schlagzeug beendet und dessen lang gezogenes „Erlöse mich“ von Junge gequält bis entfesselt gesungen wird. EA80 haben sich über die letzten zehn Jahre eine verschlossene Zugänglichkeit erarbeitet, die sich zwischen gängigen Songstrukturen und wilden Musikausschweifungen positioniert. Sänger Junge jongliert genau mit diesen Elementen auch in seinem ganz eigenem Bühnenausdruck zwischen moderaten Ansagen und explosiven Wutausbrüchen. Man muss diesen Typen einfach ernst nehmen! Der Instrumentalpart als Soloersatz vor der dritten Strophe bei „Alte Schule England“ verdeutlicht die musikalische Kraft, die die Musik von EA80 hat. Junges präzise Rhythmusgitarre, Mauls anachronistische Melodiegitarre, Oddels mächtige Basslinie und Nicos facettenreiches Schlagzeugspiel machen „Alte Schule England“ vielleicht zum „Hit“ der Platte. Der Refrain ist so oldschoolig, es ist herrlich! Danach dann „Definitiv: Ja!“, dass live dargeboten mehr Häme und Spott rausrotzt, als „Definitiv: Nein!“ das je könnte. Das Originalthema wird dabei nicht Eins-zu-Eins kopiert, sondern ideenreich variiert. „Schlusslicht“ beginnt mit ruhigem Refrain, steigert sich kontinuierlich, wird dramatisch, holt zwischendurch Luft, nimmt neuen Anlauf und endet mit lautem Refrain. Mit einem melancholischen Zwei-Akkorde-Song endet die Reise ans „Ende meiner Tage“ (aus „Mantra (für einen schlechten Tag)“) und belegt eindrucksvoll: Das M in Mönchengladbach steht für Manchester! / Marko Fellmann

majorlabel // 42:01 // EA80

Review: DIE STRAFE – Krunk (LP)

Die Strafe 2015 Krunk

Beim Releasekonzert gekauft, am Tag darauf direkt gehört, geil gefunden, danach vergessen, was darüber zu schreiben. „Krunk“ ist eine fantastische Platte, deren Gesamtaussage sich tief in meine Seele gebohrt hat. Das hat viel mit den Texten zu tun, weniger mit der Musik, ohne diese schlecht reden zu wollen: die Vielfalt der Arrangements spiegelt die Musikgeschmäcker des Mönchengladbacher Trios und macht die Sache abwechslungsreich und somit auch irgendwie unterhaltsam. Aufgenommen wurde in den bLUbOX und Stöhrsound Studios in Mönchengladbach, bereits vor knapp einem Jahr.

13%“ ist ein archetypischer Punkrocksong: kritisch im Geist, existenziell in der Thematik und trotzdem oder erst recht deswegen mitsingbar. „Entschuldigen Sie“ hat das Zeug zum Mitgröhlklassiker und lockert die ansonsten düstere Atmosphäre des Albums deutlich. „N.O.T.“ erinnert total an EA80, wohingegen „Stück für Stück“ und „Schmeiß doch“ ziemlich DIE ÄRZTE-mäßig klingen: beide Songs sind absolute Highlights der Platte. Sehr stark sind die Situationen, in denen der zweite Gesang aus dem Hintergrund tritt und gleichberechtigt neben der Hauptstimme steht. „Fensterbank“ ist da ein gutes Beispiel, aber in Perfektion wird das in „Himmel hilft nicht“ umgesetzt: der absolute Hit, noch nie klangen DIE STRAFE so gut! Der Titelsong „Krunk“ kracht mit Rekordgeschwindigkeitsgesang an einem vorbei und „Wir werden alle sterben“ fräst sich sofort ins ewige Lagerfeuersongbook.

Krunk“ erscheint als LP in schwarz, limitiert in weiß (jeweils mit Downloadcode) und als CD mit 20seitigem Booklet exklusiv bei majorlabel, die somit das coolste Label des Monats Januar sind! / Marko Fellmann

majorlabel // 37:26 // diestrafe //

Review: KLOTZS – Hinweis in eigener Sache (LP)

Klotzs 2015 Hinweis in eigener Sache

Freude schöner Götterfunken! KLOTZS liefern ab und veröffentlichen die vielleicht besten Songs ihres bisherigen Schaffens. Es ist der vierte Longplayer des Siegener Duos und es ist wieder eine Konzeptplatte geworden. Das erste Lied „Hinweis in eigener Sache“ ist in seiner punktierten Vertracktheit schräg genug, um ein guter KLOTZS-Opener zu sein. Und es ist ein Mutmachersong, vielleicht sogar ein Anti-Schreibblockade-Song. „Herr Z“ ist eine Instrumentalnummer, die eine Atmosphäre hat, die mich mitunter an das Vorgängeralbum „Schwarzer Planet“ erinnert; hätte da jedenfalls gut drauf gepasst, hat was spaciges, oder meinetwegen RADIOHEADiges. „Blender“ punkrockt rabiat alles weg, was im Weg steht und der Sambateil ist der Wahnsinn, einfach unglaublich gut. „Hausboot“ erinnert an das 2001er-Album „M“, an die ruhigen Momente und das Drängende der schnellen Nummern, die dich nieder wälzen, wenn du die Platte laut hörst.

Nachtschwärmer“ ist der pure Hit! Großartiger Groove, versunkene Gesangslinie mit formal und inhaltlich starkem Text („Wir kleiden uns in Dunkelheit, die Nacht bricht an, wir sind bereit, für alles was geschehen mag, ein Leben für die Nacht“), seltsame Gitarreneffekte im Hintergrund, fast schon disharmonisch, spaciger Synthesizer und nach dem lauten Refrain wieder zurück in den Groove, das ist alles wahnsinnig stark! „M.I.A.“ (a.k.a. „Meine innere Abscheu“) ist ein wahnsinniges Rock´n Roll-Brett, das wird Live mörderisch abgehen! Wer macht denn da die zweite Stimme im Mittelteil? Bei den ersten Takten von „Reklusen“ denke ich unmittelbar an BLUMFELD, auch wenn das dann ab der ersten Strophe spätestens nicht mehr gilt. Wieder ein Befindlichkeitstext „Ich zieh´ die Kopfhörer auf, ich schotte mich ab: Welt lass mich in Ruh`!“ „Zirkeltraining“ lebt durch seine komplette Andersartigkeit, klingt wie ein Remix, ist total interessant und befremdlich mechanisch. Die LP erscheint bei Major Label auf farbigem Vinyl limitiert, ansonsten in schwarz, mit einem Schlitzcover, Textblatt und Downloadlink. / Marko Fellmann

majorlabel.de

EA80 – Zakk, Düsseldorf, 2015-07-03

Altersvorsorgetag im Zakk! Einer der heißesten Tage dieses Jahres und ich geh´ auf´n Konzert… Warum tu ich mir so was an? Mein Körper sehnt sich nach einem kühlen Lüftchen, einer erfrischenden Brise, irgendeiner Kühlmöglichkeit, gerne auch einem Kühlschrank, aber nein: ich geh auf´n Konzert! Aus Solidarität? EA80 spielen an diesem Abend ein „Solikonzert in eigener Sache“. Am 22.11.2014 kam es nach einem Einbruch im Alten Kolpinghaus in Mönchengladbach, zum Diebstahl von Gitarren, Verstärkern und Effektgeräten. Die Diebe hinterließen einen verwüsteten Veranstaltungsraum: das von ihnen versprühte Feuerlöschpulver verdreckte den Veranstaltungsraum bis in die letzte Ritze und sorgte für einen Sachschaden in vierstelliger Höhe, der nicht in jedem Fall durch Versicherungen gedeckt war. Zwischenzeitlich besitzen die Musiker neues Equipment, nur Nico besitzt sein altes Drumset noch, da er es nach dem damaligen Auftritt direkt im Auto eines Freundes verstaut hatte.

Es sind so 500-600 Leute, schwer zu sagen, da auch während des Konzerts (wie leider viel zu oft) Leute auf der Straße, bzw. im Biergarten sitzen. Tatsächlich sind die Luftverhältnisse während des Konzertes vollkommen ertragbar, gut für Bassist Oddel, der vom ersten bis zum letzten Lied komplett verschleiert auftritt. Relativ am Anfang manifestiert „Fliegen“ seinen Ausnahmestatus und wird originalgetreu brachial vorgetragen: ein absoluter Höhepunkt, der dieses Konzert magisch werden lässt. Schade, dass Stammmischer Bolle nicht da ist, so müssen die Zuschauer ziemlich textsicher sein, den Gesang kann man nämlich leider kaum verstehen. Nach einer Dreiviertelstunde geht es in die Pause, die viele dazu nutzen, um am Plattenstand die „aktuelle“ Single „Gladbach soll brennen“ abzugreifen – für 25€! Aus Solidarität? Nee, wohl eher aus Altersvorsorgegründen. Diese 7“ ist wie der magische Ring, in dessen Nähe jeder nur noch an sich selber denkt. So mancher kauft mehrere und wird sie bei passender Gelegenheit weiter verkaufen. Seit ich das Ding habe, frag´ ich mich: verkaufen oder auflegen? Verkaufen oder auflegen?

Beim zweiten Set dauert es drei Stücke, bis der Saal wieder so voll ist, wie zuvor, was irgendwie ´ne harte Nummer ist. Nichts für Weicheier ist außerdem die Pogozone vor der Bühne, aus der mir und Robert Bahr irgendwann Philip Nußbaum freudestrahlend entgegen torkelt: „Ich hab´ mit Martin gepogt!“, sabbert es mir schweißüberströmt entgegen und ich gratuliere ihm: er ist ein Held! „200 Meter und danach“ beendet das reguläre Konzert und man ahnt nicht Schlimmes, aber da entern DIE STRAFE die Bühne und spielen ein neues Stück ihres gerade fertig aufgenommen Albums: was will man mehr!? Zur Rückreise möchte ich euch abschließend noch folgende Empfehlung aussprechen: wenn jemand sagt „Roman kennt den Weg!“, verlasst euch nicht drauf, sondern erforscht eure Gefühle! / Marko Fellmann

2015-07-03 EA80 Düsseldorf Zakk 01

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