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Review: PETER MUFFIN – Ich und meine 1000 Freunde (LP)

Peter Muffin 2017 Ich und meine 1000 Freunde

Die Ansprüche und Erwartungshaltungen sind hoch, wenn man im Noisebereich Stuttgart erwähnt. DIE NERVEN haben sich im Laufe der letzten sechs Jahre ihr komplett eigenes akustisches Netzwerk erschaffen und scheißen auf Ansprüche und Erwartungshaltungen: deren kontinuierlicher Output wird seither ergänzt durch Kollaborationen mit befreundeten Musikern, sogenannten Seitenprojekten, die aber vollkommen eigenständig agieren.

PETER MUFFIN ist Julian Knoth an allen Instrumenten! „Ich und meine 1000 Freunde“ ist seine erste LP, obwohl der DIE NERVEN-Bassist seit 2011 quasi jährlich virtuell und physisch veröffentlicht hat: mal mit Musikern, mal ohne. Da ging es noch deutlich ruppiger zu als auf der aktuellen Platte. „Ich und meine 1000 Freunde“ erinnert mich atmosphärisch eher an Max Riegers ALL DIESE GEWALT, als an den eigenen Backkatalog. Das hat vielleicht mit der insgesamten Soundästhetik zu tun, die selbstredend wieder von Rieger & Milberg gestaltet wurde. Textlich offenbart uns Julian Knoth Einblicke in sein Innerstes und Äußerstes, in aller Diskrepanz zwischen Authentizität und öffentlicher Wahrnehmung. Die unsauber eingespielte Introgitarre beim Albumopener „Es zieht vorbei“ irritiert und ärgert mich, weil sie einen akustischen Stacheldraht ausrollt, der die eigentlich offenen Türen verbarrikadiert. Diese offenen Türen laden den Hörer ein näher zu treten und teilzuhaben, während die Texte hingegen nichts versprechen, geschweige denn erklären. „Die ganze Nacht schon“ hat so ein wunderschönes flirrendes Gitarrenintro, dass sich anhört als stünde das Aufnahmemikro einen Raum weiter am Ende eines langen Flurs. „Nicht einmal ich“ verbindet die Knothschen Bewusstseinsströme verbal und akustisch, erinnert musikalisch in Gitarre und Bass an RHEINGOLD und HANS EHLERT HAMBURG. Das gilt ebenso für „Hier bleibe ich stehen“. Der schwebende Sprechgesang, der nur selten singt, wird immer wieder durch Zweit- und Drittstimmen ergänzt, ausgeschmückt, collagiert und aber auch konterkariert. Dem DIY-Gott Tribut zollend muss man das Artwork erwähnen: achtzehn verschieden handausgemalte Identitätsangebote mit Pappfigurmentalität, individualisiert, aber austauschbar, wie die verschiedenen Facetten einer Persönlichkeit, die sich ihrer Rollenhaftigkeit bewusst werden. / Marko Fellmann

treibenderteppich // butzen // 22:27 // petermuffin

Review: WE´VE GOT MUSCLES – HÆLLSTRŒM (EP)

Coverartwork_WeVeGotMuscles_EP

Wenn ich WE´VE GOT MUSCLES höre, muss ich immer an mein seit Jahren gekündigtes Visions-Abo denken. Genau solche Musik wurde dort, solang ich mich erinnern kann, monatlich in allen Facetten gefeatured, natürlich auch auf den CD-Beilagen. Da gab es immer eine Menge zu entdecken und das Noiserocktrio WE´VE GOT MUSCLES aus Köln hätte auch eine dieser Entdeckungen sein können.

Jetzt haben wir 2017 und das Instrumental-Trio hat sich seinen Traum erfüllt und die erste EP im Stöhr Sound Studio aufgenommen. Damit verknüpft ist die Idee der reinen Liveaufnahme, allerdings unter Studiobedingungen und ohne Publikum. Produziert wurde „Haellstroem“ an einem Tag Ende März 2017 von Ralf Rock, der bereits in den letzten zwei Jahren notgedrungen den alten bLUnOISE-Kahn weitestgehend ohne Guido Lucas manövrieren musste und schon mehrfach bewiesen hat, was er drauf hat. Lucas´ Beitrag zu „Haellstroem“ lag lediglich im Mastering, dennoch hat der kürzlich verstorbene „Noise-Papst“ in den wenigen Stunden gemeinsamen Tuns bleibenden Eindruck bei den DIY-Nerds von WE´VE GOT MUSCLES hinterlassen. Christian Noacks Gitarre ist verspielt und melodiös, technisch anspruchsvoll und im Sound absolut entdeckenswert. Thomas Gruner liefert am Schlagzeug fundamentale Basisarbeit und Henner Papies aufwendige Bassspielereien dröhnen mächtig aus den Boxen. Die Kompositionen sind allesamt episch, melodisch und vor allem instrumental. Dabei gibt sich die Musik zugänglich, ohne sich anzubiedern, versunken in Dramatik und noisig genug, um schräg zu sein. Die Titel haben Fantasienamen wie z.B. „The Kraken´s Got Tattooed Tentacles“ und die Songs haben in all ihrer Schrägheit eine hitverdächtige Zugänglichkeit. „Haellstroem“ erscheint mit einem feinen Artwork als schwarze 10“ und hat vier Tracks in knapp 20 Minuten. Das alles in einer 500er Auflage über das neue Stöhr Sound-Label. Beim Auftritt direkt neben der Band zu stehen und diese musikalische Kraft zu spüren, war ein beeindruckendes Erlebnis! Wenn man die Platte extrem laut hört, kommt das dem Konzertsound sehr nah! / Marko Fellmann

stöhrsound // 19:31 // wevegotmuscles

Review: MOD VIGIL – s/t (LP)

12inch_Cover_1LP_3mm

Durchgeknallter noisiger Lo-Fi-Garagepunk aus Coburg/Melbourne, der beweist, was alles mit einem 4-Spur-Tascam möglich ist! MOD VIGIL haben sich passenderweise nach einem Medikament gegen Schlafsucht benannt. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, beschleunigter Puls und Schwitzen gehören dummerweise dazu, wenn das zentrale Nervensystem schlapp macht. Aber egal: das australische Trio rockt das Haus und liefert hier in knapp 20 Minuten alles, was das Noiseherz begehrt: Musik zum Kopf an die Wand schlagen auf 45 rpm!

Driving is easy“ ist gefährlich wie eine Autofahrt ohne Bremse. „Deaf Proof“ rotzt die letzte Flüssigkeit aus der Speiseröhre. Trout Casualty“ und Rare Au-Pair“ sind die vermutlich zugänglichsten Stücke, verankert in einer Zwischenwelt aus Wut und Willen, in unmittelbarer Nachbarschaft zu TEN VOLT SHOCK, KIDS OF ZOO und irgendwie auch FUTURE OF THE LEFT. Der Gesang ist immer verzerrt und es gibt nicht einen ruhigen Moment auf dieser auf 300 Exemplare limitierten Platte. In der Tat aufgenommen auf einem 4-Spur-Rekorder im Haus des Sängers, nachträglich noch ein bisschen hübsch aufgemastert. Will ich Live sehen! / Marko Fellmann

X-Mist // 19:47 // Mod Vigil

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