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Elfenart Records

Review: EIN GUTES PFERD – Zwischen den Zeilen ist noch Platz (LP)

2016-11-11-ein-gutes-pferd-zwischen-den-zeilen-ist-noch-platz-lp

Hüüaahh! EIN GUTES PFERD lassen heute die Sektkorken knallen und feiern die Veröffentlichung ihrer ersten LP „Zwischen den Zeilen ist noch Platz“! Aber was macht der Jockey, wenn das Pferd nicht pariert? Besser mal die Hufe schwingen!

Edel kommt die Platte daher! Vierfarbiges Gatefold mit einem super Artwork und abgedruckten Texten im Klappcover. Das Vinyl ist dreckig transparent, im Farbton nah am Artwork: verdammt hübsch das alles! Man legt die Platte auf, die Hi-Hat zählt an und die Band steigt ein: bei „Scheinwerferaugen“ denkt man sofort an Klassenkameraden wie FREIBURG und DISCO//OSLO, heißt also, alles o.k.! Dann erklingt Sänger Aaron in typisch sympathisch-angepisster Manier: um Matrosen dreht sich der Text und um deren misanthropischen Käpt´n. Mmmh. In meinem Leben sind gerade andere Themen aktuell und auch im Zuge des mehrmaligen Hörens findet zwischen dem, was Aaron mir da sagen will und dem, was mich aktuell emotional berührt, kein Transfer statt. Und so zieht sich das dann durch das ganze Album. Haufenweise offene Lyrik, die ja eigentlich gar nicht so verkehrt ist, aber was hier vergessen wurde, ist der Umstand, dass Reime in Musik ja durchaus eine gewisse Zugänglichkeit erzeugen. Kryptik hin – Kryptik her!

Gut, man muss ja nicht reimen, es geht natürlich auch anders, das haben schon viele andere Bands und auch EIN GUTES PFERD mehrfach bewiesen. Aber die gut eingespielte Musik wird hier mit den Texten so dermaßen zugekleistert, dass zwischen den Zeilen in Wirklichkeit leider kein Platz mehr bleibt. Wenn ich einen Song wie „Schalldämpfer“ separat anhöre, überzeugt mich die Power, die diese Band mit diesem Sänger erzeugt, absolut. Aber wenn ich die ganze Platte am Stück höre, verkehrt sich das und nervt. Denn die Metrik der Texte passt nicht wirklich auf die Musik – es ist, als seien das alles vertonte Gedichte, bei denen man schon mal ein Auge zudrückt, wenn das Tempo etwas holpert („Fratze“), weil der Text nämlich in die Musik reingequetscht wird, anstatt sich einfach darauf zu legen und mittreiben zu lassen. Das hieße natürlich, man müsste den Textanteil reduzieren. Hinzu kommt, dass die Aufnahmen in zwei verschiedenen Berliner Studios vonstatten gingen: die Musik wurde in der Tonbrauerei aufgenommen und die Vocals bei Audio Machinery, beides renommierte Adressen. Klar, das machen viele Bands so, das ist gang und gäbe. Aber die 2015er-EP „Robotertauben“ fand ich zugänglich, hitverdächtig und auf den Punkt. Hingegen empfinde ich „Zwischen den Zeilen ist noch Platz“ als Rückschritt! / Marko Fellmann

bakraufarfita // elfenart // riotbikerecords // 29:02 // eingutespferd

11.11.2016 Cottbus, Chekov (mit Elmar)
12.11.2016 Berlin, Schokoladen (mit Nord)
18.11.2016 Mainz, Haus Mainusch (mit Elmar und Kuballa)
19.11.2016 t.b.a.
02.12.2016 Leipzig, Atari (mit Freiburg und Elmar)
03.12.2016 Zittau, Emil (mit Robinson Krause und Killer Jiller)
09.12.2016 Braunschweig, B58 (mit Captain Planet und GRMM)
10.12.2016 Lübeck, VEB (mit Notgemeinschaft Peter Pan)

Review: MOLOCH – Fragmente (LP)

2016-11-11-moloch-fragmente-lp

Na also, wird doch: MOLOCH steigern sich kontinuierlich! Zum Einstand gab es Tapes, als Übergang eine Split-10“ und jetzt also die erste vollwertige LP „Fragmente“. Die beginnt instrumental und macht sofort die Weiterentwicklung des Berliner Quartetts deutlich. Aufgenommen wurde nämlich im Berliner KinskiNoize-Studio, übrigens bereits im September 2015, kurz bevor Gitarrist/Sänger Benni und seine Frau für ein Jahr nach Finnland zogen (hierzu gibt es Benni´s äußerst interessanten Bericht im aktuellen Trust). Der Sound und die Gesamtproduktion von „Fragmente“ sind deutlich besser als bei den bisherigen Veröffentlichungen, hinzu kommt, dass die Songs wie ein ICE an einem vorbei rauschen: alle 16 Lieder sind unter zwei Minuten!

Menschfunktion“ gab es bereits auf der Split mit H.K.Z. (2015), damals lediglich mit Gitarre und Gesang, jetzt steigt die Band mit ein. Der Titelsong „Fragmente“ dreht sich um unkritisches Konsumverhalten und bietet musikalisch eine gewisse Schrägheit gepaart mit hasserfülltem Gesang, erinnert mich wie einiges auf diesem Album ein wenig an EA80. Das hat viel mit dem Druck zu tun, den Dirk (der neue Bassist) und Simon (Schlagzeug) mit ihren Instrumenten erzeugen. „Automat“ und „Wein Doch“ gehen fließend ineinander über: würde man das sehr hübsch aufgemachte DIN A5-Textheft nicht lesen, fiele es einem nicht auf. „Nur ein Traum“ (einer von sieben Songs die von Gitarrist Ollie gesungen werden) handelt von Freundschaften, die sich über die Jahre geändert haben und bei der „Irrlicht“ singen Ralf und Andreas von TISCHLEREI LISCHITZKI. Absolution“ bietet ein packendes Ende: „Nichts ist vergeben, fast alles ist vergessen, vor dem Gefressen-Werden kommt das Fressen“. Starke Platte! / Marko Fellmann

randomeventsinadyinguniverse // elfenart // 24:43 // moloch

11.11. Dresden, L33 (+ Litbarski/OnOnOn u.a.), 12.11. Frankfurt, Verbündungshaus fforst
18.11. Hannover, Monster Records (+ Litbarski)
19.11. Magdeburg, Libertäres Zentrum (+ Litbarski)

Review: LITBARSKI – s/t (EP)

2016-09-11-litbarski-s-t-ep

Wer hätte das gedacht? Ex-WELTRAUMSCHROTT-Chrischan überrascht aus der Tiefe des Raums wie einst Netzer. Das Ganze heißt allerdings LITBARSKI und hat mit Fußball wirklich gar nichts zu tun. Mit OMA HANS hingegen verbindet die drei Berliner nicht nur das Artwork, sondern auch der Gesangsstil. Wobei ich sagen muss, dass meine erste Assoziation KARMACOPTER war: guter Tip, zumal Van Dante hier gemixt und gemastert hat. Post-Hardcore mit deutschsprachigen Texten, die beschreiben, was sich beobachten lässt, im Privaten wie im Öffentlichen.

Hedwig“ porträtiert eine alte Dame („Was sie eigentlich will, dass man an sie denkt!“), musikalisch punkrockend mit ein bisschen Drama. „Piz Palü“ schließt ergänzend ab, was thematisch zum Lebensende passt („Wo die Alten nichts erzählen von alten Tagen oder Krieg.“). Melodisch wird es dann bei „Der große Shannon“, dass mit dem wiederholten „Sie warten nicht auf dich!“ Wiedererkennungswerte schafft. „Für Else“ eröffnet die B-Seite schwer groovend und positioniert sich fast schon resignierend („Deine verdammte deutsche Butter nimmt dir niemand vom Brot!“), wäre da nicht der Zorn des Sängers, der jede Zeile raus spuckt, als seien es Giftpfeile. Die Instrumentalnummer „Rumstehen 2000“ ist das kürzeste Stück der Platte, während „Rochelle Rochelle“ die Mini-LP mit einem wiederholten „Ich und meine Freunde!“ versöhnlich ausklingen lässt. Prima Debüt! / Marko Fellmann

elfenart records // 15:01 // litbarski

LITBARSKI auf Tour:

2016-09-30 Berlin

2016-10-01 Halle

2016-10-02 Brunswick

2016-10-07 Hamburg

2016-10-08 Rotenburg

2016-10-28 Köln

2016-10-29 Mönchengladbach

Review: PARANOYA – Fragmente (LP)

Paranoya 2015 Fragmente

Es gibt Bands, die man, warum auch immer, jahrelang ignoriert: die huschen so an einem vorbei und irgendwie hat man die schon mal wahrgenommen, auf Plakaten, im Internet oder in einem Fanzine. PARANOYA haben sich 1994 in Hamm gegründet und leben inzwischen teilweise in Duisburg. Sie kommen auf über 200 Konzerte und legen aktuell ihre 8.Veröffentlichung „Fragmente“ vor, komplett Live eingespielt! Die Verpackung ist einfach nur edel: Gatefold-Cover mit innen gedruckten Texten, einem feinen Artwork und einem Beiblatt mit zwei sehr schönen Shortstories von Philip Nußbaum. Außerdem liegen noch die CD-Variante und ein Poster bei: dies alles wurde natürlich nur dank der Beteiligung von insgesamt fünf DIY-Labels möglich.

Das Album beginnt mit „Ahnen“ in Surfgitarrenmanier und wird dann schnell zu Punkrock der klassischen Deutschpunkschule. Allerdings spielen PARANOYA einen bunten Mix aus verschiedenen Punkrockstilen, vorgetragen mit einer zischenden Rhetorik zwischen Selbstzweifeln und zweifelhaften Erkenntnissen: das hier ist nicht Disney! „Disney“ wurde vollkommen zu Recht als erstes Video ausgewählt: treibender Rhythmus, einfacher Refrain, guter Text! Überhaupt muss man sagen: Hendriks Texte machen das Ganze dann wiedererkennbarer, als die Musik das jeh könnte. Wegen der Vielfalt im Programm, fehlt für komplizierte Menschen wie mich der rote Faden. „Bitter“ gefällt mir ziemlich gut und bei „Stampfer“ erklingen wieder surfartige Klänge, bevor es auch hier (analog zum Opener) wieder in ein klassisches Punkrockschema rein geht: dies alles allerdings instrumental, was bei Konzerten Luft zum Atmen lässt, macht für mich im Kontext der Platte kaum Sinn. „Funktion“ kommt mit atmosphärischen Drums und gesungener Gesellschaftskritik. „Hoffnung = Licht“ beendet das Album atmosphärisch düster mit Schlagzeug-Outro. Ist insgesamt alles nichts Neues, weiß aber zu gefallen und wird fortan weiter beobachtet. / Marko Fellmann

elfenart.de // 40:17 // paranoya //

Review: MOLOCH / H.K.Z. (Split-10“)

Moloch 2015 H.K.Z - Split

Da habe ich mich schon länger drauf gefreut: MOLOCH mit ihrem dritten Output im dritten Jahr. Es war eine gute Entscheidung, diese Split-10“ mit dem Berliner Duo H.K.Z. (Hate Kill Zerstreu) zu machen, weil die auf einhundert Exemplare limitierte Platte beide Bands von ihren besten Seiten zeigt.

H.K.Z. bieten knackigen Wave, englisch und deutsch vorgetragen, der mir tendenziell sogar sehr gut gefällt, aber durch die Englisch gesungenen Passagen ins Belanglose abrutscht. Und das obwohl mich die deutschsprachigen Parts voll überzeugen! „Auro“ klingt wie eine Mischung aus BOXHAMSTERS, JOY DIVISION und BLUMFELD, es hat Tiefe und Coolness und sorgt für gute Momente. Das zweite Stück von H.K.Z. ist dann allerdings komplett in Englisch gesungen und erreicht mich überhaupt nicht mehr, schade eigentlich…

Rausgeputzt haben sich MOLOCH, die nach zwei Tape-Veröffentlichungen endlich den Schritt ins gelobte Vinylland wagen. Zu hören gibt’s drei neue Songs, die den Wurzeln des Berliner Quartetts treu bleiben, aber kompositorisch wie produktionstechnisch der nächste Schritt nach vorne sind: so gut klangen MOLOCH noch nie! Das betrifft den Sound, meint aber auch die Texte und das Liederschreiben als solches: „Graue Szenen“ demonstriert den offensichtlichsten Unterschied, weil es einen richtig guten Mitgröhlrefrain hat, ohne dabei platt zu sein. Die Texte sind durchgehend politisch und sparen sich jegliche Kryptik: Klartext ist angesagt! Sollte man sich mal Live ansehen… / Marko Fellmann

elfenart.de
random-events-in-a-dying-universe.bandcamp.com

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