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Review: TELEMARK – input/out (LP)

2016-09-20-telemark-input-out-lp

Zehn Jahre nach dem Debütalbum „Viva Suicide“ und sieben Jahre nach „Informat“ folgt das dritte TELEMARK-Album „input/out“. Mag sich die Musik über die Jahre auch in Details verändert haben, so gelten Max Nuschelers Texte doch als verbindendes Element aller Veröffentlichungen, vorgetragen in einer Mischung aus Sprechgesang und Rumbrüllerei: introspektiv-misanthropische Notizen zu den Übeln dieser Welt.

Jammer Jamma Hey“ eröffnet augenzwinkernd ironisch den Alltagsverarbeitungsreigen und zitiert nebenbei die musikalischen Einflüsse der beteiligten Musiker, so z.B. die 80er-Keyboards (die es auf den früheren Alben nicht gegeben hat), oder überhaupt das „Fütter mein Ego“-Zitat. Dabei bleibt das Grundgerüst aus Schlagzeug, Bass und Gitarre stets im Hier und Jetzt, zitiert bei Bedarf Arrangements aus Post-Punk, Noise-Rock und Alternative-Irgendwas, dies vor allem auch durch die Verwendung eines Synthies. Gerade dieses „Alternative-Irgendwas“ sorgt für eine eindringliche Zugänglichkeit, die sich in drastisch eingängigen Refrains äußert: das „This is not a love song“-Zitat in „Kaputte Köpfe“ ist ein wirklich schlauer Ohrwurm, griffig und sauber arrangiert. „Kopfreiniger“ hat einen ähnlichen Aufbau, Schlagzeug/Bass zu Beginn, leise Strophe, lauter Refrain. Bei „Der Wortort“ swingt und crasht Björn Möhlendick sein Schlagzeug bewegungsfreudig durch ein enorm dynamisches Arrangement, flankiert von einem fetten Bass und einer funkigen Gitarre – das wäre auch ohne Gesang schon ein Erlebnis. Hört man die Platte laut, bläst sie einem die Gesichtshaut weg! Björn (Schlagzeug), Bock (Gitarre/Gesang), Max (Gesang), Walla (Bass), Marek (Tasten) verzichten dankenswerterweise auf vermeintliche „Hitrefrains“, wie es sie bei dem Vorgänger noch gab. Das macht die Sache noch einen Ticken ernsthafter und depressiver, als es früher eh schon war. In sich konsequent! Aber die Hoffnung, Herr Nuscheler! Wo bleibt die Hoffnung? / Marko Fellmann

salon alter hammer // x-mist // 34:13 // telemark

Review: STORNO – Wellness (LP)

Storno 2016 Wellness

Warum raus, wenn drinnen sicherer ist? STORNO verleiten zum Innehalten und Zuhören, gerade weil die Musik deutschsprachiger Noisepunk ist. Der verzerrte Bass und das crashige Schlagzeug dominieren den Opener „Herzlich Willkommen“, dessen Text sich nicht an den Hörer richtet und garantiert keine Einladung zu was auch immer ist. Vielmehr geht es um biografische Nullpunkte, die introspektiv auf die noch folgenden Beobachtungen verweisen, nämlich: wie wir wurden, was wir nie werden wollten! Was bleibt ist der Wunsch nach „Wellness“ – was in Anbetracht der misanthropischen Gesellschaftsbeschreibungen, die Sänger Max hier veröffentlicht, nachvollziehbar erscheint.

Geholfen haben ihm Björn Möhlendick (Schlagzeug, Ex-PRINZESSIN HALTS MAUL), Denis Erath (Bass, KURT) und Till Steinebach (Gitarre, Ex-FLOWERPORNOES). Heraus gekommen ist eins der besten deutschsprachigen Slacker-Indie-Alben: laut, noisig, ausdrucksstark. Das hat viel mit dem Livecharacter der Musik zu tun: „Ausnahme Alltag“ z.B. bietet einerseits Hitpotential, andererseits genug Musikraum zum Entdecken und Vertiefen. Der Instrumentalteil in „Talentfrei“ ist wahnsinnig stark mit diesem spacigen Echo-Gitarrensound. „Winter“ wird durch den melodischen Refrain zum zugänglichsten Song des Albums. „Huch“ genügen drei schräg klingende Gitarrentöne, um besonders zu sein. Das alles stes vorgetragen von einer top eingespielten Band, deren Instrumentals bereits stark genug sind, um zu überzeugen, weil sie Ausdruck, Atmosphäre und Dynamik haben. Sehr schön finde ich das Artwork mit dem 70er-Jahren-Familienidyll, das hat Stil und belegt die Gesamtaussage des Albums. „Wellness“ ist ein ehrliches Album, abseits aller oberflächlichen Meilensteine, die einem das Leben so beschert. Geld verdienen lässt sich damit natürlich nicht, draufzahlen ist angesagt: insgesamt also erfolgreich gescheiterter Duischord zum Verlieben! / Marko Fellmann

salon alter hammer // x-mist // 34:13 // storno

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